"In hohem Maße unprofessionell"

In Berlin hat die Staatsoper wiedereröffnet. Eine gute Nachricht für alle Kulturinteressierten (auch in Bayreuth), allerdings auch ein mahnendes Beispiel für alle Planer (gerade in Bayreuth). Denn einerseits ist das Werk gelungen, andererseits aber auch aus den Fugen geraten - mit einer doppelt so langen Bauzeit und doppelt so hohen Kosten wie veranschlagt.

Bayreuth baut derzeit selbst an seinem eigenen Großobjekt und will von Berlin insofern lernen, dass das Großprojekt im Rahmen bleibt, mit Kosten von rund 55 Millionen Euro und einer Bauzeit bis Ende 2019. Bis dahin soll die Bayreuther Stadthalle rundum erneuert sein: Kleines Haus, Wandelhalle, Balkonsaal - alles soll bis dahin neu gestaltet und besser an die Erfordernisse eines multifunktionalen modernen Kulturzentrums angepasst sein.

Vor allem aber soll das Große Haus in neuem Glanz erstrahlen, mit einer neuen Bühne mit höherem Portal plus Seitenbühne, mit einem aufgehübschten Innenraum inklusive neuer Holzverkleidung und einer viel besseren Akustik, aber auch mit einer Decke, die den mittlerweile hohen Anforderungen an den Brandschutz entspricht.

Jetzt kommt das Kleine Haus dran

Bislang bewege man sich im Zeitrahmen, sagt Stadtbaureferentin Urte Kelm. Draußen wächst langsam das Gras über die Stufen hinauf zum Eingang, drinnen aber wird tatsächlich gehämmert, zertrümmert, abgetragen. Das Kleine Haus ist schon leer, in den nächsten Wochen nun - ursprünglich wollte man im September damit beginnen - wird dieser Anbau abgetragen. Eine polnische Firma wird Stein für Stein nummerieren und einlagern, damit das Gebäude auf einem neuen Keller - und sozusagen auf trockenen Füßen - wieder aufgebaut werden kann. Derzeit werden die Holzverkleidungen im Großen Haus abgenommen; bis November will man sich allenthalben bis zu den altehrwürdigen Sandsteinmauern der alten Reithalle vorgearbeitet haben.

Schon 70 Namensvorschläge

Im November komnmt der "Spezialtiefbau" dran. "Das heißt, es werden Fundamentierungen ertüchtiget und verstärkt", sagt Kelm. Dazu wird dem Fundament Beton "gespritzt", Erde unter den Grundmauern wird herausgenommen und durch Beton ersetzt. Unter anderem wegen der Erhöhung des Bühnenportals, aber auch wegen der Anforderungen an den Bühnenturm und das höhere Gewicht der neuen Deckenkonstruktion braucht's stärkere Fundamente.

Die Schadstoffsanierung unter anderem im Balkonsaal läuft derweil weiter. Anfang des neuen Jahres werden dann die ersten tragenden Teile des Stadthallenkomplexes abgebaut, die Dachkonstruktion soll bis März abgetragen sein.

Noch bis zum 16. Oktober können die Bayreuther ihre Vorschläge für einen neuen Namen einreichen. Rund 70 Vorschläge seien bereits eingegangen, sagte Joachim Oppold, Sprecher der Stadt. "Das Echo ist recht groß, die meisten Vorschläge drehen sich um Jean Paul, um Wilhelmine oder um die Funktion als Markgräfliche Reithalle."

Grüne üben Kritik

Nicht für oder gegen bestimmten Namen, sondern gegen den Zeitpunkt der Aktion an sich äußern sich die Grünen. Zusammen mit den Unabhängigen im Stadtrat kritisieren sie den Namensfindungswettbewerb als "Aktionismus" und im "hohen Maße" unprofessionell.

Der Wettbewerb solle lediglich von Problemen ablenken. So bemängelt Stefan Schlags, stellvertretender Fraktionschef der Grünen, das Fehlen eines Betriebskonzepts. Er kritisiert abermals, dass Kulturreferent Fabian Kern in die Wüste geschickt worden sei. "Mit der völlig unnötigen Absetzung des Kulturreferenten fällt die Person weg, die die Projektsteuerung erfolgreich begonnen hat", schreibt Schlags in einer Pressemitteilung. "Seine Überlegungen hin zu einem eigenständigen Kulturprogramm der Stadt in der Stadthalle waren absolut unterstützenswert."

Schlags fordert neben dem inhaltlichen Konzept außerdem eine Kommunikationsstrategie für die Halle, "damit sie sich zu einer starken Marke entwickelt". Dazu aber trage die Namensfindungsaktion derzeit nichts bei.

Vielleicht gibt es vom Beispiel Berlin noch etwas zu lernen. In all den Jahren des Bauens, über all den Millionen an Kosten blieb doch eins unverändert - der gute alte Name Staatsoper.

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Kommentare


Was den Namen "Stadthalle" betrifft ist mir auf den zweiten Blick klar geworden, dass ein "klangvoller Name" wie z.B. Franz Liszt oder Jean Paul für die Außenwirkung, dass heißt für die überregionale Bewerbung bei Künstleragenturen, tatsächlich besser ist. Hat doch mit dem Betriebskonzept überhaupt nichts zu tun. Bin mal gespannt, was da so an Vorschlägen eingehen wird.





Am allerdringendsten wäre es, schnellstmöglich die Frage anzugehen, wer (und davon abhängig in welcher Form) kompetent und mit Herzblut die "Stadthalle" künstlerisch bzw. was die Bespielung angeht leiten und professionell vermarkten wird. Von dieser Person wird - wie man anhand anderer Spielstätten und Städte sieht - der Erfolg samt Strahlkraft stehen und fallen. Die tollste Spielstätte nützt nichts, wenn sie nicht hochprofessionell gemanagt und mit Leben gefüllt wird.

Dafür braucht es viel Vorlauf - professionelle Acts stehen nicht kurzfristig zur Verfügung.

Was den Namen angeht:
Das dürfte keine einfache Sache werden ...
Liszt, Wagner, Wilhelmine schön und gut, aber der Name sollte keine programmatische Einengung assoziieren, sondern das gesamte Spektrum von Klassik bis modern, Musik, Theater bis Comedy "ermöglichen" ...
Bayreuth kann es nicht und wird es nie lernen! Zu A...
Ich bin eigentlich nicht kleinkariert, aber einen Artikel mit dermaßen vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern habe ich von euch bisher noch nicht gesehen...
Ehrlich? Ich lese das ganze gerne nochmal durch, habe aber so dermaßen viele Fehler beider Gattungen nicht gefunden, vom "schon tragen die Bautrupps die Holzverkleidungen ab" mal abgesehen. Bitte um genauere Hinweise. Danke!
Eine "Meistersingerhalle" gibt es schon in Nürnberg und eine "Nibelungenhalle" in Lorsch, Passau, Königswinter und Walldürn. Hoffentlich kommt nicht schon wieder ein Name, der bereits schon existiert, wie beim letzten unsäglichen Bayreuther Namensfindungswettbewerb.
Gleich zwei Wilhelminenhallen gibt es in Ptreetz/Schleswig-Holstein!!!
Mein Vorschlag:
"Obere Rotmainauenhalle"
Da wäre schon "Sendelbachhalle" angebrachter!
Jetzt hör doch mal auf über die Namensdopplung bei der Wilhelminenaue zu jammern. Das Gut bei Großderschau kennt keine alte Sau. Doppelte Namen bei Orten sind auch keine Bayreuther Erfindung, es gibt kaum Orte die einen einzigartigen Namen haben.
Back to the roots: Ludwig-Siebert-Halle
- assoziiert keine programmatische Einengung
- existiert mit ziemlicher Sicherheit derzeit nicht noch mal
- vielleicht gibt es irgendwo noch ein altes Schild davon, spart Kosten für ein neues
- erfreut Historiker, die sind dann nämlich nicht mehr die einzigen, die den Namen kennen. Vielleicht erfreut es sie auch aus genau diesem Grund NICHT.
- zieht evtl. neues Publikum an. Zwar solches das hier keiner haben will, aber besser als gar niemand. Wenn die richtig loslegen, wirkt das vielleicht sogar als Konjunkturprogramm. Wenn "die anderen" auch kommen, sogar ganz bestimmt, siehe Hamburg.
- man muss keine Angst haben, dass es irgendwann mal einen Grund gibt, das Ding umbenennen zu müssen. Den Grund gibt es dann nämlich gleich von Anfang an.
Ja klar, die adäquate Nachfolgebenennung wäre dann „Horst-Seehofer-Halle“. <losprust> :-;
"Ludwig-Siebert-Festhalle" hieß das Ding!
"Ludwig-Siebert-Festhalle" hieß das Ding!
Meine Vorschläge (absteigende Präferenzreihenfolge):
"White Elephant Memorial Hall", "Steuerzahlergedenkhalle", "Bayreuther Gernegroßhalle" (auch gerne "Möchtegernhalle") und "Opportunitätskostengrab".
Achso, ich sehe gerade, die Grünen sind wieder gegen irgendwas (hatte den Artikel nicht gelesen). Wenn das so ist, dann bin ich natürlich dafür. Super Aktion mit der Stadthalle! Und diese Aktion "Namenssuche": Spitze! Das nenne ich gelebte Bürgerbeteiligung. Weiter so! Danke Merkel, ääääähhhhh Merk-Erbe.
Warum nicht gleich "Angela-Merkel-Halle"?
Und wer, bitte, entscheidet dann eigentlich letzten Endes über den möglicherweise neuen Namen?
Eine Kommission, in der Mitglieder der Stadt, der BMTG und des KURIERs sitzen.
Diese Antwort ist nicht Kiepfer-würdig - geht´s nicht präziser?
Ich frage mich wie die Vermarktung der Stadthalle funktionieren soll wenn "das Kind" noch keinen Namen hat? Was ist also "unprofessionell" daran jetzt einen Namen für die "neue" Stadthalle zu suchen? Das eine hängt für mich unbedingt mit dem anderen zusammen! Und daher ist die Namenssuche jetzt richtig.
Montag, 13. November 2017 - 11:06