Hochzeit: Ganz in Weiß im Rollstuhl

Stefanie Greiner ist eine Kämpferin. „Sie hatte schon als Kind einen großen Dickschädel,“ erinnert sich ihre Mutter Inge. Diese Hartnäckigkeit braucht sie: Steffi, wie sie von den meisten gerufen wird, kämpfte um Zuschüsse für den behindertengerechten Ausbau der Wohnung im Haus ihrer Eltern, kämpfte um Reha-Maßnahmen, kämpfte um einen Schwenksitz im Auto, der sie wieder mobil machte. Viele Hilfsorganisationen und Stiftungen, darunter die Kurier-Stiftung „Menschen in Not“, die den Schwenksitz finanzierte, unterstützten sie. Als der Kurier 2013 über ihr Schicksal berichtet hatte, gab es außerdem Benefizkonzerte und weitere Spenden.

Auf der Jagd nach Normalität

Stück für Stück rang Steffi ihrem Leben Normalität ab. Sie wollte wieder reiten, so wie sie es früher getan hatte. Bei der Hippotherapie in Gubitzmoos fand sie Menschen, die ihr wieder in den Sattel halfen. „Mit dem neuen Auto können wir sie jetzt auch mal zu einem Konzertfahren“, sagte ihr Vater Walter Greiner, der mit einem Provisorium versucht hatte, den Beifahrersitz für seine Tochter passgenau zu gestalten.

Ein Fest für Steffi

Über Facebook und bei einem Benefizkonzert hat Christian Wilke Stefanie kennengelernt. „Ich wollte ihr helfen. Sie hat es abgelehnt. Und dann ist so viel mehr daraus geworden,“ sagt der Dunkelhaarige. Den Hochzeitstag hat er minutiös vorbereitet. Zusammen mit vielen Freunden, die den Gottesdienst in der Matthäuskirche in Bischofsgrün und die Feier danach in der Kaiseralm zu einem Fest für alle, aber vor allem zu einem Fest für Steffi werden lassen.

Ein Schritt weg von der alten Vergangenheit

Für den gelernten Maler Christian Wilke ist das auch ein weiterer Schritt weg von seiner Vergangenheit. Er war stellvertretender NPD-Vorsitzender in Nürnberg, 2005 kandidierte er bei der Bundestagswahl für die NPD. „Das ist jetzt so lange her“, sagt der heute 38-jährige. „Ich bin seit zwölf Jahren überhaupt nicht mehr politisch aktiv.“ Warum er der NPD beigetreten ist? Das sei eine Jugendsünde gewesen, sagt Wilke heute. „Ich war jung und wollte etwas verändern.“ Und Steffi habe von Anfang an davon gewusst. „Wir haben offen darüber geredet.“

"Für immer ab jetzt": Die Trauung rührt zu Tränen

Als der dunkelrote BMW mit den weißen Rosen auf der Motorhaube vorfährt, geht ein Raunen durch die Gäste, die vor der Kirche warten. Michael Pillich, der bisherige Betreuer von Stefanie Greiner, hat als Trauzeuge seinen letzten großen Auftritt, denn seit der standesamtlichen Trauung, die am Samstag stattfand, ging die Betreuung an Christian Wilke über. Liebevoll steht er dem frischgebackenen Ehemann zur Seite, hebt Steffi Greiner in ihrem weißen Brautkleid mit zarten Spitzen im Ausschnitt aus dem Auto in den Rollstuhl.

Trauzeugin Sandra zupft die langen dunklen Haare zurecht.  Pianist Menno und Sängerin Sophie, Freunde des Brautpaares, sorgen für den festlichen Rahmen in der Kirche. Vielen stehen Tränen in den Augen als Sophie nach dem Gebet von Pfarrer Hans-Georg Taxis das Lied „Für immer ab jetzt“  erklingen lässt. Sichtlich gerührt steht Christian Wilke vor dem Altar hinter seiner Frau im Rollstuhl. Einen nicht enden wollenden Kuss drückt er Steffi auf den Mund, als die Ringe angesteckt sind. „Und die Zeit steht still, weil ich den Moment für immer behalten will“, vor allem diese Liedzeile berührt. Und dann schiebt Christian Wilke seine Steffi hinaus in das gleißende Sonnenlicht, die Blumenmädchen Marie und Jana laufen vorneweg.

"Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins"

Bei der Kaiseralm warten fünf Pferde aus Wülfersreuth auf das Brautpaar. Uwe Grieshammer ist mit vier Reiterinnen aus dem  Blue-Mountains-Connemara-Stall gekommen, „um Steffi eine Freude zu machen.“  Die Braut strahlt, als sie die Pferde sieht. Christian Wilke schiebt sie ganz nah heran. So nah, dass die Stute Candy fast den Brautstrauß mit weißen und roten Rosen zu fassen kriegt. Nach dem Sektempfang wird die Hochzeitstorte angeschnitten. Und bald geht es für die beiden auf Hochzeitsreise. Nach Dubai.

„Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins,“ dieses Bibelwort haben sich die beiden als Trauspruch auserkoren.           

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