Hochwasserschutz wird angepackt

Für Hagenohe bekommt die Stadt zu den knapp 600 000 Euro, die für den Hochwasserschutz aktuell benötigt werden, eine Förderung von satten 85 Prozent. Dieser Weg wurde über das Projekt boden:ständig in Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung geebnet. Das Gesamtkonzept für den Bereich Hagenohe ist schon im November vergangenen Jahres verabschiedet worden

Regenrückhaltemulden

Nach weiteren Infoveranstaltungen und Ortsbegehungen hat die Teilnehmergemeinschaft neun von 32 Maßnahmen bestimmt, die heuer noch angegangen werden sollen. Dabei geht es unter anderem um die Errichtung von „wasserbaulichen Einrichtungen“, heißt es in der Konzeptvorlage. Gemeint sind damit zum Beispiel der Bau von Regenrückhaltemulden, Rohrleitungen und Gräben zur Entwässerung oder Maßnahmen, um Erosionsmaterial zurückzuhalten.

Kosten: 590 000 Euro

Der tatsächliche Flächenbedarf ist inzwischen für die Umsetzung ermittelt. Und, was noch wichtiger ist, die betroffenen Grundstückseigentümer um Hagenohe haben den Baumaßnahmen auch bereits zugestimmt. Die 590 000 Euro, die veranschlagt sind, beziehen sich allein auf die neun Teilprojekte, die heuer noch auf den Weg gebracht werden sollen. Und dafür stehen laut Bürgermeister Joachim Neuß die Chancen nicht schlecht. Denn: „Gerade jetzt ist die richtige Jahreszeit für die Umsetzung, da die betroffenen landwirtschaftlichen Grundstücke abgeerntet sind.“

Auch im November möglich

In den meisten Fällen handelt es sich um eine landschaftliche Modellierung, die jederzeit auch im November noch realisiert werden könne. Nicht so gut sieht es dagegen mit den Schutzmaßnahmen für die Rosenhofsiedlung. Zwar hat der Stadtrat im Dezember 2013, also vor bald drei Jahren, über grundsätzliche Konzepte gesprochen. Mehr als die Information des Planungsbüros ist aber noch nicht daraus geworden. Im Juni 2013 hatte ein Starkregen eine Überflutung von Kellern in der Rosenhofsiedlung und in Häusern Am Dornbach ausgelöst.

Die schlammigen Wassermassen hatten in den Häusern erheblichen Schaden angerichtet. Aktuell sieht es laut Bürgermeister Joachim Neuß so aus, dass eine effektive Entlastung nur möglich sei, wenn auch ein neuer Kanal gebaut werden würde.

Was auch vor knapp drei Jahren das Ingenieurbüro Norbert Winter dem Stadtrat schon vorgeschlagen hatte. Nämlich: Den Bau eines Rückhaltebeckens für Regenwasser, einer Drosseleinrichtung, eines Kanals mit mindestens 30 Zentimetern Durchmesser und begleitende landschaftspflegerische Maßnahmen. Neuß beziffert die Kosten dafür auf rund 525 000 Euro. „Der Stadtrat war sich seinerzeit einig, dass diese Größenordnungen — weitere 230 000 Euro wären für die Siedlung am Dornbach nötig — die finanziellen Möglichkeiten der Stadt bei weitem übersteigen“, so der Bürgermeister. Außer: Es könnten Fördermittel abgeschöpft werden. Aber danach sieht es im Moment jedoch nicht aus.

Nachholbedarf gibt aus auch beim Hochwasserschutz im Neubaugebiet Am Dornbach. Die Häuser dort haben quasi die abschüssige Gugelplatte im Rücken. Bei Starkregen kommen da Wassermassen herunter. Das vorhandene kleine Rückhaltebecken reicht aus Sicht des Planers bei weiten nicht aus, weil 25 Hektar Fläche entwässert werden müssen, so Winter damals vor dem Stadtrat.

Dort aber könnte sich wenigstens eine kleine Lösung anbahnen. Denn laut Neuß sei dieser Bereich vor wenigen Wochen erneut mit einem Ingenieurbüro besichtigt worden — mit dem Ergebnis, dass es zu einer pragmatischen Lösung kommen könnte. Dabei soll der oberhalb des Baugebietes liegende Querweg etwas vertieft und zudem der teilweise bestehende Wall zum Baugebiet erhöht werden.

Neuß zu diesem Thema wörtlich: „Wir sehen darin einen durchaus wirksamen Schutz bei moderaten Kosten und streben die Umsetzung im Frühjahr 2017 an.“ Fördermöglichkeiten sieht der Bürgermeister dafür aber auch nicht. Das Projekt boden:ständig, wie es in Hagenohe läuft, sei ein Pilotprogramm, „das sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen aber zu einer dauerhaften Förderung zu verstetigen scheint.“

Auch in Ohrenbach würde es Bedarf für den Hochwasserschutz geben. Dort müssten mehr als 130 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche entwässert werden. Diese Mammutmaßnahme würden denn auch geschätzte 780 000 Euro kosten.

Wie sieht es in Michelfeld aus? Offenbar gut, wie Neuß die Lage schildert. Die Maßnahme entlang des Flembaches konnte in den vergangenen Monaten komplett durchgeplant werden. „Die letzten Verzögerungen bei diesem Projekt haben Verhandlungen mit den Anliegern erbracht, die aber durchaus auch wertvolle Anregungen eingebracht haben.“

Das Vorhaben sei laut Bürgermeister jetzt umsetzungsreif. Er geht davon aus, dass nächstes Jahr mit einer Realisierung zu rechnen ist.

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