Hochsicherheitstrakt für 18 Millionen

Fast sieht es aus, als sei am Technologiehügel in Wolfsbach ein Raumschiff gelandet. Jedenfalls sieht der rund 70 mal 60 Meter lange dunkle Klotz mit der silbern glänzenden Umrandung auf dem Dach futuristisch aus. Zukunftssicher soll das Rechenzentrum die AOK Bayern und die AOK Plus auch machen. Denn, so AOK-Bayern-Vorstand Hubertus Räde bei der gestrigen Eröffnungsfeier des 18-Millionen-Euro-Projekts: „Wir sind mitten drin in der Digitalisierung. Und die wollen auch wir als AOK aktiv gestalten.“ Das neue Rechenzentrum sei dabei ein Meilenstein. Und zwar auch bei der Datensicherheit: „Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass Patientendaten in falsche Hände geraten.“

Rund um die Uhr bewacht

Vom externen Projektsteuerer Marc Pfaller gab es für die Kubus-Verantwortlichen den symbolischen Schlüssel. Doch mit einem Schlüssel kann man in dem Neubau rein gar nichts anfangen, denn der ist ganz anders gesichert. Nicht nur durch einen hohen Zaun rundum oder einen Sicherheitsdienst, an dem jeder vorbei muss und der 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr vor Ort ist. Kommt es zu einem Zwischenfall und ein Techniker muss vor Ort eingreifen, muss dessen Zugangsberechtigung erst von einem Vorgesetzten, dem diensthabenden Manager, bestätigt werden.

Intelligenter Handvenenscanner

Doch dann hat man erst den ersten von bis zu sechs Sicherheitsbereichen erreicht, von denen mehrere mit Handvenenscannern gesichert sind. Für Freunde schauriger Krimis: Einem Zugangsberechtigten die Hand abhacken und sie vor den Scanner halten, das funktioniert nicht. Denn geprüft wird auch, ob die Hand noch lebt – also da ist, wo sie hingehört. Und um im Genre zu bleiben: Wer ins Allerheiligste will, also zu den Servern, dem nützt es auch nichts, wenn er einen Zugangsberechtigten – sagen wir mal – überredet, ihm seine Hand zu „leihen“. Denn durch die Vereinzelungsschleuse kommt man nur allein. Und auch beim Herauskommen wird man noch mal gescannt, um auszuschließen, dass eine Festplatte unter der Jacke herausgeschmuggelt wird.

Fünf Billionen DIN-A-4-Seiten

Die Kubus-Geschäftsführer Thomas Kay und André Rentsch sind sichtlich stolz auf ihr Rechenzentrum, das derzeit erst zu rund zwei Dritteln ausgenutzt wird. Trotzdem nennen sie beeindruckende Zahlen: Würde man die hier verfügbaren Daten ausdrucken, ergäbe das rund fünf Billionen DIN-A-4-Seiten. Nicht anschaulich genug? Diese Menge würde laut Rentsch ausreichen, um die Allianz-Arena in München bis zur Dachkante zu füllen. Für die Kühlung der Server steht eine Klimaleistung zur Verfügung, die für 100 Einfamilienhäuser reichen würde. Bei einem Stromausfall steht ein fast 3000 PS starker Diesel-Generator zur Verfügung – und, und, und.

Ein Zwilling zur Sicherheit

17.000 AOK-Mitarbeiter können auf die Daten zugreifen, wenn auch nicht jeder auf alles. Und auch die Online-Geschäftsstelle für die Kunden wird durch das neue Rechenzentrum ermöglicht. Das es übrigens aus Sicherheitsgründen gleich zweimal gibt. Gespiegelt nennt man das. Die Rechner dafür stehen ebenfalls in Bayreuth – an den bisherigen Kubus-Standorten Karl-Marx-Straße und Friedrich-Puchta-Straße.

Das Unternehmen

Die 2008 gegründete Kubus IT ist IT-Dienstleister für die AOK Bayern und die AOK Plus (Sachsen und Thüringen) und eine 100-prozentige Tochter der beiden gesetzliche Krankenkassen. Sitz ist Bayreuth, hinzu kommen 13 weitere Standorte – sieben in Bayern sowie je drei in Sachsen und Thüringen. Das Unternehmen hat rund 750 Beschäftigte, von denen 130 in Bayreuth arbeiten. Mit Fertigstellung des neuen Rechenzentrums wird die komplette Speicher- und Rechenleistung von Kubus in Bayreuth konzentriert. Es handelt sich um die Daten von fast 7,5 Millionen Versicherten. Noch bestehende Rechenzentren in Dresden und Holzkirchen bei München werden aufgegeben. Die AOK Bayern ist mit gut 4,3 Millionen Versicherten die größte gesetzliche Krankenkasse in Bayern und die viertgrößte in Deutschland. Die AOK Plus hat mehr als drei Millionen Versicherte und ist damit Marktführer in Sachsen und Thüringen.

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Kommentare

Wurde anscheinend auch mit einer größeren Einweihungsfeier eingeweiht; "Zelte" über mehrere Tage dafür aufgebaut für die zahlreichen Gäste, Bewirtung, ...; zumindest wenn man dies von der B 2 aus im Vorbeifahren richtig sehen könnte.
Traurig, wie hier Geld verprasst wird, das für kranke Menschen gedacht war!
,,,VERGESSEN!!! Wenn Kranke, bzw. Todkranke Leistungen bräuchten! ABGELEHNT!!!...
Hoffentlich ist das Gespiegelte in der Karl Marx Straße und in der Friedrich Puchta Straße auch so gut gesichert wie in Wolfsbach.
Montag, 13. November 2017 - 11:06