"Hilfe, die wollen mich erschießen!"

Mehr Autos, aber weniger Unfälle: So lautete eine Erkenntnis der Verkehrsunfall-Statistik 1967. Polizeichef Anton Wager präsentierte die Statistik im Balkonsaal der Stadthalle, wie der „Nordbayerische Kurier“ in der Ausgabe vom 6. März 1968 berichtete. Das Ergebnis war erfreulich. Obwohl der Verkehr immer dichter wurde und die Fahrzeuge immer schneller fuhren, war die Zahl der Verkehrsunfälle gesunken. Auffällig war der Rückgang der Schülerunfälle. Lob ging deshalb an die Verkehrserziehung an den Schulen.

„Hilfe, die wollen mich erschießen!“

Doch so gut die Entwicklung bei den jungen Verkehrsteilnehmern war, so schlecht sah es bei den älteren Leuten aus: Die Hälfte der Bayreuther Verkehrstoten des Jahres 1967 war älter als 65 Jahre gewesen. Die Statistik beinhaltete auch Erkenntnisse über Unfallursachen. Die häufigste Unfallursache war die Verletzung der Vorfahrt. Der gefährlichste Monat im Jahr 1967 war der September gewesen, in dem 39 Verkehrsverletzte gezählt worden waren. Und der gefährlichste Tag war der Freitag, an dem sich beinahe jeder fünfte Unfall ereignet hatte. Sonntags wurden nur halb so viele Unfälle gezählt. Polizeichef Wager wies weiter darauf hin, dass durch den Bau von Verkehrsinseln einige Gefahrenstellen hatten entschärft werden können.

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In derselben Ausgabe berichtete der Kurier indirekt von einem weiteren Verkehrsunfall. Ein 39-jähriger Mann hatte einen Verkehrsunfall erlitten und war in das Münchberger Krankenhaus eingeliefert worden. Plötzlich griff er in geistiger Verwirrung eine Krankenschwester und einen Arzt an. Der Patient sprang aus einem Fenster im Erdgeschoss und floh aus dem Krankenhaus. Barfuß und nur mit einem Schlafanzug bekleidet rannte er anschließend durch die Straßen und rief „Hilfe, die wollen mich erschießen!“. Schließlich fand die alarmierte Polizei den flüchtigen Patienten in einer Gaststätte. Nach einem Handgemenge konnten die Beamten den Mann überwältigen. Er wurde ins Nervenkrankenhaus nach Bayreuth gebracht.

Arm in Arm aus dem Gericht spaziert

Des Weiteren berichtete der Kurier von einem Happy End vor dem Bayreuther Amtsgericht, zumindest im emotionalen Sinne. Ein 21-jähriger Hilfsarbeiter hatte sich zu verantworten, weil er wiederholt seiner Unterhaltspflicht gegenüber seiner Ehefrau und den zwei gemeinsamen Kindern nicht nachgekommen war. Das Ehepaar, das getrennt lebte, verließ den Gerichtssaal schließlich Arm in Arm. „Wir wollen es wieder miteinander versuchen“, erklärte der Angeklagte. Er selbst hatte sich für seine Taten reuig gezeigt. Der Richter hatte das Paar schließlich ermahnt, es möge doch ein besseres Vorbild für seine Kinder sein.

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