Helferkreis leistet gute Arbeit

An vorderster Stelle agieren Verdi Akdemir und Marianne Mimler-Hofmann als Ansprechpartner und Ratgeberinnen für die Asylbewerber. „Wir haben schnell erkannt, dass unser Staat und seine Behörden zumindest im Herbst und Winter 2015 mit der Betreuung der vielen Flüchtlinge überfordert waren und die Situation die ehrenamtliche Betätigung von uns allen forderte,“ erklären Mimler-Hofmann und Akdemir. Der Einstieg erfolgte mit der Betreuung eines Asylbewerbers im Kirchenasyl in Form von Besuchen zur moralischen Unterstützung, der Versorgung mit Essen und Deutschunterricht.

Mehrere Deutschkurse

„Jetzt geben wir an drei bis vier Nachmittagen pro Woche Deutschkurse, die von allen Lernwilligen besucht werden können. Es kommen auch Personen aus Königstein und Neuhaus. Wir helfen und organisieren Termine bei Behörden und Ärzten. Durch die Kenntnisse in arabischer Sprache ist Verdi Akdemir eine wichtige und wertvolle Ansprechpartnerin nicht nur für die Asylbewerber, sondern zum Beispiel auch für das Ausländeramt geworden.“ sagt Mimler. Das Spektrum der Hilfe beinhaltet zudem Fahrdienste, wenn öffentliche Verkehrsmittel nicht zur Verfügung stehen. „Wir besuchen die Neubürger zu Hause, wenn es Probleme gibt, oder einfach nur, um deren Gastfreundschaft anzunehmen und dabei ihre Sitten und Bräuche sowie ihr Alltagsleben besser kennenzulernen. Wir haben bereits und werden in nächster Zeit gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Wanderungen, Stadtführung oder ein Grillfest organisieren“, so die Sprecherinnen des Helferkreises.

Mit Handwerksbetrieben in Kontakt

Bei einem Besuch der Asylbewerberunterkunft in Michelfeld gaben einige Äthiopier gern Auskunft über die ihnen vom Helferkreis vermittelten Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Mimler: „Wir sind besonders stolz darauf, dass wir bei der Arbeitssuche bisher ziemlich erfolgreich waren, denn wir stehen mit den heimischen Handwerksbetrieben und Industrieunternehmen und mit den einschlägigen Ämtern in Amberg in gutem Kontakt.“ Keiner der Asylbewerber in Michelfeld hat bislang die Anerkennung zum Bleiberecht erhalten.

Abschiebung verhindert

Durch die Vermittlung der Ausbildungs- und Arbeitsplätze ist aber eine Abschiebung in die frühere Heimat verhindert worden. Die Äthiopier betonten bei einer Tasse Tee, dass sie sich hier sehr wohl fühlen und die Bevölkerung freundlich sei. Ziad macht bei Elektro Beyer ein Praktikum und ist in Nürnberg beim Schlitzschlagen zum Verlegen der Leitungen im Einsatz. Auf die Frage, was er dort macht, sagt er „Licht“. Haider ist derzeit bei Fenster-Bau Gnan beschäftigt, Elias bei Getränke-Weiß, Dejene bei HD-Bau, Byniam bei Neukam und Nigatu bei Regens Wagner in Michelfeld. In seiner Heimat hatte er ein Studium aufgenommen. I

Bei Regens Wagner

In gutem Deutsch erzählt er über seine Tätigkeiten bei Regens Wagner. Er ist in der Gruppe Agnes tätig, sortiert Wäsche, hilft den 50- bis 80-jährigen Bewohnern bei den Mahlzeiten, ist bei Spaziergängen als Begleiter präsent und geht am Sonntag mit seiner Gruppe in die Kirche. Er formuliert es so: „ Manche in der Gruppe sind selbständig, einige brauchen aber Hilfe.“ Jaffar und Ibrahim haben gern bei der Spedition Christ gearbeitet, denn im Juli drohte die Abschiebegefahr. Über das Telefon erfahren die Asylbewerber über ständig neue Probleme in ihrem Herkunftsland, weshalb oft gar keine Verbindung möglich ist. Problematisch läuft auch die Beschaffung von Urkunden aus der Heimat, denn häufig gingen die Dokumente auf der Flucht verloren. Ab September müssen sich arbeitende Asylbewerber Wohnungen suchen. In der Unterkunft in Michelfeld zahlen aktuell zwei Personen für ein Zimmer 300 Euro, zuvor waren es 192 Euro.

Der Helferkreis ist dankbar für die Unterstützung durch die Schulschwestern, die katholische Kirche und die Caritas. Verdi Akdemir betreut die Asylbewerber aus Syrien und ist auch sonst rund um die Uhr telefonisch mit den Flüchtlingsangelegenheiten beschäftigt. Am 28. September läuft ein Integrationskurs der Volkshochschule mit Marianne Mimler-Hofmann im Kolpinghaus an. Auch Jürgen Wittmann ist hier involviert.

Für das ehrenamtliche Engagement des Helferkreises bekommt dieser voraussichtlich am 21. September eine Auszeichnung im Zusammenhang mit der Vergabe des Förderpreises „Zukunft Region“. Marianne Mimler-Hofmann abschließend: „Wir wollen erreichen, dass sich die Neubürger bei uns aufgenommen fühlen und das Wort „Integration“ nicht nur ein Schlagwort bleibt. Damit sollen auch Angst und Ressentiments in der Bevölkerung Auerbachs vor und gegenüber den „Fremden“ abgebaut werden.

1 (1 vote)

Anzeige