Helfer vor Ort bald auch in Betzenstein

Bei einer Informationsveranstaltung zeichnete sich ab, dass die Initiatoren mit Betzensteins Bürgermeister Claus Meyer das Projekt voranbringen können. Mehrere Interessenten meldeten sich für eine schnelle Hilfe im medizinischen Notfall. Noch aber muss Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Die Ausgangslage: Betzenstein ist zwar umgeben von Rettungsdienststandorten, aber die sogenannte Rettungsfrist von maximal zwölf Minuten bis ein Rettungsdienst eintreffen soll ist auf Betzensteiner Gemeindegebiet im Notfall „an der Kante“, so Meyer, egal ob aus Pegnitz, Velden oder Gräfenberg angefahren wird. Die Integrierte Rettungsleitstelle (ILS) in Bayreuth alarmiert jedenfalls immer den Rettungsdienststandort oder das Rettungsfahrzeug, das dem Notfall am nächsten ist. Um nicht wertvolle Minuten verstreichen zu lassen, wird auch unter Umständen die Feuerwehr Betzenstein alarmiert, „aufgrund der kürzeren Wege“, wie Kreisbrandinspektor Werner Otto informierte. Seit 2012 werde die Feuerwehr verstärkt bei medizinischen Notfällen alarmiert. Die Feuerwehrleute sind zwar in erster Hilfe ausgebildet, haben aber eben nicht unbedingt eine sanitätsdienstliche Ausbildung als „First Responder“ (Sanitäter vor Ort), der gezielter und mit einer entsprechenden Ausbildung eingreifen kann, bis der Rettungsdienst oder der Notarzt eintreffen. In Betzenstein hat es Anfang des Jahres drei medizinische Notfälle gegeben, wo die alarmierte Feuerwehr machtlos war und nicht helfen konnte, so Meyer.

Der Helfer vor Ort: Die ehrenamtlichen First Responder bekommen eine intensive, rund 80 stündige Ausbildung – im Falle von Betzenstein vom ASB Jura in Velden. Das befähigt sie, bei medizinischen Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen der professionellen Retter mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen zu überbrücken. „Jede Minute, die bei einem Herzstillstand verstreicht, verringert die Überlebenschance um zehn Prozent“, so Not- und Allgemeinarzt Stefan Bauernschmitt. Eine entsprechende Ausbildung nehme die Angst eines Ersthelfers, bei lebensrettenden Maßnahmen etwas falsch zu machen. Die Ausbildung verschafft das Rüstzeug, das man braucht, um den Verunglückten helfen zu können. „Es lohnt sich wirklich“, so Bauernschmitt.

Beispiel Königstein: „Dienstbereitschaften werden mit der Integrierten Leitstelle abgesprochen“, erklärte Andreas Brunner vom ASB Velden, der die Helfer vor Ort in Königstein mit aufgebaut hat. Es komme auch vor, dass der Dienst nicht besetzt ist“, so Brunner, aber: Das müsse man akzeptieren. Immerhin sei es ein Freiwilligendienst. Aber, so Andreas Brunner weiter: „Jede Stunde, wo wir diesen Dienst anbieten können ist wertvoll, entlastet die örtlichen Feuerwehren.“ Es gebe keinen sinnvolleren Ort als Betzenstein, um einen derartigen Dienst aufzubauen. In Königstein habe man durchwegs nur positives Feedback aus der Bevölkerung erhalten, Sponsoren gefunden und sei auf eine hohe Spendenbereitschaft gestoßen.

Die Organisation: Brunner hielt vor allem eine Person für wichtig, bei der organisatorisch die Fäden zusammenlaufen, die einen Dienstplan erstellt. In Betzenstein hat sich mit Andrea Carl diese Person schon gefunden. Immerhin gingen der Informationsveranstaltung schon zwei Sitzungen eines Helfer-vor-Ort-Arbeitskreises voraus. Der diensthabende Helfer vor Ort, der dann auch das entsprechende Fahrzeug vor der Tür stehen hat, wird dann von der Leitstelle alarmiert, wenn er sich in der Nähe eines Notfalls befindet. Angesichts der Entfernungen, die zwischen Betzensteiner Gemeindeteilen teilweise zurückgelegt werden müssen, ist nicht immer gesagt, dass der Helfer vor Ort schnell beim Notfallpatienten ist. „Es ist trotzdem ein Gewinn, auch wenn die Entfernungen groß sind“, sagte Bauernschmitt. „Wir werden keine flächendeckende Abdeckung haben“, so Meyer: „Aber jeder Fall, wo wir retten können, ist ein Gewinn“. Man müsse die Wahrscheinlichkeit insgesamt erhöhen, dass schnelle Hilfe da sei. Unterstützung für den Aufbau eines Ersthelfer-Netzes gibt es vom ASB Jura und vom ASB Pegnitz.

Die Finanzierung: Bürgermeister Meyer stellte die Anschubfinanzierung durch die Stadt Betzenstein in Aussicht. Er werde dem Stadtrat die Kostenübernahme für die Anschaffung eines Fahrzeugs und der nötigen Ausrüstung zur Abstimmung vorlegen. Sponsoren sollen gesucht werden und man will Spenden einholen.

Die nächsten Schritte: Zunächst sollen möglichst noch weitere Helfer vor Ort durch persönliche Ansprache gefunden werden. Sieben Personen meldeten sich bei der Informationsveranstaltung, die bereits über einen entsprechenden Sanitäts-Ersthelferlehrgang verfügen. Zwei weitere wollen sich demnächst vom ASB Jura ausbilden lassen: vom 11. November bis 16. Dezember dieses Jahres, jeweils an den Wochenenden. Eine weitere Informationsveranstaltung soll noch mehr Zusagen für den Ersthelferdienst bringen. Dabei regte Plechs Bürgermeister Karl-Heinz Escher an, auch die Bürger der Marktgemeinde Plech mit einzubeziehen. Deshalb findet die öffentliche Veranstaltung am Donnerstag, 19. Oktober im Feuerwehrhaus Ottenhof statt. Um 19 Uhr wird dort erneut über das Projekt informiert. Im Anschluss (20 Uhr) treffen sich die Interessenten für diesen Dienst zu ersten organisatorischen Besprechungen.

INFO: Wer sich den Helfern vor Ort anschließen möchte, kann sich bis dahin auch bei der Verwaltungsgemeinschaft Betzenstein, Telefon 0 92 44/9 85 20, melden.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06