Heim für minderjährige Flüchtlinge bleibt

Die Einrichtung für die jungen Flüchtlingen wird Wohnheim. Darüber informierte am Montag Sandra Grau, Bereichsleiterin für Bayern des Christlichen Jugenddorfwerkes (CJD) Ebersbach, das die Trägerschaft für Esperanto übernommen hat, bei einem Kurzbesuch der SPD-Fraktion des Kreistags Amberg-Sulzbach.

Nicht nach Neukirchen

Für die jungen Afghanen sah es lange so aus, dass sie nach Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg umziehen müssten. „Aber die Flüchtlingszahlen sind mittlerweile zurückgegangen“, sagt Grau. Waren es noch zeitweise rund 50 Flüchtlingen im vergangenen Jahr und dann 32 im Frühjahr, sind es jetzt nur noch 21 Jugendliche, die man in Auerbach betreut. Das Jugendamt habe deshalb auch keinen Sinn darin gesehen, in Neukirchen eine große Einrichtung aufzumachen. Und grünes Licht zu geben, das ehemalige Schwesternwohnheim neben der St.-Johannes-Klinik von der Notunterkunft zum Wohnheim umzufunktionieren.

Es fehlt noch Mobiliar

Zwar sind die Zimmer für die Jugendlichen mehr oder weniger schon fertig eingerichtet, aber es fehlt noch an Mobiliar für Gruppenräume und für die Küche, das aber demnächst geliefert werden soll. Zwei Wohngruppen sollen entstehen – eine sozialpädagogische Gruppe und eine so genannte „Verselbstständigungsgruppe“. So der Plan.

Kostenkonzept ausarbeiten

Ein endgültiges Wohnkonzept gebe es noch nicht, erklärt Grau, so lange das Kostenkonzept mit dem Jugendamt noch nicht endgültig ausgearbeitet ist. Sicher sei wohl, dass man ein Stockwerk des Schwesternwohnheims, das nicht bewohnt ist, zumindest herrichtet „wenn der Notfall eintreten sollte und wir nicht überfordert werden“, sprich: Die Anzahl der jungen Flüchtlinge wieder zunehmen sollte. Das war im vergangenen Jahr der Fall, „als plötzlich 30 Leute vor der Tür standen“. Rund ein Jahr später ist im Haus Esperanto der Alltag eingekehrt.

Kochen, waschen, bügeln

Die Jugendlichen gehen entweder in die Mittelschule Auerbach oder in die Berufsschule Sulzbach-Rosenberg. Viele haben schon Praktika hinter sich. „Unser Ziel ist ganz klar, die Ausbildung der Jugendlichen“, so Grau. Ein Teil von ihnen treibt laut Grau Sport im Verein, alle haben regelmäßig Sprachunterricht. „Die Jungs konzentrieren sich erst mal auf Deutsch“, betont Grau. Und auf ein selbstständiges Leben: Sie kochen, waschen, bügeln, gehen einkaufen.

Das nehmen ihnen die acht Betreuer unter der Leitung von Johannes Rogner nicht ab. „Wir leben ja nicht in Hotel Mama“, sagt Grau.

Demnächst soll es auch stundenweise psychologische Betreuung in Gruppenstunden geben. Es gebe im Übrigen kein Problem des weiblichen Personals mit den jungen Afghanen. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Frauen werden sehr respektvoll behandelt“. Und mit einem weiteren Vorurteil will Grau ebenfalls aufräumen: Das Handys für die Jugendlichen kein Luxus sind. Es sei oftmals die einzige Möglichkeit vor allem in sozialen Netzwerken Kontakt zu den Familien in Afghanistan aufzunehmen. Einige können das nicht. Sie wissen nicht, wie es ihren Familien im Heimatland geht. Ein junger Afghane, der den Besuchern einen Blick in sein Zimmer gewährt, hat Grüße an seine Mutter an die Wand gepinnt. Er erklärt mit den noch wenigen Worten Deutsch, die er kann, dass es keinen Kontakt zu ihr gibt. Seit er in Deutschland ist, hat er noch kein Lebenszeichen von sich geben können.

Laut Grau gibt es weder Probleme der Jugendlichen untereinander noch mit Einheimischen. „Was uns Bauchschmerzen macht ist, dass viele Jugendliche auf einmal kommen und nicht alle haben einen Flüchtlingsstatus.“ Vor allem, wenn die Papiere fehlten müssten die jungen Flüchtlinge schon mal sechs Monate auf einen Anhörungstermin warten. Das berge Unsicherheiten. „Das ist weder für uns noch für die Jungs einfach.“

SPD-Fraktionsvorsitzender Winfried Franz zeigte sich beeindruckt von der raschen Umwandlung von Esperanto vom Übergangsheim zum Wohnheim: „Die integrativen Einrichtungen sind in der Flüchtlingsfrage enorm wichtig.“

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