Hauch von Hollywood in Oberfranken

Klaus Ermer schaut skeptisch in den beleuchteten Spiegel: „So kurz waren sie das letzte Mal mit 14 Jahren.“ Der Bayreuther hat vom Maskenbildner einen Haarschnitt verpasst bekommen, wie ihn Männer vor 60 Jahren hatten.

Montagmittag, Bauernhofmuseum Kleinlosnitz, zwischen Gefrees und Münchberg. Ermer ist zum „Statistenfitting“ gekommen. Außer der passenden Frisur bekommt er Kleidung der 40er Jahre angepasst. Ermer soll in dem ZDF-Mehrteiler „Tannbach“ gemeinsam mit anderen Komparsen eine Gruppe Flüchtlinge im Juli 1945 darstellen. Wie bereits kurz berichtet, laufen derzeit Dreharbeiten für die 13 Millionen Euro-Produktion, eine der teuersten des Fernsehjahres, in der Region. Am Dienstag hat Heiner Lauterbach in Thurnau gedreht, am gestrigen Mittwoch stand Martina Gedeck in Kleinlosnitz vor der Kamera, wo der historische Dietelshof, um den das Bauernhofmuseum entstanden ist, der perfekte Hintergrund für historische Stoffe ist. Weitere Szenen mit Nadja Uhl entstanden in Thüringen und in Tschechien. Der Dreiteiler, der im Januar ausgestrahlt werden soll, handelt von einem fiktiven geteilten Dorf in der Nachkriegszeit, für das zweifellos Mödlareuth das Vorbild ist.

Außer Ermer sind noch weitere Komparsen gekommen. Einer Frau mit blonden Haaren passt eine Maskenbildnerin ein Haarteil an. Florian Dietel bekommt wie Ermer die Haare hochrasiert und einen straffen Seitenscheitel verpasst. Dietel, der auch schon als amerikanischer Soldat für einen anderen Film aus der gleichen Ära vor der Kamera stand und in Bischofsgrün mit der Hochfränkischen Bühne Theater machte, muss in „Tannbach“ einen Polizisten darstellen.

Michael von Hohenberg hat Ermer, Dietel und viele andere in seiner Kartei. Der Weißenstädter Filmemacher sammelt gerade für seinen Endzeitfilm „Final Picture“ Preise auf internationalen Filmfestivals (wir berichteten). Für die ZDF-Produktion „Tannbach“ besorgt er in Oberfranken die Komparsen, Sethelfer und die Absperrung der Drehorte. Und in Zukunft soll von Hohenberg in offizieller Mission dafür sorgen, dass noch mehr Dreharbeiten in der Region stattfinden. Seit einem halben Jahr ist er „Beauftragter Film und Fernsehen“ für Ostoberfranken. Von Hohenberg, der mit bürgerlichem Namen Jahreis heißt und die Jacob-Ellrod-Realschule in Gefrees besucht hat, tummelt sich seit rund 15 Jahren im Filmgeschäft, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die Kontakte, die er in dieser Zeit aufgebaut hat, sind sein Kapital für den neuen Posten. Und seine Motivkartei. Denn außer Personal, wie jetzt für „Tannbach“, soll er auch passende Drehorte vermitteln: „Rund 200 habe ich schon.“

Zweck der Übung ist nicht so sehr, die Region bekannter zu machen, indem man sie auf dem Fernsehbildschirm oder der Leinwand platziert. Es geht vor allem um Geld. Von Hohenberg rechnet vor: „Für ’Tannbach’ sind rund 70 Leute für zwei Wochen in der Region, wohnen in Hotels in Bayreuth und Münchberg. Da kommt schnell ein sechstelliger Betrag zusammen, der in der Region ausgegeben wird.“

Die Dreharbeiten für Tannbach in Oberfranken standen auch ohne von Hohenbergs Zutun fest. Dass bald der Kinofilm „Elser“ auch in der Region entsteht, ist dagegen ihm zu verdanken. In dem Film, der unter der Regie von Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) entsteht, geht es um den Hitlerattentäter Georg Elser. Drehort ist wie schon für den Film „Perlmutterfarbe“ Weidenberg, dessen Obermarkt sich mit wenig Aufwand in eine Ortsansicht der 1930er Jahre verwandeln lässt. Und zu Elsers baden-württembergischen Heimatort Königsbronn wird. Die Dreharbeiten werden Ende August, Anfang September sein.

Dann ist auch Michael von Hohenberg vor Ort: „Ich bin Motivaufnahmeleiter, das heißt, ich kümmere mich darum, dass mit der Location alles klappt. Außerdem besorge ich Sethelfer, Absperrer und Komparsen.“ Vielleicht ja auch wieder Klaus Ermer und Florian Dietel.

Nicht bewertet

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Kommentare

Ostoberfranken - eine ideale Kulisse zum Abdrehen von Historienfilmen in und über die ehemalige DDR. Noch mehr davon, bitte.

Määääh ;-)
Oder Heimatwestern. Wie wärs mit "Kirchenlamitz High Noon Shooting". Der Wind bläst durch die menschenleeren Strassen, treibt Westerngebüsch vor sich her (für die Christel-Mess-Generation: Tumbleweed is nix zum Rauchen). Opa Kreckel döst halb dement auf seinem Schauckelstuhl an der Straße, den Strohhut tief in sein Geischt gezogen. Windstille. Plötzlich entferntes Knattern. Blaukreuzschwaden am Horizont. Das Knattern kommt näher. Opa Kreckel döst. Da: Ein Trabi fährt durch Kirchenlamitz! Sachsen-Paule steigt ganz lässig aus. Opa Kreckel richtet sich auf und ertastet seinen Colt...