Hat der Wolf nun Babys oder nicht?

Dass je ein Wolfspaar auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und im Bayerischen Wald gibt, gilt als sicher. Sie wurden schon gesehen, und ihre Existenz wissenschaftlich nachgewiesen. Aus Urin-Spuren haben Forscher ihre Gene nachgewiesen. Für Nachwuchs gibt es allerdings noch keinen solchen Beweis.

Nachwuchs ist die "biologische Konsequenz"

Laut Hubert Anton, stellvertretender Leiter und Naturschutzbeauftragter beim Bundesforstbetrieb Grafenwöhr, seien Wolfsjungen aber die „biologische Konsequenz“. Nur im ersten Jahr der Partnerschaft oder in extrem seltenen Fällen könne die Wölfin kinderlos bleiben. Ulrich Wotschikowsky geht außerdem von „zwei territorialen Wolfspaaren“ aus, ziemlich dominante Tiere, die ihr Revier beherrschen wollen. „Für gewöhnlich gründen sie eine Familie“.

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Beide Wolfsexperten erwarten, den möglichen Nachwuchs in den nächsten Tagen oder Wochen zu Gesicht zu bekommen. Wo die Wolfswelpen zuerst auftauchen werden, ist jedoch unklar. In Grafenwöhr sei das Gras laut Anton mit 80 bis 130 Zentimeter so hoch, dass man beim Rotwild nur die Köpfe sehe. Ein Wolf, der nur etwa 60 Zentimeter groß ist, sei daher vermutlich gar nicht zu sehen. Zudem dürfe man bestimmte Bereiche des Truppenübungsplatzes nicht betreten.

Doch auch im Bayerischen Wald gebe es Gebiete, die aufgrund ihres Schutzstatus' sowie ihrer Vegetation nicht zugänglich seien, meint Wotschikowsky. Die Spekulation über den ersten Nachweis der Wolfskinder sei für ihn deshalb „Stammtischgerede“.

In Tschechien 19 Schafe gerissen

Egal ob mit oder ohne Nachwuchs, beim Bayerischen Bauernverband (BBV) betrachtet man "die Wiederansiedlung der Wölfe in Bayern generell mit Sorge“, sagt Pressesprecher Markus Peters. Immer wieder würden Wölfe Weidetiere angreifen. Erst letzte Woche berichtete die tschechische Nachrichtenagentur CTK, dass Wölfe im tschechischen Böhmerwald, der an den Bayerischen Wald angrenzt, 19 Schafe gerissen hätten.

Schutzmaßnahmen wie stabilere Zäune oder Herdenschutzhunde würden vor allem kleine land- und forstwirtschaftliche Betriebe vor finanzielle Herausforderungen stellen, sagt Hubert Hofmann, BBV-Ansprechpartner für Jagdfragen in den Regierungsbezirken Oberpfalz und Niederbayern. Hinzu käme, dass „die auf jeden Eindringling fokussierten Herdenschutzhunde“ Wanderern gefährlich werden könnten.

Streit um den Schutzstatus der Wölfe

Laut Hofmann solle daher der Schutzstatus der Wölfe aufgehoben werden, sodass deren Bestand durch die Jagd reguliert werden könne. Diese Forderung stößt bei Ulrich Wotschikowsky auf Protest. Der Förster plädiert für eine finanzielle Unterstützung der Bauern durch den Staat, der „möglichst 100 Prozent der Kosten für den Schutz der Weidetiere übernehmen sollte und müsste“. Diesen Vorschlag unterstützt Alfred Zellner (SPD), Dritter Bürgermeister des Luftkurorts Zwiesel im Bayerischen Wald.

Einig sind sich die Beteiligten nur darin: Für den Menschen geht von den Raubtieren keine Gefahr aus.

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Kommentare

"Hinzu käme, dass „die auf jeden Eindringling fokussierten Herdenschutzhunde“ Wanderern gefährlich werden könnten."

? Wanderern die durch das Schafgehege wandern? Wie war das eigentlich früher als der Wolf noch heimisch war, und jeder Bauer einen Hütehund hatte? Wurden da ständig Wanderer gefressen?
Montag, 13. November 2017 - 11:06