Hasibether fordert NS-Dokuzentrum

Die Gesprächsrunde stand unter dem Thema „Für die Zukunft erinnern“. Referenten waren neben Lisa Hain die Publizistin Karla Fohrbeck aus Neudrossenfeld, die Leiterin des Historischen Museums in Bayreuth, Martina Ruppert, sowie Kurier-Redakteur Peter Engelbrecht. Mehr als 30 Zuhörer waren gekommen.

KZ-Außenlager in Oberfranken geraten in Vergessenheit

Die angehende Gymnasiallehrerin Hain untersuchte im Rahmen ihrer Zulassungsarbeit an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg die Erinnerung an mehrere frühere KZ-Außenlager in Oberfranken. Sie kam zum ernüchternden Ergebnis, dass dieses Kapitel der regionalen NS-Geschichte häufig verdrängt werde.

So erinnere in Pottenstein lediglich eine Gedenktafel auf dem Friedhof unter anderem an die KZ-Häftlinge, die von 1942 bis 1945 im Außenlager von Flossenbürg für die SS-Karstwehr schuften mussten.

Bayreuth-Besucher werden nicht über Lagervergangenheit aufgeklärt

Am Schöngrundsee, der von den Gefangenen errichtet wurde, erinnere nichts an die Opfer. Keine Hinweise gebe es auch an der Teufelshöhle, die in Randbereichen von den KZ-Gefangenen ausgebaut wurde. Bürgermeister Stefan Frühbeißer habe auf Anfrage mitgeteilt, dass in der sogenannten Magerscheune, dem früheren Außenlager, bis zum Jahr 2020 eine Ausstellung über diesen Teil der Pottensteiner Heimatgeschichte gezeigt werden solle, berichtete Lisa Hain.

In Bayreuth erinnere ebenfalls nur ein Gedenkstein auf einer Wiese nahe des Nordrings an das frühere Außenlager in der Neuen Baumwollspinnerei. Bayreuth profitiere als Festspielstadt vom Tourismus, Besucher würden nicht über die Lagervergangenheit aufgeklärt, bedauerte Hain.

NS-Pläne: Aufmarschplatz für 65.000 Menschen

Martina Ruppert klagte über den Platzmangel im Historischen Museum, der eine umfassendere Darstellung der NS-Geschichte nicht zulasse. Sie kündigte an, das Modell des sogenannten Gauforums im Maßstab von 1 zu 20, das derzeit im Keller des RW21 lagert, wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Die Pläne der NS-Machthaber sahen ein Gauforum für Bayreuth mit einer Prachtstraße und einem Aufmarschplatz für 65.000 Menschen, umgeben von monumentalen Gebäuden, vor.

Das geringe Geschichtswissen der Jugend bedauerte die Publizistin Karla Fohrbeck. Selbst über die politischen Auseinandersetzungen der 1970er Jahre um den Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, der von Konservativen heftig angefeindet wurde, sei heute bei jungen Leuten kaum etwas bekannt.

Hasibether: Bayreuth ein zentraler Ort der Nazi-Ideologie

Wolfgang Hasibether, der Stiftungsratsvorsitzende der Leuschner-Stiftung, sprach sich für ein Konzept der Erinnerungskultur in der Region Bayreuth aus. Es fehle ein Konzept zur ganzheitlichen Vermittlung verschiedener historischer Gedenkorte und deren Verbindung zu Opfern und Widerstand in der Region.

Hasibether plädierte für ein NS-Dokumentationszentrum Bayreuth. Die Stadt sei ein zentraler Ort der Nazi-Ideologie gewesen. In Bayern gebe es bisher drei NS-Dokumentationszentren wie den Obersalzberg, München und Nürnberg, die durch den bayerischen Staat und das Gedenkstättenprogramm des Bundes finanziert werden. „Es wäre denkbar, ein viertes Dokumentationszentrum in Bayreuth zu gründen“, sagte er.

Bereits 1923 habe Hitler die Wagner-Familie in Bayreuth getroffen, Bayreuth sei der reichsweite Hauptsitz des NS-Lehrerbundes gewesen. Die Wagner-Festspiele seien ab 1933 eine NS-Kultstätte gewesen.

red

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Kommentare

Zitat am Ende des Textes (Nachdem mit "red" gekennzeichnet ist, handelt es sich ja offensichtlich um eine Pressemitteilung der Leuschner-Stiftung)

Hasibether plädierte für ein NS-Dokumentationszentrum Bayreuth. Die Stadt sei ein zentraler Ort der Nazi-Ideologie gewesen. In Bayern gebe es bisher drei NS-Dokumentationszentren wie den Obersalzberg, München und Nürnberg, die durch den bayerischen Staat und das Gedenkstättenprogramm des Bundes finanziert werden. „Es wäre denkbar, ein viertes Dokumentationszentrum in Bayreuth zu gründen“, sagte er.
Bereits 1923 habe Hitler die Wagner-Familie in Bayreuth getroffen, Bayreuth sei der reichsweite Hauptsitz des NS-Lehrerbundes gewesen. Die Wagner-Festspiele seien ab 1933 eine NS-Kultstätte gewesen.

Im neu gestalteten Richard-Wagner-Museum wird dies deutlich (und richtiger- und notwendigerweise) in einer eigenen Abteilung dargestellt:

Zitat aus dem Internetauftritt des Richard-Wagner-Museums:

Das denkmalgeschützte Siegfried Wagner-Haus, 1894 durch Wagners Sohn erbaut, wurde von dessen Frau Winifred bis zu ihrem Tod 1980 bewohnt. Es ist im Erdgeschoss in seiner originalen Ausstattung der 1930er Jahre erhalten und wird den Besuchern erstmals zugänglich gemacht. (...)

Hier wird die Ideologiegeschichte Wagners dargestellt, die enge Verbindung zwischen Bayreuth und der NS-Diktatur beleuchtet und die persönlichen Beziehungen der Familie Wagner zu den Nationalsozialisten und zu Adolf Hitler dokumentiert.

Es ist natürlich wünschenswert, wenn es in Bayreuth neben den drei bestehenden NS-Dokumentationszentren am Obersalzberg, in München und Nürnberg ein viertes durch den bayerischen Staat und das Gedenkstättenprogramm des Bundes finanziertes Dokumentationszentrum in Bayreuth geben würde. Herr Hasibether soll aber bitte nicht so tun, als werde die Erinnerungskultur in diesem Bereich totgeschwiegen.

Stephan Müller

Montag, 13. November 2017 - 11:06