Härtere Strafen bei Raser-Unfällen?

Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt. Die Strafen? Aus Sicht der Staatsanwaltschaft zu milde. Sie will erreichen, dass die beteiligten des illegalen Autorennens ins Gefängnis müssen - wie der Bayerische Rundfunk berichtet, auch, um ein Zeichen für eine funktionierende Rechtsordnung zu setzen. Auch die Familie des Opfers fordert eine Gefängnisstrafe. Die Bewährungsstrafe für die Täter fühle sich wie ein Freispruch an. Der BGH hat die Begründung beanstandet, mit der die Strafen zur Bewährung ausgesetzt wurden. Eine andere Kammer des Landgerichts muss den Fall nun neu aufrollen und über das Strafmaß entscheiden.

Schon länger gibt es Diskussionen, wie die Teilnehmer illegaler Autorennen härter bestraft werden könnten. Denn immer wieder machen illegale Autorennen und spontane Rasereien Schlagzeilen. Oft kommen Unbeteiligte zu Schaden. Eine Chronologie.

Februar 2016: ein Toter in Berlin

Ein Unbeteiligter stirbt, als sich zwei junge Männer auf dem Berliner Ku'damm ein Rennen liefern. Der Fall wird vor dem Berliner Landgericht verhandelt, das mit seinem Urteil für Aufsehen sorgt. Es ergeht kein Urteil wegen fahrlässiger Tötung, wie sonst üblich in solchen Fällen. Das Gericht verurteilt die beiden Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haft und lebenslangem Führerscheinentzug. Die Verteidiger kündigten Revision gegen das Urteil an.

Mai 2016: fünf Verletzte in Hagen

Zwei Raser, die mit Tempo 80 durch die Innenstadt fahren, verursachen einen Verkehrsunfall mit 5 Verletzten. Ein sechsjähriger Junge schwebt wochenlang in Lebensgefahr. Das Gericht, das die Sache verhandelt, geht nicht von einem verabredeten illegalen Rennen aus. Hinter dem Lenkrädern der Autos: ein 34 und ein 46 Jahre alter Mann. Der 46-Jährige bekommt ein Jahr auf Bewährung. Der vorbestrafte 34-Jährige muss für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis.

August 2016: eine Tote und ein schwer Verletzter in Saarlouis

Ein 23-Jähriger rast mit seinem getunten Wagen bei Überherrn (Landkreis Saarlouis) in eine Fußgängergruppe. Hinter ihm zwei Freunde in ebenfalls getunten Wagen. Ein 14-jähriges Mädchen stirbt, ein 16-Jähriger wird schwer verletzt. Augenzeugen berichten, der 23-Jährige sei "wie ein Rennfahrer" unterwegs gewesen. Er verliert die Kontrolle über seinen Wagen. Der Fall wird noch vor Gericht verhandelt. Die Anklage: fahrlässige Tötung.

Juni 2017: ein Toter in Mönchengladbach

Ein 38-jähriger Fußgänger stirbt, als zwei Männer sich mit hoch motorisierten Autos ein Rennen in der Innenstadt liefern. Ein 28-Jähriger, der den Fußgänger mit seinem Auto erfasst hat, stellt sich der Polizei. Der zweite Teilnehmer der Raserei flüchtet.

Juli 2017: Sachschaden in Köln

Auf dem Zubringer zur A57 bei Köln liefern sich ein 18- und ein 19-Jähriger ein Rennen. Der 18-Jährige verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug und schleudert gegen einen Laternenmast. Er verletzt sich nur leicht. Unbeteiligte kommen bei diesem Rennen nicht zu Schaden.

Juli 2017: hoher Sachschaden in Berlin

Die Fahrer eines Mercedes und eines Audi liefern sich ein Rennen durch Kreuzberg. Sie missachten dabei laut Zeugenaussagen mehrere rote Ampeln. Der Mercedes kracht in mehrere parkende Autos. Der Audifahrer flüchtet. Die Insassen des Mercedes versuchen zu Fuß, sich von der Unfallstelle zu entfernen. Die Polizei ermittelt. mki

Quellen: Spiegel, Kölner Express, Berliner Zeitung, Deutsche Presseagentur

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