Härtere Strafe für Todesfahrer

Der heute 29-jährige Russlanddeutsche wird jeden Tag an das Drama vom 30. August vor eineinhalb Jahren erinnert. Seine Freundin saß mit in dem roten Opel, mit dem der Mann bei schönem Wetter und auf trockener Straße unterwegs gewesen war. Sie wurde damals so schwer verletzt, dass ihr der rechte Unterschenkel amputiert werden musste.

Doch dies wiegt für die 19-Jährige nicht so schwer wie die Tatsache, dass ihr Freund der Mann ist, der für den Tod ihrer älteren Schwester. Die saß auf dem Beifahrersitz und wurde getötet, als der Opel des Angeklagten nahe der Glasermühle in die Leitplanke der B 303 krachte. Auch eine 17-jährige Freundin der beiden Schwestern starb bei dem Unfall. Ein 29-jähriger Unfallzeuge, den der Angeklagte im roten Opel kurz zuvor mit hohem Tempo überholt hatte, erinnert sich: "Erst sah es aus wie ein Unfall mit Blechschaden. Dann begann der Horror, als das Auto in die Leitplanke einschlug. Ein Mädchen wurde in hohem, Bogen zur Heckscheibe herausgeschleudert." Dieses 17-jährige Mädchen, so sollte sich später herausstellen, war eine Bekannte des Zeugen, jedoch: "Als ich zu ihr hinkam, habe ich sie nicht erkannt."

Trotz Verbots überholt

Wie schon in erster Instanz bei Amtsrichter Stefan Käsbohrer konnte der Angeklagte auch im Berufungsprozess nicht richtig erklären, warum er an jenem Tag den Unfall verursachte hatte. Er hatte auf einem zweispurigen Teilstück der B 303 beschleunigt, den Wagen des 29-jährigen Zeugen "mit hohem Tempo" überholt, wie dieser im Berufungsprozess als Zeuge aussagt. Doch mit dem Überholprozess war auch der zweispurige Straßenabschnitt zu Ende: Die B 303 verengt sich zu einer Sperrfläche hin, es ist Tempo 60 angeordnet. Der Angeklagte fuhr laut dem Zeugen "100 Sachen oder gar mehr".

Die Straße wird am Ende der Sperrfläche kurvig. Der Angeklagte machte ein Fahrmanöver, das ihn auf Kollisionskurs mit dem Auto eines entgegenkommenden Rentners brachte. Die Auto stießen zusammen, danach krachte der Opel in die Leitplanke - mit verheerenden Folgen. Im erstinstanzlichen Prozess hatte ein Gutachter berichtet, die 17-Jährige habe aus dem Auto geschleudert werden können, weil der Opel durch die Wucht des Aufpralls geknickt wurde und die 17-Jährige trotz angelegtem Sicherheitsgurt unter dem Gurt durchrutschen konnte.

"Erfolgsunrecht" wiegt sehr schwer

Um die Schuld an dem Unfall ging es in dem Prozess indes nicht, denn die Staatsanwaltschaft hatte ihre Berufung auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkt. Der Angeklagte gestand trotzdem erneut, dass er zu schnell gefahren sei und "dass ich eine falsche Entscheidung getroffen habe. Ich würde das alles so gerne rückgängig machen. Aber ich kann es nicht."

Für die Bewertung des Dramas nahm die Berufungskammer unter Vorsitz von Richter Werner Kahler drei Komponenten her: Zunächst das sogenannte "Handlungsunrecht". Der Angeklagte habe durch seine riskante Fahrweise den Unfall verursacht. Dann das sogenannte "Erfolgsunrecht". Der Angeklagte habe fahrlässig den Tod zweier Menschen verursacht und zwei weitere schwer verletzt: Auch der 83-jähirge Rentner, mit dessen Auto er zunächst kollidiert war, war ins Krankenhaus eingeliefert worden. Richter Kahler sagte: "Der Gehalt des Erfolgsunrechts wiegt sehr, sehr schwer. Wir verhehlen nicht, dass uns das Urteil des Amtsgerichts als zu milde erscheint." Die dritte Komponente beschrieb der Richter so: "Sie fahren offenbar sehr gerne viel zu schnell." Im Verkehrsregister hat der Angeklagte nämlich zwei Raser-Taten stehen. Im einen Fall fuhr er statt 100 Sachen mit 127. Und im anderen Fall gar 177 anstatt 130.

Deshalb verdoppelte die Kammer die Strafe auf zehn Monate. Die in erster Instanz verhängte Strafe bezeichnete Richter Kahler als "falsches Signal". Die vom Amtsgericht gewährte Bewährung gab jedoch auch das Landgericht. Auch die Fahrerlaubnissperre wurde von einem Jahr auf eineinhalb Jahre verlängert. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Der Verurteilte akzeptierte das härtere Urteil.

Nicht bewertet

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Kommentare

Im August, vor eineinhalb Jahren???????
2 Tote und eine Schwerverletzte unter voller Schuldfähigkeit werden bei uns also mit 10 Monaten auf Bewährung geahndet?
Da braucht man sich echt nicht wundern, dass die Radikalen in unserem Land immer mehr Auftrieb erhalten.
Das ist leider wahr...
die lachen doch eigentlich nun über unsere Justiz