Haidenaab: Küchlabacken vor der Kerwa

Ehemann Heribert Veigl kommt eine Stunde später dazu, sieben Helferinnen sind noch vor Sonnenaufgang auf sechs Uhr bestellt. „Ohne die Unterstützung meiner Schwestern und Cousinen sowie bester Freundinnen würde das alles nicht gehen“, sagt Rita Veigl, die weiß, was sie an den Frauen hat. Denn sie helfen noch bis zum Kirwa-Ende am Dienstag. Sie sind ein eingespieltes Team.

Ungeheure Kirchweih-Logistik

Dabei ist das Küchlabacken nur ein Mosaik, ein Baustein einer ungeheueren Logistik, von der sich viele Menschen wohl keine Vorstellung machen. „Die Kirwa selbst geht“, sagt Rita Veigl, da ist alles vorbereitet, alles läuft in geordneten Bahnen. „Viel schlimmer sind die sechs bis acht Wochen davor, das Zusammenstellen aller nötigen Utensilien, das Abschätzen der Mengen, das Einkaufen und Organisieren. Man glaubt nicht, was ein Wirtshausbetrieb so braucht – das ist ein Kraftakt, den sieht keiner.“ Ende August hat sie bereits die ersten Einkäufe in Kemnath, Immenreuth und Bayreuth erledigt, hat von der Brauerei Kühlschränke geordert, um die Frischwaren kühl lagern zu können, hat die Helferinnen abgefragt, wer wann wie lange Zeit hat, sie zu unterstützen.

Jede Kirwa läuft anders

Erschwerend kommt dazu, dass kaum planbar ist, wie viele Besucher zur Kirwa kommen werden. Jede Kirchweih läuft anders, weiß sie aus der Erfahrung der letzten Jahre. „Wichtig ist, dass der Kunde am Ende zufrieden ist“, betont sie. Da ist das Küchlabacken noch am ehesten abschätzbar. „Wir hatten schon Jahre, da hätten wir gut und gerne über 1000 verkaufen können, aber auch Jahre, da sind wir darauf sitzen geblieben. Irgendwann einmal hat sich die Zahl auf 600 eingependelt.Am Mittwoch gegen 4 Uhr früh hat die Wirtin als erstes in der Küche eingeschürt, denn auf die Temperatur im Raum, bei den Zutaten wie in den einzelnen Backstadien, kommt es an. „Zugluft ist Gift.“ Hier ist Rita Profi. Alles ist Handarbeit, alles geht ihr aus dem FF von der Hand. In einer ersten Runde sollen 250 bis 300 Küchla entstehen.

In zwei Fritteusen wird gebrutzelt

Zwischenzeitlich ist es 6 Uhr. Lisbeth, Renate, Maria, Rosi Veigl sowie Christa Kettel und Rita Popp sind mittlerweile eingetroffen. Jetzt geht alles Hand in Hand. Um 6.30 Uhr wird dann das Fett in zwei Fritteusen erhitzt. Dann geht es eine Stunde lang ans Ausziehen und ans Einlegen – mit absoluter Fingerfertigkeit. Die Frauen haben den dreh Raus.

Je größer die Bällchen, umso größer die Küchla. Und gerissen ist auch noch nie eins. Auf die Sekunde werden die Küchla im Fett auch gedreht, denn der richtige Zeitpunkt ist entscheidend für den dezenten braunen Rand. Das Auge ist ja schließlich mit, ist Renate Veigl. der Meinung. Mit dem Kochlöffel werden die Küchla herausgehoben, abgetropft, dann auf ein Blech und später im Wohnzimmer zum Abkühlen auf dem Tisch ausgelegt. Dieses wurde nämlich kurzerhand als Lagerraum umfunktioniert und dient während der Kirchweihtage auch als Standort für die extra Kühschränke von der Brauerei.

In der zweiten Runde

Nach einer Stunde geht es in die zweite Runde. Während die anderen Küchla ausgezogen haben, hat Rita Veigl bereits begonnen, den Teig für die nächste Runde zu erstellen. Nach fünf Stunden ist wieder ein Stück Kirchweiharbeit vollbracht. Jetzt können die Gäste zum Kaffeetrinken kommen – und die Frauen sich selbst auch eine Tasse Kaffee gönnen. Von der Gemütlichkeit der Kirchweihtage werden sie selbst nicht viel mitbekommen. Denn für sie alle endet der Kraftakt erst am Mittwoch nächster Woche, wenn alles wieder aufgeräumt, alle Räume geputzt, alle Kühlschränke sauber sind. Dann werden sie sich gegen Mittag im Nebenzimmer zu frischen Bratwürsten und zu einer Tasse Kaffee mit einem frischen selbst gebackenen Küchla zusammensetzen.

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