Haberstumpf: Der Bierhahn ist zugedreht

Einen kleinen Silberstreif am Horizont gibt es dennoch: Denn so schnell will Hans Wernlein, der „Bräu“, nicht aufgeben. Er arbeitet an einem neuen Konzept. „Das jetzige 50-Hektoliter-Sudwerk ist zu groß“, erklärt er. „Bei der ausgestoßenen Menge wird das Bier zu alt. Eine 20-Hektoliter-Anlage muss her. Wir brauchen auch neues Leergut. Und das kostet Geld.“

Nach Gesprächen zuversichtlich

Also sucht Wernlein nach Investoren, Enthusiasten, die ein handwerklich gebrautes Bier zu schätzen wissen. Erst gestern Nachmittag führte er ein Gespräch, das ihn sehr zuversichtlich stimmt. „Ich bin richtig erleichtert und sehe, dass es möglich ist, die Brauerei zu halten. Nach dem Gespräch mit dem Investor schaut die Sache viel positiver aus als noch vor ein paar Tagen“, sagt er. Parallel zur Investorensuche laufen Verhandlungen mit einem jungen Braumeister, die vermutlich bald abgeschlossen werden können. „Der junge Mann ist schon am Sondieren und zeigt auf, wo wir investieren müssen“, berichtet Wernlein.

Allein auf die Trebgaster Abnehmer verlassen will sich der „Bräu“ aber nicht mehr. Er ist überzeugt, dass die künftigen Bierbesonderheiten – zwei- bis viertausend Hektoliter will er im Jahr brauen – außerhalb der Region mehr Anerkennung erfahren werden als in Trebgast selbst.

Doch wie ist es zu der momentanen Krise in der Brauerei Haberstumpf gekommen? Wie anderen kleineren Brauereien, setzten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahrzehnten auch der Brauerei Haberstumpf zu. Schon vor Jahrzehnten verlor die Brauerei bedeutende Lieferungen in die Kantinen von Großbetrieben. Dann begann in den 1970er und 1980er Jahren das Wirtshaussterben. Wichtige, werbewirksame Absatzstätten schlossen ihre Pforten. „Alle kleineren Brauereien haben darunter zu leiden, dass es immer weniger Gaststätten gibt“, sagt Wernlein. „Im Umkreis von Trebgast habe ich rund 15 Wirtshäuser verloren, weil die Wirtsleute aufgegeben haben.“

Kaum Rückhalt in der Bevölkerung

Die Ersatzgastronomie, die neuen Vereinsheime, ignorierten Wernlein und seine Brauerei. Kein Wunder. Die Vereine erhofften sich und erhielten auch vom Brauriesen aus der Kreisstadt finanzielle Unterstützung für die Einrichtung ihrer Ausschankstätten. Wernlein konnte da nicht mithalten. Die Folge: Bier aus Kulmbach gewann auch im Gemeindegebiet Trebgast die Oberhand. Nur der Tennisklub hält dem einheimischen „Zwick’l“-Bier die Treue, und natürlich gibt es in der Bräuschänke nach wie vor Haberstumpf-Bier. Wenn also schon in der eigenen Gemeinde der Rückhalt fehlt, dann wird es schwer für die Brauerei vor Ort.

Tochter braut jetzt in Schottland

Nun ist es nicht so, dass die Familie Wernlein die Hände in den Schoß gelegt hätte. Sie versuchte ihr Heil in Innovationen im Spezialbierbereich. Ihr „Zwick’l“, das erste übrigens weit und breit, genoss allgemeine Anerkennung. Mit Bio-Bieren wollte man in eine Marktnische vorstoßen, und die Bockbiere stießen in den Saisonmonaten auf großen Zuspruch. Schließlich eröffnete die Braumeisterin und Nachfolgerin in der Wernlein-Dynastie, Yvonne Wernlein, die „Bräuschänke“ auf dem Brauereigelände. Das neue Lokal erhielt jedoch nicht den erhofften Zuspruch, und so war man gezwungen, die rustikalen Wirtsräume zu vermieten. All das veranlasste Braumeisterin Yvonne Wernlein dazu, ihre Zelte in Trebgast abzubrechen und sich in Schottland eine neue Existenz aufzubauen. Sie arbeitet jetzt als Braumeisterin in der Fyne Ales Brewery in Cairndow am Loch Fyne an der Westküste Schottlands. Dort hat sie in der vergangenen Woche ihren ersten Sud angesetzt.

Der Trebgaster Bürgermeister Werner Diersch zeigte sich am Telefon überrascht von der Einstellung des Braubetriebes bei Haberstumpf. Er kenne „noch keine offizielle Verlautbarung“, sagte er. Haberstumpf sei eine Brauerei mit langer Tradition und habe das Leben im Ort über Jahrhunderte begleitet. Die Einstellung des Brauereibetriebes bedauere er sehr. Er würde die Braustätte vermissen. Froh zeigte sich der Bürgermeister darüber, dass die Pizzeria in der ehemaligen Bräuschänke weitergeführt werde. Braumeisterin Yvonne Wernlein bescheinigte er, eine hervorragende Braumeisterin zu sein.

Nicht bewertet

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Kommentare

Schade, schade! Haberstumpf-Bier ist ein edler Saft.
Bald bleiben nur noch Kulmbacher und Maisel!
Regional denken und kaufen! Kulturerbe bei Brauereien, Metzgereien und Bäckereien erhalten!! Ein Teil unserer kulturellen Identität. Unsere kleinen, vielfältigen und unabhängigen Brauereien, müssen sich einen gemeinsamen Vertriebsweg suchen. Wenn der regionale Absatz - auch und vor allem über die Gastronomie, nicht mehr funktioniert -könnte nicht Bierland Oberfranken eine Plattform bieten? Wir als Verbraucher sind in der Pflicht. Qualität und Regionalität geht vor Preis und Bequemlichkeit!
Dieses Kulturerbe ist nur immateriell. Davon wird man nicht satt und davon bekommt man auch keinen Rausch.
Und dafür muss man Geld bezahlen, und das ist offensichtlich etwas, das Sie nicht so sehr mögen.
Wir haben hier das Luxusproblem, dass es bei uns jede Menge hervorragende Kleinbrauereien gibt. Wenn ich die alle angemessen unterstützen wollte, hätte ich einen permanenten Pegel von 1,5 Promile, was nicht Sinn der Sache sein kann. So wechsle ich durch, da kann es chonmal 3 Jahre dauern bis ich wieder bei derselben Brauerei lande. Schade um Haberstumpf, ich hab mal irgendwo ein Biobier von denen getrunken, das war spitzenmäßig.
Bier ist aber auch Geschmackssache. Das Haberstumpf war leider nicht so ganz meins. Habe mal einen gemischten Kasten gekauft und hatte wahrlich Probleme dieses Kupfer- und Land -"Krönla" auszutrinken. Dauerte einige Wochen.