In Gummistiefeln durch das fränkische Watt

Der Weißenstädter See gehört mit seinen fast 50 Hektar zu den größten Gewässern des Fichtelgebirges. Wobei man zurzeit kaum von Gewässer sprechen kann: Besucher blicken im Moment auf eine Wattlandschaft. „Noch ist er nicht ganz leer, aber bald“, sagt Bürgermeister Frank Dreyer.

Selten wird der See komplett abgelassen, zuletzt 2003, davor 1991. Heuer ist der Anlass ein kleines Bakterium, das unter dem Namen Blaualge bekannt ist. „Seit zwei Jahren haben wir im Sommer Probleme damit“, schildert der Bürgermeister. Im August 2015 und im Juni 2016 hatten Mitarbeiter des Fachbereichs Gesundheitswesen vom Wunsiedler Landratsamt bei der Überprüfung der Gewässerqualität die Cyanobakterien nachgewiesen. Weil diese kleinen Lebewesen Gifte produzieren, die zu Hautreizungen, Bindehautentzündung oder Durchfällen führen können, mussten Badegäste besonders aufpassen.

Zu viele Nährstoffe im Wasser

Damit steht Weißenstadt aber nicht alleine da: Cyanobakterien gedeihen in Gewässern weltweit wieder prächtig. Schuld sind oft zu viele Nährstoffe im Wasser – und die Erderwärmung. Viele Gemeinden kämpfen gegen die blaugrünen Teppiche in ihren Badeseen. Allerdings: Cyanobakterien gibt es schon seit dreieinhalb Milliarden, sie haben Eiszeiten, Artensterben und Meteoriteneinschläge überstanden. Der Kampf ist entsprechend schwierig.

Eine mögliche Ursache für das Wohl der Blaualgen kann auch der Fischbestand sein. Sogenannte Friedfische lassen sich die Fressfeinde der Blaualgen schmecken, das Zooplankton. So nennt man verschiedene Einzeller, Pfeilwürmer, Larven und mehr, die sich unter anderem an den Algen und Bakterien im Gewässer gütlich tun. Raubfische wiederum jagen die Friedfische, und je weniger Karpfen, Rotfedern oder Barben unterwegs sind, desto mehr Zooplankton rückt den Blaualgen zu Leibe. Deshalb lohnt sich in Seen auch der Blick auf die Zusammensetzung des Fischbestands.

Fische ziehen in andere Gewässer

„Wir möchten den Besatz gerne entsprechend ändern“, sagt Dreyer. Zusammen mit dem Fischereiverein und Experten sollen die Fische aus dem See geholt und auf andere Gewässer des Vereins verteilt werden. „Das muss so fischgerecht wie möglich laufen“, sagt Dreyer, der die Bedenken von Tierschützern ernst nimmt.

Außerdem erhoffen sich die für den See Verantwortlichen, dass die Blaualgen weniger werden, wenn die Sedimente am Grund des Sees ordentlich Frost erwischen. Damit der Schlamm richtig durchfrieren kann, muss der See über den Winter leer bleiben. „Erst im Frühjahr 2017 werden wir ihn wieder anstauen.“

Dass die Gäste des eben erst eröffneten „Siebenquell Gesundzeitresorts“ jetzt Matsch statt des malerischen Sees vor der Tür haben, ist Dreyer bewusst. „Das geht ja auch den Gästen des schon länger bestehenden Kurzentrums so. Sicher, für uns Weißenstädter ist das mal ganz interessant, den See so zu sehen. Für unsere Besucher ist es nicht so schön.“

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Kommentare

Als Unwissender muss man sagen, wird wohl müssen, und die Fachleute werden schon alles richtig machen .......
aber:
- Wird's den "kleinen Lebewesen" ohne Wasser im Winter gut gehen .....
- und für die Gäste der neuen Therme (die mit dem Blick über den See wirbt) ist mal was anderes,
können ja nach Fichtelberg fahren und den See dort ansehen und nutzen
Der Wasserstand geht ja langsam zurück, alle Lebewesen können also mit abwandern. Passiert in natürlichen Gewässern mit Wasserstandsschwankungen ständig.
Das Problem mit dem Nährstoffeintrag wird wohl nicht weiter verfolgt? Müsste man ja die heilige Kuh, die Landwirtschaft stören?
Sie haben recht, vielleicht versucht man das Problem zu abzumildern, wagt sich aber nicht an die Ursachen und Verursacher.
Aber natürliche Gewässer die über Winter eintrocknen habe ich in unserer Gegend noch nicht gesehen.
Ein Aufgestauter See ist nicht wirklich ein natürliches Gewässer, sondern eher mit einem Fischweiher zu vergleichen. D.h. er hat z.B. keinen natürlichen Abfluß und damit von natürl. Gewässern unterschiedene Fließverhältnisse. Abgesehen davon oft auch eine rel. geringe Zufluß/Durchflußmenge die natürlicherweise eine derart große Wasserfläche nicht nicht entstehen od. dauerhaft bestehen ließe. Kurz: es ist kompliziert, wie oft wenn man mit "Natur" zu tun hat und hat auch oft ein großes Format, weil von weither beeinflußt od. weithin wirkend. Advent Advent...