Grüne wollen härter gegen Hetze vorgehen

Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche steht im Mittelpunkt der Winterklausur der Landtagsfraktion. Ein zentraler Punkt der Beratungen: der Umgang mit Hasskommentaren und Hetze im Internet. Aytekin Celik, Parteimitglied und Leiter der Medienakademie Baden-Württemberg, stellte bei seinem Gastvortrag fest, dass das Phänomen „Internethass“ schon mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke vor etwas mehr als zehn Jahren begonnen hat. Zum echten Problem, da massenhaft auftretend, würden Hetze und das Verbreiten gezielter Falschinformation aber erst seit 2015. Das sei das Ergebnis wissenschaftlicher Studien.

"Don't feed the troll - das funktioniert nicht mehr"

„Don’t feed the troll“ – das bedeutet frei übersetzt: Lass die Spinner reden, irgendwann hören sie von alleine auf. Das sei noch in Zeiten aufkommender sozialer Netzwerke ein probates Mittel gewesen, sagte Verena Osgyan. Die Nürnberger Landtagsabgeordnete stellte aber fest: „Das funktioniert offenbar nicht mehr.“

 

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Dem Hass als Massenphänomen müsse man begegnen – mit gesellschaftlichem Engagement, aber auch mit Gesetzen. Der erste Versuch, das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) auf den Weg gebracht hat, sei „gut gemeint, aber nicht gut gemacht“. Das zeigten die übereifrigen Löschaktivitäten sozialer Netzwerke seit dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar. Osgyan forderte nicht die Abschaffung, jedoch eine Reform des Gesetzes.

Grüne fordern Möglichkeit, online Strafanzeigen zu stellen

Konsens in der Grünen-Fraktion: Vor allem rechte und flüchtlingsfeindliche Hetzer versuchten, mit ihren Hasskommentaren und Aufrufen zur Gewalt unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit daher zu kommen. Das stört die Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze. Sie sagte: „Mancher Bullshit ist einfach keine Meinung.“ Vielen Nutzern sozialer Netzwerke sei der Unterschied zwischen grundgesetzlich geschützter Meinungsäußerung und strafbarer Hetze oder Aufrufen zur Gewalt nicht bewusst.

Dem wollen die Grünen in ihrem Strategiepapier langfristig mit einer besseren politischen Bildung begegnen. Aber auch kurzfristig müssten Reaktionen erfolgen. So zum Beispiel eine im Netz leichter ansprechbare Polizei, bei der online Strafanzeigen gestellt werden können. „Rechtswidriges Verhalten muss auch im Netz Konsequenzen für die Verfasser von Hasskommentaren haben“, fordern die Grünen.

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Kommentare

Was die Grünen von Meinungsfreiheit halten, sieht man an ihrem Umgang mit solchen, die nicht ihrer Meinung sind. Aber Hetze ist es selbstverständlich nur, wenn sie von rechts kommt. Stasi - nein danke! Davon hatten wir schon genug. Jeglicher Couleur
Was machen die Grünen denn mit Leuten die nicht ihrer Meinung sind?

Und es ist auch Hetze wenn es aus einer anderen Richtung kommt. Linksunten auf Indymedia ist z.b. verboten worden. Stasi?? Wo waren Sie die 4 Jahre? Die NSA mit Zuarbeit vom BND hat die Stasi schon lange überholt, ganz ohne Hilfe der Grünen aber offenbar mit Duldung der regierenden Parteien.
Verbote sind nun mal eine Kernkompetenz der Grünen. Insofern, keine Überraschung.
Welche Verbote? Haben die Grünen gerade gefordert das Internet zu verbieten? Setzt doch mal die gefärbte Brille ab und lest das was da steht.
„Mancher Bullshit ist einfach keine Meinung.“ Da bin ich mit der Dame ganz d'accord. Dieses Prinzip schlägt übrigens nicht nur auf Seiten der Braunen sonder eben auch bei 95 % aller ideologischen Ergüsse der grünen Verbotspartei und ihrer in weiten teilen dogmatisch-radikalen Anhängerschaft.
Aber trotzdem sind diese 95% als Meinung zu betrachten. Die braune Hetze eben nicht.
@Mikado: Hetze ist generell inakzeptabel. "Bullshit" allerdings (wie auch immer uns das die Grünen gerne vordefinieren würden), muss man in einer offenen, demokratischen Gesellschaft wohl oder übel ertragen können.
Dann ist ja gut.
Liege ich falsch in der Vermutung, dass fast alle hier Grünenhasser sind?
Wahrscheinlich haben sie bis jetzt noch nicht die Gründung einer neuen Partei verkraftet. Ich wüsste nicht, warum man den Grünen einen undemokratischen Umgang mit der Meinungsfreiheit unterstellt.
Im Gegenteil, in dieser Partei herrscht eine rege Diskussionsbereitschaft.
95% haben die Grünen nicht gewählt.
„Mancher Bullshit ist einfach keine Meinung.“
Diese Meinung hat für mich genauso viel bzw. wenig Erkenntnisgewinn wie "Mancher Bullshit ist einfach keine Satire.".
Richtig! Das heißt, dass Bullshit nicht von der Meinungsfreiheit juristisch abgedeckt wird.