Goldenes Kreuz auf der Kirchturmspitze

Das ist ein traditioneller Brauch beim Bau oder der Sanierung von Burg-, Schloss oder Kirchtürmen. Wegen ihrer relativen Unzugänglichkeit gelten Turmkugeln als sichere Aufbewahrungsorte für historische Zeugnisse, etwa Zeitungen, Dokumente oder Münzen, die man der Nachwelt hinterlassen möchte.

Turmkapsel mit 70 Zentimetern Durchmesser

Auf dem Kirchturm in Betzenstein befindet sich eine etwa 80 Zentimeter hohe Turmkapsel mit rund 70 Zentimetern Durchmesser. In diese Kugel wurde eine Rolle versenkt, in der folgende Dokumente enthalten sind: Ein Bericht über die Sanierungsarbeiten, ein Schriftstück zu einer früheren Sanierung im Jahr 1970, Abhandlungen über die Geschichte der Kirche und der Glocken, zwei Gemeindebriefe, Zeitungsartikel zum Thema Turmsanierung, die Jahreslosung, ein Foto des Kirchenvorstands, die derzeit verwendeten Münzen und eine Playmobil-Figur von Martin Luther. Für Pfarrer Ulrich Böhm, der aktuell im Krankenstand ist, kam Christoph Weißmann aus Plech mit Carmen Kreuzer und Werner Schmidt vom Glockenturm-Ausschuss auf die Baustelle in luftiger Höhe.

Vier Meter langer Edelstahlmast

Weißmann und Schmidt packten auch gleich tatkräftig mit an und hievten die Turmkapsel auf das höher gelegene Gerüst, wo die Kupferrolle eingelegt wurde. Turmkugel und Kreuz finden Halt an einem vier Meter langen Edelstahlmast. Dieser wiederum ist in der Kirchturmspitze mit dem so genannten Kaiserstiel verbunden, erklärte Bauleiter Stefan Herzing vom beauftragten Ingenieurbüro. Der Kaiserstiel, der auch Helmstange genannt wird, ist ein sieben Meter langer hölzerner Mast, der als oberstes Bauteil mit dem Dachstuhl des Kirchturms verbunden ist.

Kapsel in ein kleinem Kupferrohr

Der Montage des Turmkreuzes ging eine Reihe vorbereitender Arbeiten voraus. Zunächst wurde die Kupferrolle mit den Dokumenten fest verlötet. Danach mussten die auf den Edelstahlmast gesteckte Turmkugel hochgehoben und die Kupferrolle im „dicken Bauch“ versenkt werden. Nach dem Wiederaufsetzen wurde auf der Kapsel ein kleines Kupferrohr montiert, das als Fuß für das Kreuz dient. Das Turmkreuz selbst war in Kunststoffhüllen und Wolldecke gut verpackt angeliefert worden und wurde über Aufzug, Gerüst und zuletzt einen Flaschenzug auf den obersten Gerüstboden transportiert.

Unfallfreie Bauzeit

Der Fuß des Turmkreuzes umschließt den Edelstahlmast, an dem das frisch vergoldete Kreuz auch mit großen Schrauben zusätzlich befestigt wurde. Pfarrer Weißmann dankte für die bislang unfallfreie Bauzeit. Das Turmkreuz ist zwar nun wieder an seinem Platz, doch gut sehen können es die Betzensteiner noch nicht. In den nächsten Tagen wird noch eine Blitzschutzanlage auf dem Turm installiert.

Danach kann das Gerüst zumindest teilweise abgebaut werden. Die Glockenstube muss weiterhin per Gerüst erreichbar sein, da die Zimmerer über die Glockenstube in den Turm kommen, wo sie noch mit Sanierungsarbeiten an der Tragwerkskonstruktion beschäftigt sind. Etwa ein Fünftel des Gerüsts wird mittelfristig verschwinden, so der Bauleiter. Dann endlich können die Bürger die mit dunkelgrauem Schiefer neu gedeckte Turmhaube und das goldglänzende Turmkreuz bewundern.

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