Gerüchte über Diebe am Friedhof

Die gute Nachricht zuerst: Der Spuk an der Grabanlage der Klosterschwestern hat aufgehört. Bis Anfang Juli war mehrmals der Schlauch zerschnitten worden, mit dem die Kongregation von unserer lieben Frau 26 Gräber gießt (wir berichteten). „Seitdem gab es keine Probleme mehr“,bestätigt Schwesteroberin Martha Maderegger auf Anfrage.

Blumen werden entfernt

Dafür scheint es nun öfters vorzukommen, dass Kränze von Grabsteinen verschwinden, Schnittblumen entfernt werden und aufs Grab gestellte Blumenstöcke verschwinden. Kurz: Offenbar sind Diebe auf dem Auerbacher Friedhof unterwegs. Darauf lassen jedenfalls die Erfahrungen Georg Roßbachers von der gleichnamigen Gärtnerei schließen. „In diesem Jahr waren schon mindestens zehn Leute bei mir, die Sträuße noch einmal gekauft haben, weil ihnen der zuvor gekaufte direkt vom Grab runter geklaut worden war.“

Der schlimmste Fall

Der in seinen Augen schlimmste Fall war ein gestohlener Calla-Strauß: Nur einen Tag, nachdem ihn die Witwe bei der Urnenbeisetzung ihres Mannes an das Grab gestellt hatte, war er weg. „Man muss sich mal vorstellen, wie die Menschen, die ihre Verstorbenen ehren möchten, sich dabei fühlen müssen“, sagt Roßbacher. Das Thema berührt ihn. „Was denken sich die Diebe dabei? Wer möchte denn einen vom Friedhof gestohlenen Blumenstrauß haben?“

Aus Diskretionsgründen nennt Roßbacher nicht die Namen der betroffenen Kunden. Die einzige Frau, die der Redaktion Auskunft gab, schilderte zwar einen selbst erlebten Diebstahl, möchte davon aber nicht noch einmal in der Zeitung lesen.

Hinweise zu Diebstählen

Auch bei der Polizei sind Hinweise zu Diebstählen auf dem Friedhof eingegangen. Von einem Urnengrab wurden die Laterne und ein hölzerner Rosenkranz gestohlen Aber sonst? „Wir haben keine Anzeigen vorliegen“, sagt Manfred Plößner von der Polizei Auerbach. Den Hinweisen gehen seine Kollegen natürlich trotzdem nach.

Zwei angeblich Betroffene haben sie daheim besucht. „Aber die besuchten Leute wussten nichts von den angeblich selbst erlebten Diebstählen.“ Die Friedhofsverwaltung weiß ebenfalls lediglich von einem Fall. Man habe der Person geraten, eine Anzeige zu machen, heißt es dort.

Störung der Totenruhe

Auch wenn die Grabpfleger kaum zur Polizei gehen: Wer bei einem Diebstahl erwischt wird, kann mit einer Geldstrafe davon kommen – oder bis zu fünf Jahre ins Gefängnis wandern. „Der Tatbestand der Störung der Totenruhe ist mit dem bloßen Diebstahl noch nicht erfüllt“, sagt der Pegnitzer Anwalt Stephan Schultheis.

Das bleibe auch so lange so, bis sogenannter „beschimpfender Unfug“ mit der Leiche oder Teilen der Leiche getrieben wird. „Ich bin mir aber sicher, dass ein Gericht die besondere Pietätlosigkeit des Diebstahls berücksichtigen würde“, sagt Schultheis.

„Außerdem wäre beispielsweise noch zu klären, wie die Täter auf den Friedhof gekommen sind, vielleicht sind sie ja nachts dort eingebrochen? In solchen Fällen kann es unter Umständen am Ende durchaus zu einer Gefängnisstrafe kommen“, so Schultheis abschließend.

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