Gerhard Popp und Jazzband erhalten Preis

Beide seien durch ihr Wirken zu Kulturbotschaftern des Landkreises geworden, würdigte Landrat Klaus Peter Söllner die Preisträger in seiner Laudatio. Sie verkörperten das regionale Kulturleben und erlangten durch ihr kulturelles Schaffen einen bedeutenden Stellenwert. Der Landkreis schuf den Kulturpreis im Jahr 1981 zur Förderung der regionalen Kulturszene. In diesem Jahr stimmte der Kreistag für die Vergabe an eine Einzelperson und eine Musikgruppe.

Brunnenanlage und Wandgemälde

Gerhard Popp, Maler, Grafiker und Designer, erhielt bereits den Kulturpreis der Kulmbacher Serviceclubs. Für seine Leistungen auf dem Gebiet der Bildenden Kunst bekam er nun den Kulturpreis der Landkreises verliehen. Der Künstler lebte einige Jahre in Thurnau, wo er in Zusammenarbeit mit Töpfern die Brunnenanlage vor dem Seniorendorf Kirschenallee entwarf und gestaltete. In der Aussegnungshalle des Friedhofs ist zudem ein Wandgemälde von Popp zu sehen, das die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi darstellt.

Der Mensch und sein Innenleben

In Rosenheim und Coburg studierte Popp zunächst Innenarchitektur, bevor er sich ganz der Malerei zuwandte. In seinen Werken, die er in vielen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiere, stehe stets der Mensch im Mittelpunkt, so Söllner. Es gehe Popp nicht um das Abbilden von Äußerlichkeiten, sondern um den Blick nach Innen. Der Künstler verarbeite Unsicherheiten, Spannungen und Ängste in seinen Arbeiten. Ihm gelinge, die Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche ins Bild zu setzen.

Leuchtende "Seelenlandschaften"

In seinen "Seelenlandschaften" schaffe Popp komplexe und verwobene Strukturen in einem Meer aus leuchtenden Farben. In seinen Kunstwerken überlasse Popp nichts dem Zufall und kombiniere die unterschiedlichsten Techniken und Materialien. "Sie erinnern an die strahlende Leuchtkraft gotischer Kirchenfenster und an die Traumwelten Marc Chagalls." Popp dankte in seiner Erwiderung seinem Lehrer und Freund Max Wild, der ihn ermutigt habe, sich für ein Leben als Künstler zu entscheiden. "Mein Hauptthema ist der Mensch in all seinen Verwerfungen, ich frage, wohin die Reise geht und suche nach dem Urgrund."

Jazz aus Franken und Sachsen

Die Jazzer der Old Beertown Formation treten seit 33 Jahren in wechselnder Besetzung auf. Sie haben sich dem Dixieland und dem Swing verschrieben und haben hörbar Freude an den zahlreichen Variationen und Improvisationen, die der Jazz ermöglicht. Seit zwanzig Jahren gibt die Jazzband Gastspiele im burgenländischen Rust und seit dreißig Jahren unterhält sie eine musikalische Freundschaft zur Semper House Band aus Dresden.

Sessions in der Zunftstube

Letzteres führte zu einem unvergessenen Gastspiel beim 45. internationalen Dixielandfestival in Dresden, den Bandleiter Conny Fischer als "Ritterschlag" bezeichnete. Fischer ist das einzige verbliebene Gründungsmitglied. Er erlebte die Bandgeschichte von den Anfängen an mit, die Auftritte mit dem damaligen Kulmbacher Kulturreferenten Ruprecht Konrad am Piano, die Konzerte in der heutigen Musikschule und die Sessions in der Zunftstube.

Mit dem Dixie-Express nach Dresden

Söllner blickte auch ins Jahr 1988, als ein Sonderzug mit knapp 500 Fans aus Kulmbach im Dixie-Express nach Sachsen fuhr. Die Moonlight-Serenaden der Jazzband gehörten mittlerweile zu den schönsten Open-Airs der Sommermonate. Hohe Qualität, Spielfreude, musikalische Perfektion und Routine - all das zeichne die Old Beertown Jazzband aus, sagte Söllner.

"Musik, die uns unbändig Spaß macht"

Dass immer wieder Kollegen aus Dresden bei den Kulmbachern einspringen, nannte Fischer eine "große Ehre". Mit Musikern der internationalen Spitzenklasse auf der Bühne zu stehen, sei aber auch "Ansporn und Herausforderung". Jazz könne kraftvoll, ruhig, sanft und melancholisch sein. "Eine Musik, die unser Gefühlsleben ausdrücken kann und die uns unbändig Spaß macht." Er erinnerte an die verstorbenen Bandmitglieder und stellte fest: "Unser musikalisches Wirken hat viele Väter." Die Band sei "verdammt stolz" auf die Auszeichnung, da Jazz in Franken eher eine Ausnahmeerscheinung sei.

Die Old Beertwon Jazzband heute

Die Old Beertown Jazzband, das sind Konrad (Conny) Fischer Andreassohn (Bass), Jürgen Punzet (Posaune, Gesang), Sepp Roth (Klarinette, Gesang), Harald Hensel (Trompete, Gesang), Wolfgang Schrepfer (Saxophon), Peter Brendel (Schlagzeug), Wolfgang Diehm (Gitarre, Gesang) und Markus Scharfenberg (Technik). Auch die musikalischen Freunde der Semper House Band, Micha Winkler und Roger Goldberg, kamen zu Ehren der neuen Kulturpreisträger nach Thurnau, ebenso die Ehrenbürger der Kulmbacher Partnerstadt Rust, Hans und Inge Feiler.

Zu den Kulturpreisträgern des Landkreises zählen unter anderem die Naturbühne Trebgast, die Jugendblaskapelle Kasendorf, die Städtische Jugendkapelle Kulmbach und das Bläserquintett Culma Brass, die Rugendorfer Dorfmusik, die Untersteinacher Blasmusik und der Musikverein Stadtsteinach.

 

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