Gerd Händel ist tot

Nach mehr als 100 Jahren Geschichte der Konditorei in der Dammallee haben Gerd Händel und seine Frau Brigitte damals einen Schlussstrich ziehen müssen. Die schwere Krebserkrankung von Brigitte Händel hatte den Schritt unausweichlich gemacht - ein Schritt, der viel Überzeugungsarbeit brauchte. Brigitte Händel sagte damals im Gespräch mit dem Kurier, sie hätte ja "am liebsten schon im Frühjahr" 2015 zugemacht: "Ich schaff es nicht mehr, den ganzen Tag im Geschäft zu stehen. Stundenweise vielleicht. Aber mit 71, da möchte man auch mal seine Ruhe haben."

Eine Ruhe, die schwer zu ertragen war

Eine Ruhe, die für Gerd Händel schwer zu ertragen war. "Wenn ich drei Augen hätte, würden drei Augen weinen", sagte er. Im Traum, sagte er, habe er weiter gebacken. Butterplätzchen. Torten. Schaffhauser. Seine Spezialiäten. Für die Gäste, die es geliebt haben, in dem kleinen Café zu sitzen. In einer Bayreuther Institution, in der sich der Charme der vielen Jahrzehnte hinter der Jugendstil-Tür mit dem Schriftzug "Konditorei H. Händel" gehalten hat.  Der Urgroßvater von Gerd Händel hatte des Geschäft von einem Lebküchner gekauft, der Großvater Hans hat es übernommen, der Vater von Gerd Händel sollte es weiterführen. Doch Wilhelm Händel kam schwer krank aus dem Krieg zurück, starb früh. Gerd Händel übernahm das Geschäft schließlich 1978. In einem Beruf, mit dem ihn "eine gewisse Hassliebe" verband. Wegen des vorgezeichneten Lebenswegs aus Tradition. "Es war sicher nicht mein Traumberuf."

"Ich könnte ja jederzeit wieder backen"

Seinen Meister hat er zusammen mit einem anderen Original gemacht: Hans Wolfring, der Bräu aus Leups, bei dem er auch in den letzten Monaten seines Lebens oft zum Frühschoppen oder auf sein Nachmittagsseidla saß. Immer zusammen mit seiner Frau Brigitte. Wenn man mit ihm ins Gespräch kam, war man schnell beim Geschäft. Und wie schwer es an ihm nagte, dass die Konditorei im eigenen Haus zu war. "Ich könnte ja jederzeit wieder backen", sagte er.

Backen und in Bands spielen

Doch es war nicht nur die Arbeit, die Kunstfertigkeit des Backens und Tortenmachens, die Gerd Händel zum Bayreuther Original reifen ließ: Leidenschaftlicher Musiker war er seit den 60er Jahren, spielte in verschiedenen Bands, gehörte zu The Butlers, den Bayreuther Beatles. Die letzte Band, in der er mitspielte, war das Kaffeehaus-Kur-Orchester. Eine Combo, entstanden aus einem musikalischen Kaffeekränzchen alter Haudegen bei Händel im Café. "Der Gerd hat den schönsten Hüftschwung von uns und ein unheimlich charmantes Auftreten. Und er treibt uns vorwärts", sagte der Bandkollege Hecy Junold damals.

Der Mann in Konditorenkleidung mit dem Dackel

Die Präsenz auf den Bühnen der Stadt gehörte genauso zu Händel wie seine Präsenz im Stadtbild. Viele erinnern sich noch an Händel, wie er in Bäckerkleidung in Begleitung seines Rauhhaardackels über den Markt spazierte. Und an Händel, den Kantigen, der auch anzuecken wusste, wenn er seinen Willen durchsetzen wollte. Musikerkollegen wie Junold sagen über ihn: "Ich habe ihn sehr gemocht. Als gutherzigen, großzügigen Menschen habe ich ihn kennengelernt. Als einen, der wie ein tapsiger Bär geradeaus durch die Geschichte gegangen ist." Allerdings war Händel auch ein Mensch, "der sehr jähzornig werden konnte". Eine Schattenseite. Oft für Außenstehende nicht nachvollziehbar. "So schnell, wie es kam, war es aber auch wieder vorbei. Dann hat er sich wieder hergesetzt und gelacht."

Die Trauerfeier für Gerd Händel findet am Freitag um 11.30 Uhr auf dem Südfriedhof statt.

In unserer Audio-Slide-Show wird die Konditorei Händel noch erlebbar

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