Genossen steigen bei Grundig ein

GBS-Chef Roland Hollstein klingt mehr als zufrieden. "Mit VR Equitypartner haben wir einen wirklich soliden neuen Gesellschafter an Bord, der uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit Sicherheit weiterbringen wird und mit dem wir unseren eingeschlagenen Wachstumskurs wesentlich schneller umsetzen können", sagt er im Gespräch mit dem Kurier. Gut 43 Prozent der Anteile hat der Frankfurter Eigenkapitalfinanzierer vom bisherigen Haupteigner, der Münchner Beteiligungsfirma Induc, erworben. Induc behält die Mehrheit der GBS-Anteile. Außerdem hält das Management einen einstelligen Prozentsatz, der im Zuge der jetzigen Neuordnung leicht aufgestockt wurde.

Alles andere als eine Heuschrecke

VR Equitypartner ist eine Tochter der DZ Bank, dem Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken in Deutschland. "Und damit weit davon entfernt, das zu sein, was man eine Heuschrecke nennt", sagt Hollstein. Vielmehr habe er vor allem Mittelständler im Blick und engagiere sich explizit auch außerhalb der Metropolen. Der Eigenkapitalfinanzierer, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv ist, betont, bei seinen Beteiligungen "die Nachhaltigkeit der Unternehmensentwicklung konsequent vor kurzfristiges Exit-Denken" zu stellen. Insgesamt umfasst das Portfolio von VR Equitypartner derzeit rund 100 Engagements mit einem Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro.

Zwei starke Säulen

Das ergibt im Durchschnitt rund fünf Millionen Euro pro Beteiligung. Eine Summe, mit der man auch im Fall von GBS nicht falsch liegt, so Hollstein. Dass sich VR Equitypartner überhaupt bei GBS engagiere, zeige auch, dass das Unternehmen einerseits gesund sei und zudem Potenzial habe. Und zwar in beiden Säulen. Zum einen im ursprünglichen Bereich, also dem aus den klassischen Diktiergeräten entstandenen digitalen Sprachverarbeitungs- und Arbeitsorganisationslösungen. Vor allem das Thema Spracherkennung sowie weitere Softwareangebote versprächen hier hohe Wachstumsraten. Zweiter, und immer wichtiger werdender Bereich ist die Auftragsfertigung elektronischer Bauteile, teilweise bis hin zum fertigen Endprodukt (EMS) sowie darüber hinaus die zugehörige Logistik. Hier ist GBS für Kunden aus den Branchen Automotive, Industrie- und Unterhaltungselektronik sowie Bahn-, Kraftwerks- und Medizintechnik tätig. Dieser Bereich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und macht mittlerweile zwei Drittel des Produktionsvolumens und gut 50 Prozent des Umsatzes aus.

"VR Equitypartner war wichtig, dass unsere beiden Säulen gut dastehen. Wenn bei uns nur ein Bereich Potenzial hätte, wäre es wohl zu keinem Engagement gekommen", sagt Hollstein. Beim nun angestrebten weiteren Wachstum stehe der neue Mit-Eigentümer derweil nicht nur mit finanziellen Mitteln bereit. "Die bringen uns auch mit ihrer wirtschaftlichen Kompetenz weiter."

2016 gut gelaufen

2016 ist für GBS schon mal gut gelaufen. "Wir haben neue kleinere Kunden gewinnen können und mehr Umsatz mit unseren Bestandskunden gemacht", sagt Hollstein. Und: "Die Auftragslage für 2017 ist gut." Wichtig ist auch, "dass wir an unserem Standort in Bayreuth genug Platz für Erweiterungen haben". Und auch die Zahl der Mitarbeiter von derzeit gut 160 könnte laut Hollstein in den kommenden drei bis vier Jahren um zehn bis 20 Prozent steigen.

Das Unternehmen

Die Grundig Business Systems GmbH (GBS) ist 2001 aus dem einstigen Grundig-Konzern ausgegliedert worden und führte zunächst ausschließlich die Produktion von hochwertigen Diktiergeräten fort. 2003 wurde die Münchner Beteiligungsgesellschaft Induc Haupt-Gesellschafter. Im Laufe der Jahre wurde als zweites Standbein die Auftragsfertigung elektronischer Bauteile (EMS) für Branchen wie Automotive, Industrie- und Unterhaltungselektronik, Bahn- und Kraftwerkstechnik sowie Medizintechnik etabliert und ausgebaut, was die Mitarbeiterzahl auf über 160 steigen ließ. Heute steuert dieser Bereich gut zwei Drittel des Produktionsvolumens und mittlerweile mehr als die Hälfte des Umsatzes bei. Auch im Audiosektor wandelt sich das Unternehmen zu einem Komplettlösungsanbieter. Professionelle Nutzer von Diktatlösungen brauchen heutzutage sehr viel mehr als nur ein Diktiergerät. Die Vernetzung von Systemen ist gefragt. Durch Kooperationen mit führenden Unternehmen wie Sennheiser im Bereich der Telefonie und Nuance bei der Spracherkennung erschließt GBS zunehmend neue Märkte.

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