Gemeinde fordert überregionale Hilfe

Das berichtete Bürgermeister Harald Hübner (CSU) am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderates. "Täglich gehen neue Meldungen bei uns ein", sagte Hübner. Dem Eichenprozessionsspinner Herr zu werden sei "eine Riesenaufgabe" für die Gemeinde. Eine Aufgabe, bei der Gemeinderat und Verwaltung die überregionalen Behörden in der Pflicht sehen.

Eigentümer selbst verantwortlich

Doch bislang gilt: Jeder Grundstückseigentümer muss sich selbst um die Entfernung des Schädlings kümmern. Darauf habe das Landratsamt in Kulmbach erst jüngst in einem Schreiben hingewiesen. "Wir haben das aber nicht so gehandhabt", erklärte Hübner. Vielmehr sei die Gemeinde das Problem "großzügig angegangen". Wegen der Gesundheitsgefahren, die vom Eichenprozessionsspinner ausgehen, habe die Gemeinde auch Privatleuten geholfen.

Nach Angaben der Verwaltung sind bisher von Bauhofmitarbeitern 500 Nester selbst entfernt worden. 200 weitere wurden von Baumkletterern beseitigt. Die Nester lagern nun im Bauhof. Dabei sei noch nicht ganz klar, wie sie entsorgt werden sollen, so Hübner. Womöglich seien da besondere Vorschriften einzuhalten.

Unzumutbares Risiko?

Nahezu im gesamten Gemeindegebiet habe sich das Insekt ausgebreitet. Nur im Maintal anscheinend noch nicht. "An jedem zweiten Baum hängen sie", stellte Gemeinderat Georg Waldmann (CSU) besorgt fest. Die wichtigsten Stellen wie zum Beispiel Spielplätze müssten geschützt werden. Auch Helmut Rösch (FW) war der Ansicht: "Das Ganze ist ein hohes Risiko, das wir unseren Bürgern nicht zumuten können."

Die Gemeinde als örtliche Sicherheitsbehörde sei für die Bekämpfung des Schädlings verantwortlich, schreibt das Landratsamt. In Neudrossenfeld schätzt man die dadurch schon entstandenen Kosten auf 10- bis 12.000 Euro. Hübner rechnet jedoch bis Ende des Jahres mit Ausgaben von mindestens 20.000 Euro. Im aktuellen Haushalt seien aber nur 5000 Euro vorgesehen. Er bat daher den Gemeinderat, eine vorübergehende Haushaltsüberschreitung für den Schutz der Bürger zu genehmigen. Dem Vorschlag stimmte das Gremium einhellig zu.

"Explosionsartige Vermehrung"

Geschäftsleiter Rainer Schimpf hielt es für bedenklich, dass die Gemeinden mit den Folgen der Eichenspinnerepidemie allein gelassen würden. "Das Problem muss überregional bekämpft werden." Sonst würden immer nur ein paar Gemeinden mitmachen und andere nicht. Die Zeit, in der man den Schädling gezielt bekämpfen könne, sei eng begrenzt. Natürliche Feinde wie die Schlupfwespe oder den Kuckuck seien kaum mehr vorhanden. Die "explosionsartige Vermehrung" der Insekten zeige sich vielerorts: In manchen Bäumen hingen 60 Nester, einige "Kolonnen" an Baumstämmen seien dreißig Zentimeter breit.

Hübner ergänzte: "Wir sollten versuchen, den Kreistag und noch höhere Stellen einzubeziehen. Dafür zahlen wir ja auch die Umlage." Er hält eine überörtliche Organisation der Gegenmaßnahmen für dringend notwendig. "Wenn jeder aweng was macht, wird man die Population nicht eindämmen."

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