Gelbe Post auf der grünen Wiese

Waren es vor fünf Jahren rund 2,3 Millionen Sendungen, die werktags täglich den Weg zum Briefkasten fanden, sind es heute in Deutschland gut eine Million mehr. Die Branche scheint im Aufwind, steigendes Briefporto hin oder her.

Allerdings sind es nicht die geschrieben Zeilen, die einen Neubau in Auerbach notwendig machen. „Viele bestellen online, dadurch ist eine regelrechte Paketflut in den letzten Jahren entstanden“, sagt Erwin Nier, Pressesprecher der Deutschen Post. Zuständig ist er für den Bereich Franken und Oberpfalz, damit auch für Auerbach.

Modernes Logistikgeschäft

Mitten in der Stadt gibt es bereits ein Zentrum, von dem Pakete und Briefe ausgeliefert werden. Das bisherige Zentrum ist nicht nur zu klein, sondern passt auch nicht mehr zu den Anforderungen eines modernen Logistikgeschäfts. Briefe und Pakete, die von Lastwagen angeliefert werden, müssen bisher im ersten Stockwerk zwischengelagert werden. Von dort muss er der Auslieferer wieder in sein Auto transportieren. Diesen Zeit- und Arbeitsaufwand möchte die Post künftig einsparen.

Denn im Logistikgeschäft geht es den Faktor Zeit. Das neue Zentrum, 600 Quadratmeter groß, wird ebenerdig. Die Anlieferungen sollen die 25 Mitarbeiter ohne großen Kraftaufwand in Empfang nehmen. Lastwagen werden auf Höhe der Rampe anliefern. Zusätzlichen Mitarbeiterkomfort sollen überdachte Abholstationen garantieren. Umkleideräume und eine Cafeteria warten in den neuen Räumen auf. Für den Neubau an der Ecke Cherrystraße und der Staatsstraße nach Neuhaus verantwortlich, ist der Auerbacher Dieter Hofmann. Seine Firma HD Bau hat schon fast allen bekannten Supermarktunternehmen ein Dach über den Kopf gegeben. In den nächsten acht Monaten stemmt er als Investor das neue Zentrum aus dem Boden. Wie viel Geld Hofmann für das Projekt in die Hand nimmt, will er nicht verraten. Nur soviel: „So viel Geld investiert man nicht jeden Tag.“

Keine Angaben zu den Kosten

Mit exakten Zahlen will auch die Post nicht herausrücken. Pressesprecher Nier lässt aber durchblicken, dass sich das Unternehmen mittelfristig an den neuen Standort binden werde. Zwischen fünf und zehn Jahren miete man sich bei derartigen Projekten fest ein. Für den Neubau verlässt das Unternehmen die Auerbacher Innenstadt. Auch das Verteilerzentrum in Neuhaus schluckt der neue Bau. Aus zwei wird eins. Waren es bisher die Gemeinde Auerbach und Kirchenthumbach, die von der Bergwerkstadt mit Briefen und Paketen beliefert wurden, dehnt sich das Zustellgebiet auf Neuhaus, Plech und Velden aus. „Die Mitarbeiter werden eins zu eins umgesetzt“, betont Nier. Die Neuhauser arbeiten dann künftig am Auerbacher Standort. Für die Kunden ändert sich nichts. Die vorhandenen Poststellen bleiben weiterhin an gewohnter Ort und Stelle.

Eine genaue Anzahl an Briefen und Paketen, die im neuen Zentrum täglich umgeschlagen werden, konnte Postpressesprecher Nier auf Nachfrage nicht nennen. Allerdings entspreche der Neubau mit einer Nutzfläche von 600 Quadratmetern im Auerbacher Industriegebiet Lohe-Süd einer mittleren Größenordnung.

Die bisherigen Standorte in der Innenstadt von Auerbach und Neuhaus bringen es zusammen auf 300 Quadratmetern. Angeliefert werden die Pakete und Briefe von Lastwagen. Zweimal am Tag soll einer über die Cherrystraße das Zentrum mit frischer Ware versorgen. „In hektischen Zeiten wie kurz vor Weihnachten ist auch eine dritte Lieferung denkbar“, sagt Nier.

Los geht es im Stundentakt um sechs Uhr in der Früh. Bis sich die Zusteller Briefe und Pakete für ihre Touren dort abholen können, vergeht noch ein wenig Zeit.

Erster Spatenstich am Donnerstag

Im März nächsten Jahres, bei einem frostigen Winter vielleicht auch erst im April 2017, soll die fünf Meter hohe Halle stehen. Der Termin für den Spatenstich hingegen steht schon fest. Am Donnerstag geben sich Auerbachs zweiter Bürgermeister Herbert Lehner, der stellvertretende Landrat Martin Weiß zusammen mit Investor Hofmann und einem Vertreter der Post die Ehre.

Wie die Jungfrau zum Kind kam Hofmann übrigens zum Auftrag. Ein für die Post tätiger Investor habe ihn auf das Vorhaben aufmerksam gemacht. „Der hatte an Auerbach kein Interesse“, sagt er. Hofmann hingegen schon: „Es liegt direkt vor der Haustür, das ist nicht uninteressant.“

Industriestr. 3,91275 Auerbach

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