Gefrees: Distanz zu Ehrenbürgerschaften

Nachdem andere Gemeinden wie Weidenberg und in unmittelbarer Nachbarschaft Marktschorgast in ihren Annalen solche Ehrenbürgerschaften entdeckt hatten, wurden auch die Mitarbeiter des Gefreeser Rathauses hellhörig. „Im Archiv haben wir dann ein Sitzungsprotokoll vom 25. März 1933 gefunden“, berichtete Bürgermeister Harald Schlegel, SPD, seinem Stadtrat.

Für Verdienste um die nationale Wiedergeburt

Darin sei festgehalten, dass den drei Nazigrößen die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde. „In dankbarer Anerkennung ihrer außerordentlichen hohen Verdienste um die nationale Wiedergeburt der deutschen Völker“, heißt es in der Urkunde. Der Beschluss ist damals – bereits wenige Wochen nach der sogenannten „Machtergreifung“ durch Hitler – einstimmig ausgefallen. Die sechs Stadträte der SPD hätten allerdings an der Sitzung nicht teilgenommen, ist in den alten Papieren vermerkt.

Stadtrat hatte keinen Diskussionsbedarf

Ansonsten bestand im Stadtrat kein Diskussionsbedarf: Der Beschluss, sich von der Entscheidung ihrer Vorgänger aus den 30er Jahren zu distanzieren, fiel einstimmig aus. „Andere Kommunen haben zwar entschieden, in solchen Fällen die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen“, berichtete Schlegel. „Nach der bayerischen Gemeindeordnung ist das aber nur zu Lebzeiten möglich.“ Die Ehrenbürgerwürde sei generell mit dem Tod erloschen. Gefrees folgte daher einer Empfehlung des Gemeindetages, stattdessen den Weg einer eindeutigen Distanzierung zu wählen.

Unwürdiges Verhalten der Ehrenbürger

Dass das „unwürdige Verhalten“ der betroffenen Ehrenbürger eindeutig sei, bedürfe keiner Erläuterung, stellte der Bürgermeister fest. Reichspräsident Paul von Hindenburg gilt als „Steigbügelhalter“ der NS-Diktatur, der Adolf Hitler mit der Ernennung zum Reichskanzler den Weg freimachte und mit mehreren Dekreten die Demokratie ausgehebelt und der Verfolgung Andersdenkender Vorschub geleistet hat. Er verstarb bereits im Jahr 1934. Ein Jahr später kam auch der Bayreuther Hans Schemm bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Nicht bewertet

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Kommentare

Trotzdem ist aber nach Hindenburg in Bayreuth eine Straße benannt!
Dann bleibt dem Bayreuther Stadtrat wohl nur übrig, sich von der Straße zu distanzieren. Sollen die Kulmbacher doch über die Autobahnen fahren.
Großartiger Beitrag!