Gartenschau: Wundererde selber machen

Thomas Kappauf trägt Hut. Strohhut. Mit Feder. "Sieht ein bisschen nach Gärtner aus", sagt er und lacht. Für den Termin mit unserer Zeitung am Pavillon des bayerischen Umweltministeriums in der Nähe des Gourmetkabinetts  wird improvisiert. Und improvisiert. Die Fahne muss auf jeden Fall noch ran an den Pavillon, sagt Kappauf. "Umweltbildung.Bayern" steht drauf. Das ist deshalb wichtig, weil Kappauf und seine Kollegen von den sieben anerkannten Umweltstationen in Oberfranken, der Lindenhof ist eine davon, "Flagge zeigen auf der Landesgartenschau", wie es Kappauf formuliert. "Oberfranken ist gut besetzt, was die Umweltstationen angeht. In ganz Bayern gibt es 50." Dazu kommen die Umweltbildungseinrichtungen, die beispielsweise von Freiberuflern betrieben werden. Der Lindenhof, sagt Kappauf, gehört zu den 130 Bildungseinrichtungen, die das Qualitätssiegel der Umweltbildung tragen, dass es seit etwa zehn Jahren gibt.

Vielfalt der Umweltbildung

Auf der Landesgartenschau wollen die Bildungseinrichtungen aus Nordbayern zeigen, was sie drauf haben. Welche Vielfalt dahinter steckt. Deshalb gibt es immer wieder mittwochs den ganzen Tag Vorträge, Informationen. "Jedes Mal ein eigener Schwerpunkt, aber koordiniert vom Lindenhof, weil wir ja vor Ort sind." Es geht ums Weidenflechten, um Duftpflanzen, um den Bau von Samenkugeln. "Ein schönes Geschenk, ein Stück eigener Garten zum Verschenken", sagt Kappauf. Blumen-Tattoos kann man sich in den kommenden Monaten genauso machen lassen wie man sich Infos für einen naturnahen Garten, den Igelschutz und über den Vogel des Jahres, den Stieglitz, holen kann. "Aber am Mittwoch, da bin ich erst mal dran", sagt Kappauf. Mit einem Thema, das einen erst einmal nicht so richtig von der Bierbank holt, die hinter dem Pavillon steht. "Terra preta", sagt Kappauf. Schwarze Erde. Na und?

Erde macht neugierig

Aber: Das Thema ist fesselnd und die Wirkung scheint tatsächlich genial zu sein. "Ich nutze die schwarze Erde selber in meinem Hochbeet. Die Kohlrabi sind drei Mal so groß wie normale." Die Erde hat also das Zeug dazu, den Nachbarn neidisch zu machen. Die Vorgeschichte reicht bis ins Jahr 1541 zurück. "Die Spanier haben damals ihre erste Expedition zum Amazonas gemacht. Auf der Suche nach El Dorado waren sie. Nach Gold. Gefunden haben sie kein Gold, aber das Gold der Erde entdeckt. Ohne es zu checken", sagt Kappauf. Aber die Spanier waren nicht allein. "Erst 350 Jahre, Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wurde die schwarze Erde entdeckt. "Von Archäologen, die seltsame schwarze Böden gefunden haben. In denen viele Tonscherben waren." Tonscherben, aber auch Fischgräten, Knochen, Aschereste.

Erst nach mehreren 100 Jahren kam man aufs Geheimnis

Später hat man herausgefunden: "Die Schwarzböden sind eindeutig menschlichen Ursprungs." Die Indios, die das Amazonas-Gebiet in einer Hochkultur einst bevölkerten, wie die Spanier 1541 als Botschaft mitbrachten, haben mit der schwarzen Erde den mageren Böden des Amazonas ein Schnippchen geschlagen. Haben sie fruchtbar gemacht. Indem sie auf höchst kluge Art kompostierten. "Die Böden sind 500 bis 3000 Jahre alt. Und sie werden heute noch abgebaut von den Menschen die dort leben." Im 16. Jahrhundert müssen bis zu 25 Millionen Menschen dort gelebt haben. "Heute sind es noch 350.000. Sie nutzen die Böden. Die Böden wachsen nach." Sie binden Kohlendioxid. Und sie sind so nährstoffreich, dass sie über Jahre ertragreich sind.

Kann man selber machen

Man muss nicht ins Amazonas-Gebiet reisen, um sich schwarze Erde zu holen. Nachdem das Geheimnis der Terra preta entschlüsselt war, woran laut Kappauf auch Bruno Glaser beteiligt war, der an der Bayreuther Uni war, "haben sich die Deutschen das natürlich erst mal patentieren lassen", sagt der Diplom-Biologe und Umweltpädagoge. Die schwarze Erde wird industriell hergestellt. Man kann sich aber auch die Bakterienmischung kaufen, die man braucht, um selber schwarze Erde herzustellen. Um nicht wie die Indios auf eine Art Amphore aus Ton zur Toilette gehen und dort auch alle möglichen Haushaltsreste kompostieren zu müssen. "Man braucht Milchsäurebakterien, Fotosynthesebakterien, Hefepilze und Rotalgen zur Fermentation." Und Biokohle. "Die nicht heißer als 400 Grad werden durfte, damit die Zellstrukturen erhalten bleiben, die dann den Bodenorganismen als Wohnraum dienen." Die schwarze Erde, sagt Kappauf, funktioniere überall. In Indien genauso wie in Afghanistan. Und in Oberfranken. Um dem Nachbarn mal zu zeigen, dass die Gärtner, dass klimagerecht Gärtnern die dickeren Tomaten bringt. Zum Beispiel.

Über das Thema Terra preta geht es am Mittwoch den ganzen Tag von 9 bis 18 Uhr. Am Pavillon des Umweltministeriums vor dem Gourmetkabinett.

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