Landesgartenschau: Hunde-Besitzer machen mobil

Oliver Riess nennt es "Wahnsinn": Auf den Christkindlesmarkt oder zum Fun-Run "seinen Hund mitzuschleppen", das sei ziemlich daneben. Ebenso hätten weder Hund noch Herrchen Spaß, bei 30 Grad im Schatten oder bei großem Andrang auf der Landesgartenschau unterwegs zu sein. "Aber unter der Woche, wenn wenig los ist" - dann will Riess (46) es sich nicht nehmen lassen, seine Zwergdackeldame Bella mit zu dem Bayreuther Großereignis zu nehmen.

Weil es bislang keine Gartenschau gab, auf der das möglich war, hat Riess eine Facebook-Gruppe gegründet, der sich innerhalb weniger Wochen 1300 Menschen angeschlossen haben. Hundefreunde, die zum Großteil denken wie Riess. Oder wie Bettina Granegger (44). Die "ein Miteinander von Hunde-Menschen und anderen Gästen auf der Landesgartenschau erreichen wollen", wie Bettina Granegger es im Gespräch mit unserer Zeitung formuliert. Man wolle eine Chance, keine Konfrontation. Sagt Riess.

Granegger und Riess wollen "keinen Freibrief, sondern eine Regelung, ein Konzept". Darum soll es am 10. Juni gehen, wenn sich die Hundefreunde mit den Verantwortlichen der Stadt und der Landesgartenschau-Gesellschaft nachmittags zu einem Gespräch treffen. Bettina Granegger schöpft allein daraus, dass es das Gespräch gibt, Hoffnung: "Ich denke, dass man sich nicht mit uns treffen würde, wenn es nicht eine Chance gäbe", sagt sie. "Vielleicht hat man das ja noch gar nicht gesehen, was da für ein Potenzial drinsteckt." Granegger sagt, sie habe die Landesgartenschau in Bamberg nicht besucht, weil sie ihren Mopsmischling Jake nicht mitnehmen durfte. "Das wird vielen so gehen. Auch in Bayreuth." 

Klare Regeln, bestimmte Hunde-Tage außerhalb der Hauptzeiten, Leinenpflicht und die Verpflichtung, die Hinterlassenschaften der Hunde mitzunehmen, bestimmte Bereiche, die mit Hund tabu sind. Und Strafen, wenn sich einer nicht dran hält. Das können sich die Hundefreunde vorstellen. "Bayreuth hätte damit ein Angebot, das es in anderen Städten noch nicht gab", sagt Granegger. Eine Stadt, die nicht nur kinderfreundlich sein will, sondern auch hundefreundlich sein könnte.

Skeptisch sieht die Geschäftsführerin der Landesgartenschau 2016, Dagmar Voß, den Vorstoß. Und sie wundert sich: "So hochgekocht wie jetzt in Bayreuth ist das Thema noch nie. Obwohl es kein neues Thema ist." Es habe bei jeder Landesgartenschau bislang "Hundebesitzer gegeben, die sich aufregen. Ich verstehe das auch bis zu einem gewissen Grad", sagt Voß. Aber: Bislang steht das Hundeverbot. "Auch, weil es ja nur eine gewisse Zeit ist. Nach einem halben Jahr ist das Gelände ja allen zugänglich. Mit Hund oder ohne." Voß sagt, nicht jeder sei so vernünftig, wie sie es von Riess oder Granegger annimmt. "Denen, die ihre Hunde ohne Leine bei so einer Veranstaltung laufen lassen oder die Hinterlassenschaften nicht mitnehmen, ist es zu verdanken, dass es solche Verbote gibt."

Laut Voß kann man nicht vorhersagen, wann bei einer Gartenschau wenig los sei. "An sich war immer der Freitag ein schlechter besuchter Tag. In Deggendorf im vergangenen Jahr waren die Freitage die stärksten Tage." Zudem sei es schwer zu händeln, wenn man Regelungen für Ausnahmen aufstelle: "Die Leute lesen das nie richtig." Der Ärger wäre groß, "wenn dann einer mit seinem Hund am Wochenende da steht und nicht rein darf", sagt Dagmar Voß, die seit 1993 Geschäftsführerin der jeweiligen Landesgartenschau ist.  

So machen es die anderen

Hundeverbot - auch nach der Gartenschau. Das gilt in weiten Teilen des 21 Hektar großen Areals der kleinen Gartenschau des Jahres 2013 in Tirschenreuth nach wie vor. Franz Stahl, Bürgermeister von Tirschenreuth, sagt auf Nachfrage, dass der ökologische Teil mit Storchenwiese nach wie vor tabu sei für Hunde. "Auf etwa fünf Hektar Fläche dürfen Hunde mit. Angeleint. Wir haben eine Satzung, in der das alles geregelt wird. Und Strafen, wenn sich einer nicht dran hält." Bis zu 1000 Euro ruft die Stadt auf, wenn es Probleme gibt. "Ist auch schon verhängt worden", sagt Stahl. Die Stadt kämpfe zusammen mit den Bürger darum, "dass der Park ein Anziehungspunkt bleibt. Die Menschen sind da auch stolz drauf", sagt Stahl.

In Zülpich in Nordrhein-Westfalen ist der Gartenschaupark, Schauplatz einer Landesgartenschau im vergangenen Jahr, seit Ende März wieder für die Besucher geöffnet. Ein Bereich sogar nach wie vor gegen Eintritt, wie Susanne Bougherf im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. "Statt 15,50 Euro kostet die Tageskarte 6,50 für den See-Bereich. Da darf kein Hund rein." Der Park darf kostenfrei besucht werden. Mit Hunden. Aber an der Leine. "Dass während der Gartenschau Hunde generell verboten waren, hat einige der 550.000 Besucher verärgert. Es gab auch erboste Anrufe. Aber wir hatten eine Greifvogelschau auf dem Gelände, das haben die Leute dann schon verstanden", sagt Bougherf.

Angebot des Tierschutzvereins

Guido Zahn, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Bayreuth, will sich, wie er sagt, "kein Urteil erlauben, ob es Sinn macht, seinen Hund mit auf die Gartenschau zu nehmen". Aber da er das Problem kennt, wird der Tierschutzverein den Besuchern - speziell denen, die von weiter her mit Hund anreisen - ein Angebot machen: "Wir haben einen Vertrag mit der Gartenschau-Gesellschaft geschlossen", sagt Zahn. Wie bei den Festspielen auch, werden im Tierheim zwei Zwinger frei gehalten. Die Hunde werden versorgt, man geht mit ihnen Gassi, sie können mit den anderen Hunden auf der Wiese spielen, sagt Zahn. Bei den Festspielen werde das Angebot angenommen. "Gäste oder auch Mitwirkende greifen darauf zurück."

So sieht es nach der Gartenschau aus

Die Wilhelminenaue, sagt Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt Bayreuth, werde nach Oktober 2016 zur "städtischen Grünanlage. Damit gilt auch dort die Grünanlagensatzung". Das bedeutet: Hunde dürfen mit. "Aber so, dass andere Benutzer nicht gefährdet, geschädigt oder belästigt werden". Also angeleint, an einer höchstens 1,20 Meter langen Leine. Hinterlassenschaften müssten "umgehend entfernt und versorgt werden".

Einen Kommentar dazu lesen Sie hier.

Mehr zur Landesgartenschau lesen Sie hier in unserem großen Dossier.

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