Gartenschau: Sand gibt Glotzaugen-Knirsch

Nicht nur wegen des Körperkontakts, weil viele Aktionen in der Luft stattfinden oder weil die Spielzüge höllisch schnell sind und der Abschluss fast immer volley stattfindet. Knallhart und direkt. Sondern weil der Sand ein fieser Hund ist. Wundenlecken ist angesagt nach dem Spiel. Blessuren an den Füßen gehören zur Regel, nicht zur Ausnahme. Auch beim Beach-Soccer-Cup auf der Landesgartenschau, der am Wochenende zum Programm gehörte. Am Samstag waren die Großen an der Reihe. Am Sonntag kicken ab 11 Uhr die Jungen. Als inklusiver Beitrag des Teams Bananenflanke. Allerdings nicht auf Sand, sondern auf einem mobilen Platz auf der Bolzwiese.

Lockerer als beim Feldfußball

Es geht locker zu. Obwohl der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ein Auge auf die Spiele hat. Weil sie zum Bayerischen Beach-Soccer-Cup zählen. "Drei solche Turniere gibt es, die Sieger fahren zum Regionalentscheid in Hessen, wer dort gewinnt, fährt zur deutschen Meisterschaft, die in Rostock ausgespielt wird", sagt Michael Tittmann vom BFV, der am Samstag in Bayreuth ein waches Auge darauf hat, dass alles regelkonform läuft. Obwohl auch er sagt: "Es geht schon um einiges lockerer zu als Im Feldfußball. Obwohl die Jungs schon Einsatz und Ehrgeiz zeigen." In Bayreuth auf der Landesgartenschau sollten vier Teams antreten, die Jungs aus Augsburg sind nicht gekommen. "Das ist nicht üblich. Wir hoffen natürlich, dass nichts passiert ist", sagt Tittmann."Wir haben die auch nicht erreicht."

Kleines Feld, große Anstrengung

Die Bicycle-Kickers aus dem Kreis Lichtenfels, das Team Landesgartenschau und die Beach Bazis aus Pasing traten in zwei Runden gegeneinander an. Auf einem Feld, das an sich zu klein war. "Da fehlen in der Breite acht bis zehn Meter und in der Länge bis zu 15 Meter", sagt Ricky Goller, der Spielertrainer der Beach Bazis, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Bazis, die normalerweise fast alle beim DJK Pasing in der Bezirksliga kicken, mischen auf Sand in der Beach-Soccer-Bundesliga mit. "Auf dem siebten Rang stehen wir aktuell. Von elf Teams", sagt Goller. Ende 2014 hat sich das Team gegründet, spielt jetzt die zweite volle Saison mit. "Fünf Spieltage in der Liga, jedes Mal drei Spiele." Die Mannschaft besteht aus "Studenten in den Endzügen oder Jungs, die schon arbeiten. Alle sind wir Mitte 20", sagt Goller, der in Bayreuth zum Zuschauen verdammt ist. "Gebrochene Zehe. Hab ich mir beim ersten Spieltag in Leipzig geholt." 

Wie ein Strich Richtung Tor

Zehn Minuten dauert eine Halbzeit, "weil das ganz schön auf die Substanz geht. Die pumpen ordentlich, wenn sie vom Feld gehen", sagt Michael Tittmann. Ricky Goller nennt das "ein super Training für die Saison auf Rasen. Wir gehen da auf jeden Fall fitter in die Vorbereitung. Man kann auch technisch viel mitnehmen". Bei den Bazis sieht das auch ziemlich spektakulär aus. Hohes Zuspiel, der Volleyschuss geht wie ein Strich Richtung Tor. Die erste Runde entscheiden sie für sich, die zweite auch.

Gartenschau-Mannschaft lässt den Gästen den Vortritt

"Wenn man die Tabelle verkehrt herum lesen würde, hätten wir das Ding gewonnen", sagt André Riedel vom Team Landesgartenschau. So allerdings haben die Platzherren den beiden anderen Teams den Vortritt gelassen. Obwohl es nicht an Ehrgeiz mangelte. Und natürlich auch nicht an der Vorbereitung: "Ich hab früher mal Handball gespielt", sagt Mirko Streich, der Pressesprecher der Landesgartenschau, dem nach der ersten Runde der Schweiß von der Stirn tropft. "Man hat uns mit so großen Versprechen akquiriert, dass man gar nicht ablehnen konnte", sagt Alexander Schmidt, der in der Stadtverwaltung arbeitet und in der Sportgruppe der Stadt kickt. Schmidt grinst: "Ein Bier und ein Paar Bratwürste. Wer sagt dazu schon Nein?" Am Freitag, sagt Schmidt, habe er den Anruf bekommen, ob er das Team unterstützen könnte. "Meine Vorbereitung war dann, mal ein paar Videos vom Gegner anzuschauen. Knallharte Video-Analyse eben." Die Bazis haben einiges im Netz stehen, was sicher nicht dazu beiträgt, das Team zu unterschätzen.

Nix für Weicheier

Der Sand, sagen Schmidt und Streich, ist ein harter Gegner. "Wenn man den sandigen Ball mit Wucht gegen das Bein bekommt, ist die Haut gleich offen", sagt Streich. Auch Schmidt trägt eine Wunde auf dem linken Fuß zu Markte. Blessur aus dem Kampf Mann gegen Mann. "Es knirscht auch sehr schnell zwischen den Zähnen. Da braucht es nur ein paar Ballkontakte", sagt Schmidt. Ein Tor haben die Landesgartenschau-Kicker gefangen, weil der Torhüter Sand in den Augen hatte. Eingefangen beim Abwehrversuch. "Das gibt sofort Glotzaugen-Knirsch", sagt Streich. Beach-Soccer ist halt echt nichts für Weicheier.       

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