Gartenschau ist kein Draufzahlgeschäft

Offizielle Zahlen gab es bislang keine. Man müsse erst die Schlussrechnung abwarten, hatte Dagmar Voß, zusammen mit Ulrich Meyer zu Helligen Geschäftsführerin der Landesgartenschau GmbH, die bei jeder Gartenschau gegründet werden muss, immer wieder auf Nachfrage unserer Zeitung betont. Jetzt ist die Gesellschaft ein letztes Mal umgezogen: Von der Schlossgalerie ins Rathaus, wo Voß und Meyer zu Helligen als Liquidatoren "alle Geschäftsfälle in diesem Jahr abzuwickeln versuchen, so dass im Laufe des kommenden Jahres die GmbH aus dem Handelsregister gelöscht werden kann", sagt Meyer zu Helligen am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung.

Spannende Zahlen

Was so staubtrocken klingt, birgt aber spannende Zahlen. Denn weder bei der Summe, die für die Investition - also für den Bau in der Wilhelminenaue - zur Verfügung stand, noch beim Durchführungshaushalt - also das Geld, das für die 172 Gartenschau-Tage zur Verfügung stand - muss die Stadt nachlegen. "Wir sind beim Durchführungshaushalt sogar unter den veranschlagten 1,5 Millionen Euro geblieben", sagt Meyer zu Helligen. "Und das, obwohl wir höhere Pflege- und Reparaturkosten hatten, die durch Unwetter, Starkregen und die große Hitze entstanden sind." Das Wetter hatte Kapriolen geschlagen: Schnee zur Eröffnung, dann immer wieder schwere Stürme, Gewitter und Hagel und schließlich eine so starke Trockenheit, "dass wir deutlich mehr Aufwand beim Gießen hatten", wie Meyer zu Helligen sagt.

Ein neuer Park für unter fünf Millionen Euro

Was die Investition angeht, sagt Meyer zu Helligen, der Leiter des städtischen Planungsamts ist, habe die Stadt eine Summe von 10,5 Millionen Euro verbaut. 8,9 Millionen Euro flossen rein in den Bau, 1,6 Millionen Euro schluckte die Planung. "Wir haben eine Förderung von 5,76 Millionen Euro zugesagt bekommen, die außerordentlich hoch ist. Bislang wurden 4,77 Millionen Euro ausgezahlt, den Rest bekommen wir ausgezahlt, wenn der Verwendungsnachweis vorliegt, an dem wir gerade arbeiten." Die Baukosten seien im Vergleich zur Planung aus den Jahren 2008/2009 "um 800.000 Euro nach oben angepast worden, was die Summe von 10,5 Millionen Euro ergab". Unterm Strich habe die Stadt für knapp unter fünf Millionen Euro einen neuen Park bekommen.

Die Besucher haben die Bilanz versüßt

Dass die Gartenschau finanziell nicht zum Nachzahl-Geschäft für die Stadt wurde, liege vor allem an dem Besucherzustrom, der in der Form nicht prognostiziert war: 951.827 Besucher kamen zwischen April und Oktober auf die Landesgartenschau. Zudem hatte man "mit 20.500 Dauerkarten 7500 mehr Dauerkarten verkauft als prognostiziert", sagt Meyer zu Helligen. Was in die Berechnungen, die der Geschäftsführung der Landesgartenschau GmbH i.L., also in Liquidation, vorliegen, allerdings fehlt: "Die Auswirkungen, die die Landesgartenschau auf die Stadt hatte", sagt Meyer zu Helligen. "Das ist kaum messbar."

Deutlich mehr Gäste - auch im Jahr nach der Gartenschau

Ist es doch, sagt Manuel Becher, der Geschäftsführer der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG) auf Nachfrage unserer Zeitung: An der Steigerung der Übernachtungszahlen von 2015 auf 2016 habe man mehr als deutlich den Effekt gesehen, den die Gartenschau ausgelöst habe. "Da wir gerade bei den Gästen aus Deutschland und Österreich eine signifikante Steigerung haben, ist das direkt auf die Gartenschau zurückzuführen." Das Konzept, die Gäste auch in die Innenstadt zu ziehen, sei ebenfalls aufgegangen: Die Frequenz hätten sowohl die Händler als auch die Gastronomen als deutlich größer wahrgenommen, "je nach Sortiment hat sich die stärkere Frequenz auch im Umsatz niedergeschlagen". Und: "Das Jahr 2017 hat gezeigt, dass die Gartenschau auch in die Zukunft gewirkt hat. Wir hatten kaum Rückgänge bei den Übernachtungszahlen. Was wir immer wieder von Hoteliers gehört haben: Die Leute haben 2016 versprochen, dass sie wiederkommen, weil es ihnen bei uns gefallen hat. Das Versprechen haben sie eingelöst. Was auch zeigt: Bayreuth ist ein touristisch attraktives Ziel."

Vandalismus trübt das positive Bild im Jahr eins nach der Gartenschau

Auch nach der Übergabe als Park, sagt Ulrich Meyer zu Helligen, präsentiere sich die Wilhelminenaue als ein gut frequentierter, von den Besuchern gerne genutzter Park. Mit einem einzigen Wermutstropfen: "Was ich bedauerlich finde, was mich sogar sehr betroffen macht, das ist der anhaltende Vandalismus. Unter anderem auch durch die Graffities an den Kabinetten."

Nicht bewertet

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Kommentare

Kiepfer? Alles ok mit Ihnen?
Ja wo iss er denn? Man hat schon lange nichts mehr von ihm lesen dürfen (müssen) ;-)
Ich muss! hier überhaupt nichts lesen!
Der Bayreuther oder Kiepfer gehört zum Urgestein des NK-Forums. Er hat noch nie (einer Fliege? ;-)) etwas zuleide getan. Was man nicht für jeden andern Schreiber hier sagen kann.
Man sollte bei den Betrachtungen zur Wilhelminenaue auch mal an den Nordeingang denken, der leider sehr stiefmütterlich behandelt wird:
Es gibt dort keine Bushaltestelle mehr, obwohl die Linie 303 vorbeifährt.
Und es wird alles getan, den Zugang von dieser Seite zu vermiesen: Die wenigen (eine Zeitlang geduldeten) Parkmöglichkeiten sind mit hässlichen Felsbrocken versperrt und anderweitig blockiert. Von Norden und ist die Wilhelminenaue schlecht erschlossen. Auch die Verbindung zu Eremitage ist nicht gelungen.
Das mit der abgebauten Bushaltestelle finde ich auch unnötig - warum nicht erhalten? Ist doch kein Aufwand, da wieder ein Haltestellenschild hinzustellen. Das ist ein guter Ausgangspunkt für Spaziergänge, für Familien, die zum Kletternetz wollen oder Gäste des Kulturkiosk. Zumal die nächsten Haltestellen recht weit sind und man entlang der schnell befahrenen Straße laufen muss ...
Vielleicht reagiert ja mal jemand bei der Stadt oder den Stadtwerken auf die konstruktivrn Vorschläge?
- Abfahrtsanzeige für Busse am Hbf und
- Erhalt o.g. Haltestelle
wären sinnvoll ...
Ich vermisse ihn auch.
Me too ;)
Dito!
'Das sehen die SPD-Stadtratsfraktion und der SPD-Ortsverein St. Johannis genauso.
Deshalb habe ich vor einiger Zeit beantragt, die Bushaltestelle wieder einzurichten und die Steine wegzuräumen.
Der Kurier berichtete damals über den Antrag.'
Leider dauert in der Verwaltung alles etwas länger.
Gehe davon aus, dass dieser Antrag demnächst im zuständigen Ausschuß behandelt wird.

Halil Tasdelen
'Das sehen die SPD-Stadtratsfraktion und der SPD-Ortsverein St. Johannis genauso.
Deshalb habe ich vor einiger Zeit beantragt, die Bushaltestelle wieder einzurichten und die Steine wegzuräumen.
Der Kurier berichtete damals über den Antrag.'
Leider dauert in der Verwaltung alles etwas länger.
Gehe davon aus, dass dieser Antrag demnächst im zuständigen Ausschuß behandelt wird.

Halil Tasdelen
ja, das ist eben so;
die "Mühlen " in einer solchen Verwaltung laufen eben etwas langsam oder manchmal einige Zeit gar nicht;
es soll auch Fälle geben, da laufen sie rückwärts ... Der kleine Bürger muss eben damit leben (und brav seine Steuern und Abgaben bezahlen).
Warum muss nur der "kleine Bürger" damit leben?
Ist denn unser Staatswesen bisher trotz dieser Verwaltung nicht gut gefahren? Natürlich kann man immer etwas verbessern, wenn man darüber streitet. Man muss sich halt als kleiner Mann auch rühren. So ist halt die Demokratie.
Ich habe inzwischen erfahren, dass der "Bayreuther" Kiepfer im Krankenhaus war und jetzt in der Reha ist. Ich wünsche ihm gute Besserung.
Das wünsche ich Herrn Kiepfer auch, denn
Kurier-Online ohne Kiepfer ist wie
Marktplatz ohne Elvis!!!
Vielen Dank für die Info und an Herrn Kiepfer: Ebenfalls gute Besserung - auf bald wieder im NK, Sie fehlen!
Stimmt - Elvis hab' ich auch schon lange nicht mehr gesehen - ist er noch im Dienst?
Vielen Dank für die Info und an Herrn Kiepfer: Ebenfalls gute Besserung und auf bald im NK-Online - Sie fehlen!
Vielen Dank, Herr Tasdelen!

Könnten Sie bitte auch mal nachhaken, ob man nicht am Hbf. endlich eine vernünftige Abfahrtsanzeige für die Busse einrichten könnte - wir freuen uns doch auf viele Touristen, einige werden mit dem Zug kommen und möchten - dank VGN - mit dem Bus weiterfahren.
Es ist aber selbst für Kenner nicht leicht, herauszufinden, wann und wo der nächste Bus vom Hbf richtung Stadt fährt - man muss unzählige Aushängefahrpläne an verschiedenen Haltestellen mühsam vergleichen, das ist nicht zeitgemäß und in vergleichbaren Städten längst mit elektronischen Abfahrtsanzeigen gelöst (wie an der ZOH ja auch).

Dafür wären Ihnen sicher viele ÖPNV-Nutzer und Touristen dankbar ...
Und wenn´s was kostet - wir wollen doch eine touristenfreundliche und weltoffene Stadt sein und die Gäste nicht gleich bei der Ankunft in der Service-Wüste stehen lassen ...