Gartenschau: Gärtner raus, Besucher rein

Es ist gespenstisch ruhig auf dem Gelände am Donnerstagvormittag. "Eine Hand voll Gärtner ist noch unterwegs auf dem Gelände", sagt Mirko Streich, der Pressesprecher der Landesgartenschau-Gesellschaft. Fernsehteams schleichen übers Gelände. Fotografen, die den besten Winkel, die spannendste Einstellung suchen. In der Blumenhalle wuseln Gärtner und Helfer durcheinander. "Die wird pünktlich um 9 Uhr am Freitag fertig", sagt Mirko Streich. "Da werden ganz früh noch Blumen geliefert, das eine oder andere Arrangement gemacht." Noch eine Punktlandung also. "Aber wenn man es so will, dann sind wir zu 99,99 Prozent fertig", sagt Streich.

Ein Kaltstart für alle

Trotzdem wird die Gartenschau, wie alle Landesgartenschauen auch, "ein Kaltstart, ganz klar. Für die Eröffnung haben wir am Mittwoch eine Stunde lang eine kleine Generalprobe gemacht. Speziell die Nummer mit der Kutsche und den Pferden. Das musste man einfach mal durchspielen", sagt Streich. "Aber alles andere muss sich erst mal zusammenfinden." Die Mitarbeiter in der Gastronomie müssen sich erst mal die Abläufe erarbeiten, ebenso wie die Leute, die bei den Ausstellungsangeboten mitmachen. "Die Getränke stehen in der Auslage, die Kaffeemaschine hab ich schon dampfen sehen. Wird schon schief gehen", sagt Streich.

Die Wege werden ganz am Schluss noch einmal gewalzt

Einer, der mit seinen Leuten absolut letzte Hand anlegen wird, ist Bernd Spindler, der technische Leiter der Landesgartenschau. "Wir sind gut aufgestellt, passt alles", sagt Spindler. Der Warnstreik im öffentlichen Dienst, der am Donnerstag auch Bayreuth erreicht hat, hätte die Landesgartenschau treffen können. Weil der Bauhof beispielsweise dafür zuständig ist, die Stühle vor der Seebühne aufzustellen. "Es sind Leute da. Das läuft. Zum Glück", sagt Spindler. Am Donnerstagabend, wenn alle die Wilhelminen-Aue verlassen haben, werden die Wege noch einmal gewalzt. "Vielleicht auch erst am Freitag ganz früh", sagt Spindler. Eineinhalb Kilometer Wege, die den Feinschliff bekommen. Damit alles blitzsauber ausschaut.

Eröffnungsveranstaltung beginnt um 10 Uhr: Offen für alle

Die Eröffnungsveranstaltung auf der Seebühne beginnt um 10 Uhr. "Drei Reden. Wir wollen das nicht ausufernd machen", sagt Streich. Die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe wird sprechen. Roland Albert, der oberste Gärtner Bayerns, wie Streich den Präsidenten des Bayerischen Gärtnerei-Verbands nennt. Und Ulrike Scharf, die bayerische Umweltministerin. "Im Anschluss gibt es einen etwa einstündigen Rundgang mit der Ministerin." Dann ist die Gartenschau offen. Für die nächsten 171 Tage. Täglich ab 9 Uhr bis Sonnenuntergang. Streich sagt auf Nachfrage, er denke, dass die Gartenschau gut vorbereitet ist. "Natürlich wird es auch Kritikpunkte geben. Wie bei jeder Großveranstaltung." Einer könnte das Thema Parken werden. "Trotz aller Vorausplanung, trotz des Konzepts, das aufgestellt wurde, kann es zu Engpässen kommen, wenn an den starken Wochenenden 20.000 bis 30.000 Besucher kommen. Da kann es schon mal klemmen." Ebenso "ein Klassiker bei Großveranstaltungen", wie Streich es nennt: "Essen ist Geschmackssache. Ich glaube, unserer Caterer Polster ist sehr gut aufgestellt, bietet alles zu fairen, ortsüblichen Preisen an. So stand es auch in der Ausschreibung. Aber allen kann man es nie recht machen."

Das sagen die Architekten

Inga Hahn, die Landschaftsarchitektin von Hahn Hertling von Hantelmann (Berlin), hat das Gelände maßgeblich entworfen. Vor drei Wochen war sie zum letzten Mal in Bayreuth. "Spannend. Es ist viel dazugekommen seitdem. Die Ausstellerbeiträge runden das alles stimmungsvoll ab", sagt sie am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Ebenfalls spannend aus ihrer Sicht: "Manches war anders gedacht. Aber Planen ist ja ein dynamischer Prozess. Zum Beispiel dachten wir, das die Beiträge konzentrierter stattfinden, jetzt sind sie eher verteilt im Gelände." Sie freut sich wie der Bauleiter von HHvH, Alexander Bölk, auf die Eröffnung. "Ich will sehen, wie das Gelände von den Leuten angenommen wird. Ob sie Spaß daran haben", sagt Inga Hahn. Denn: "Wir haben viel Herzblut hier reingesteckt." Ja, sagt Alexander Bölk, "das war nicht ohne. Nicht nur, weil es oft sehr eng wurde von den Leistungsphasen her. Wir haben sehr viel gewuppt, was eigentlich von unserem Honorar nicht abgedeckt war".

Bölk hat schon an sechs Landesgartenschauen mitgearbeitet. "Alle vom Charakter unterschiedlich." Die in Bayreuth sei besonders. "Wie Bayreuth eben", sagt Bölk und grinst. "Eine Gartenschau ist immer wie die Stadt, in der sie stattfindet." Bayreuth sei eine "sehr vorschriftsgläubige Stadt. Das erstickt auch manchmal die Möglichkeiten". Was aber die Qualität der Schau nicht schmälere. Im Gegenteil: "Wir freuen uns, dass wir am Freitag endlich die Möglichkeit haben, mit unseren Familien mal drüber zu toben", sagt Inga Hahn.   

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