Gartenschau: Ärger über fehlende Hilfe

An Mariä Himmelfahrt wollte Hereth den Familienausflug nach Bayreuth machen. Schon auf dem Weg zur Gartenschau stürzte seine Tante und schlug sich bei dem Unglück die Nase blutig. Ein Pflaster musste her. Das habe man ihm bei der Einlasskontrolle „erst etwas genervt“ ausgehändigt.

"Wir wollten einfach nicht mehr."

Da damit die Blutung nicht zu stillen gewesen sei, sei er der Beschilderung zum Rotkreuz-Stützpunkt auf dem Gartenschaugelände gefolgt und stellte fest, dass dort niemand war. „Und das an einem Tag mit Tausenden Besuchern“, sagt er. Er habe sich auf den Weg zurück auf den Parkplatz gemacht, wo ihm dann ein Busfahrer mit einem „brauchbaren Pflaster“ ausgeholfen habe. Zwei Stunden seien in der Zwischenzeit verstrichen. „Wir wollten dann einfach nicht mehr und sind gegangen“, sagt Hereth.

Ihn ärgerte vor allem der verwaiste BRK-Stützpunkt. Gartenschausprecher Mirko Streich bestätigt, dass der Stützpunkt in der Regel unter der Woche nicht besetzt ist – lediglich dann, wenn große Veranstaltungen stattfinden. Ansonsten sei das Gartenschaupersonal jederzeit ansprechbar und würde für eine angemessene Erste Hilfe sorgen. Außerdem könnten Besucher per Handy bei größeren Notfällen jederzeit unter der 112 Hilfe rufen oder sich mit der Bitte um einen Notruf an die Mitarbeiter wenden.

Seit Eröffnung der Gartenschau erst knapp 40 Einsätze von Ersthelfern

Wäre es aber bei der Vielzahl von Besuchern auf der Gartenschau nicht angebracht, durchgängig Ersthelfer vor Ort zu stationieren? Darüber sei bei den Planungen für die Gartenschau gesprochen worden. Aber aus „finanziellen und logistischen Gründen“ habe man sich dagegen entschieden. „Es ist nicht möglich, sieben Tage die Woche Personal vorzuhalten“, sagt Streich. Und es sei in der Regel auch nicht notwendig. Ein normaler Tag auf der Gartenschau verlaufe ohne Zwischenfälle.

Seit Eröffnung der Gartenschau habe es zwischen 30 und 40 Rettungseinsätze gegeben – von der größeren Schürfwunde auf den Kinderspielplätzen bis zum Kreislaufkollaps wegen großer Hitze. Für kleinere Zwischenfälle seien die Kassenhäuschen mit Verbandsmaterial ausgestattet. „Kein Billigpflaster“, wie Streich bemerkt.

Für Werner Hereth war der Tag nach eigener Aussage gelaufen. „Meine Tante hätte an dem Tag Hilfe gebraucht, aber leider nicht bekommen.“

Äußere Badstraße 28, 95448 Bayreuth

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Kommentare

Aus „finanziellen Gründen? Das Sanitätspersonal macht den Dienst ehrenamtlich ohne Bezahlung. Dann stellt sich aber die Frage wer das Geld einstreicht?????
... da müssen sich ja dramatische Szenen abgespielt haben... Ein Plaster für die Nase ... der Tag war gelaufen ...
Goorgi09: Das Sanitätspersonal macht den Dienst ehrenamtlich ohne Bezahlung. Richtig! Und deshalb gehen die Ehrenamtlichen auch unter der Woche einer geregelten Arbeit nach. Deswegen wird es den Ehrenamtlichen, denen man nicht genug danken kann, auch schlecht möglich sein, bei so einer Mammutveranstaltung (die ja neben den bisherigen Verpflichtungen wie Fußballspielen, Konzerten oder Kerwas läuft), an über 200 Wochentagen neben dem Beruf Dienst zu schieben.
Völlig richtig. Und bei Dienst bzw. Einsatz während der Arbeit bekommt der Helfer seinen Verdienstausfall erstattet. Es ist also sehr wohl ein finanzielles Thema...
Der Unfall ist ja vor dem gelände passiert. Dann hätte man auch an Ort und Stelle den notdienst rufen können. Hätte bestimmt nicht so lang gedauert bis zur ersten Hilfe.
Hallo NK in China ist ein Sack Reis umgefallen. Bitte berichtet morgen darüber.
Hat dieser Vorfall die Wertpapiermärkte beeinflusst?
Wieviele Milliarden wurden dadurch vernichtet?