Gartenschau als Gewinnbringer

Das sagen die Deggendorfer: Eine Gartenschau hat Wirkung auf eine ganze Region. Das war auch in Deggendorf so. 2014 war die Stadt an der Donau Austragungsort der Landesgartenschau. 800.000 Menschen sind gekommen. Mehr als erwartet. "Das Konzept war, die Innenstadt mit einzubinden", sagt Viola Mühlbauer, die Pressesprecherin der Stadt Deggendorf, auf Anfrage unserer Zeitung. "Das ist aufgegangen." Deggendorf hatte einen kostenlosen Sonderbus, einen alten Doppeldecker, der einst in Berlin als Touristenbus unterwegs war.

Der Bus, der auch in Bayreuth eingesetzt werden könnte, pendelte alle halbe Stunde zwischen dem Gartenschau-Gelände und der Innenstadt. "Das ist vom Handel sehr positiv registriert worden", sagt Mühlbauer. Der Bus sei nicht nur von auswärtigen Gästen genutzt worden, "den haben auch gigantisch viele Einheimische genutzt, weil der eine bestimmte Runde gefahren ist". Mühlbauer sagt, der Austausch zwischen Gartenschau und Innenstadt sei nicht nur an der Zufriedenheit der Händler und Gastronomen, sondern auch an steigenden Besucherzahlen im Museumsviertel messbar. Alle haben profitiert, weil wir die Gäste in die Stadt gezogen haben."     

Das sagt der Tourismusverein: Der Vorsitzende des Vereins Marketing und Tourismus Region Bayreuth, Georg Schmitt,setzt genau auf diese Verbindung, die in Deggendorf offenbar so gut funktioniert hat. "Ich hoffe, dass wir es schaffen, dass viele Leute von der Gartenschau in die Stadt kommen. In die Gastronomie, in den Einzelhandel." Obwohl, wie Joachim Oppold, der Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage sagt, "noch nichts entschieden ist, was den Bus angeht", ist sich Schmitt sicher: "Den Bus wird es geben. Wir wollen das auf jeden Fall schaffen." Das wäre ein Weg in die Stadt. "Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Fußwege in die Stadt gut ausgeschildert sind", sagt Schmitt. Zudem sollen Elektro-Fahrräder angeschafft werden, die fürs individuelle Pendeln von der Gartenschau in der Stadt am Gartenschau-Gelände bereitstehen. "Zehn Fahrräder sollen angeschafft werden."

Seit gut einem Jahr sei der Verein in der Bewerbung der Gartenschau in Bayreuth aktiv. "Wir bieten speziell Busunternehmen Pauschalen an", sagt Schmitt. Pakete, in denen Gartenschau, Gästeführung und Besuch in der Gastronomie verquickt werden.Schmitt geht davon aus, dass mindestens so viele Menschen wie in Deggendorf nach Bayreuth kommen. "800.000 werden es. Wir haben ein außergewöhnlich schönes Gelände. Die Gartenschau wird einen Schub bringen. Für Bayreuth und die Region."

Das sagt der Einzelhandel: "Schwer abzuschätzen" sei das, was da 2016 komme, sagt der stellvertretende Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Thorsten Becker. Wer eine Gartenschau besuche, der sei im Normalfall "besser betucht". Der schaue sich nicht nur auf dem Gelände die neuesten Gartentrends an, der gehe auch in die Stadt. "Hochwertige Oberbekleidung, Parfümerie, Juweliere werden sicher davon profitieren." Auch für Becker aber ist die Bedingung für mehr Umsatz durch mehr Kunden: "Die Verbindung muss stimmen." Ein Vorbild könnte Bamberg sein. "Die hatten ein entsprechendes Nahverkehrsangebot."

Das sagen die Gastronomen: "Wer Ende 2016 sagt, er hat kein gutes Geschäft gemacht, der ist selber schuld." Engin Gülyaprak, der Bezirksvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverband ist überzeugt, dass "nach dem guten Jahr 2015 auch das neue Jahr ein gutes wird. Ich habe ganz, gang große Hoffnung, dass das so eintrifft. Wir haben ja nicht nur die Gartenschau, einen zusätzlichen Boost wird auch die Europameisterschaft bringen". Außerdem gebe es zwei weitere Magnete: "Die L'Osteria und das Liebesbier. Das sind zwei Häuser, die Leute von außen bringen. Davon profitieren alle."

Gülyprak hat mit vielen Gastronomen gesprochen und einen positiven Trend festgestellt: "Es ist keiner wirklich neidisch." Neid auf die Gartenschau und die Gastronomen dort wäre aus seiner Sicht auch der falsche Ratgeber. "Wichtig, dass wir positiv eingestellt rangehen und uns freuen, dass bis zu eine Million Menschen nach Bayreuth kommen. Dass wir darauf vorbereitet sind, egal, ob sie bei uns essen oder übernachten wollen."

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Kommentare

"Wer Ende 2016 sagt, er hat kein gutes Geschäft gemacht, der ist selber schuld." Engin hat sehr sehr recht. Hoffentlich wird nachher nicht wieder gemosert.

Und was das Essen und Übernachten in Bayreuth angeht. Im Städtevergleich ist da bei uns noch Luft nach oben. Essen (in der Stadt) befriedigend, Übernachten leider fast schon mangelhaft - Geschäftspartner und Bekannte wundern sich immer wieder, wie hier die Zeit stehengeblieben ist.