Fußgängerzone: Nicht herumdoktern

Liegt's am Bier? Ist etwas im Trinkwasser? Oder liegt's gar an der Luft? Die Bayreuther Kommunalpolitik gibt immer mal Anlass zum Kopfschütteln. Zunächst wird in jahrelangem zähen Ringen der Busbahnhof vom Marktplatz verlegt. Dann stellt man fest, dass die ziemlich lange und ziemlich breite Maximilianstraße gelegentlich ziemlich öde wirkt, dass Geschäfte wegen fehlender Kundenfrequenz abwandern. Und wenn der Leerstand gar zu ärgerlich wird, präsentiert man flugs die Idee: "Verkürzen wir die Fußgängerzone!"

Schade nur, dass solche - im Stadtrat heiß diskutierte - Ideen oftmals an der Wirklichkeit vorübergehen. Seit Jahren wird beklagt, dass in der Innenstadt die Versorgung mit Lebensmitteln unzureichend ist. Ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt, da sich diese Misere bessert, ist ein Vorschlag zur Verkleinerung der Fußgängerzone höchst kontraproduktiv. Frisches Gemüse und Obst in der Richard-Wagner-Straße, französische Produkte in der Opernstraße, Müsli und ausgesuchte Fleischspezialitäten in der Maximilianstraße - binnen weniger Wochen konnten wir uns über vier neue, noch dazu höchst trendige Angebote freuen. In diese Euphorie trifft der Vorschlag der Bayreuther Gemeinschaft und der Bürger-Liste wie die Faust ins Gesicht: Die Fußgängerzone sei zu lang, eine Verkürzung sei zu erwägen.

Zugegeben, das Gassenviertel mit diversen maroden Häusern ist nicht gerade eine Zierde für Bayreuth. Aber drumherum tut sich etwas, sogar in der viel diskutierten Sophienstraße hat kürzlich ein neues Textilgeschäft eröffnet: Bio-Klamotten, ein wichtiges Thema, ein Trend nicht nur für Hipster.

Die neuen Spezialiätenanbieter in der Innenstadt zeigen Mut. Sie nehmen auf, was in anderen Städten längst funktioniert und vermitteln Aufbruchstimmung im oft so trägen Bayreuth. Genährt wird diese Stimmung auch von der Nachricht, dass im seit Jahren leer stehenden C&A-Gebäude wieder Geschäfte einziehen sollen. Ebenfalls dazu passt, dass die Richard-Wagner-Straße in diesem Sommer mit Palmen und Liegestühlen aufgehübscht wurde. Das alles mögen Kleinigkeiten sein, aber sie ergeben ein Bild, das den schönen Titel "Hoffnung" trägt. Deshalb besteht kein Grund, an der Fußgängerzone herumzudoktern.

norbert.heimbeck@nordbayerischer-kurier.de

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Kommentare

Ist das jetzt ironich gemeint, denn irgendwie passt der Kommentar nicht zum Artikel?
Davon abgesehn scheinen in Bayreuth diejenigen gerade Hochkonjunktur zu haben die meinen Geld das nicht da ist mit offenen Händen raus schmeißen zu müssen.
Es hat zig Jahre gedauert und ist immer noch nicht fertig (Bereich altes Schloss) die Innenstadt zu dem zu machen was sie ist und nun machen wirs einfach (teilweise) wieder rückgängig.
Bayreuth bietet ohne Unterlass bestes Schmierentheater!
Es hat kein Mensch vom Markt gesprochen. Es ging um die Leerstände in den umliegenden Bereichen. In diesem Zusammenhang wurde in der Diskussion angemerkt, dass der FußgängerBereich für Bayreuth zu groß ist. Von einem Rückblick in der teuer sanierten Maxstraße War doch nie die Rede! Das kam deshalb, weil der NK zu dem Bauausschussbericht ein Foto der Maxstraße mit Autoverkehr aus den 70er Jahren dazu gestellt hat.
Sorry .. natürlich Rückbau, nicht Rückblick
Was für eine Fußgängerzone?
Der Bayreuther nutzt den Innenstadtbereich nur solange, wie er es mit dem PKW ungestraft, weil unbeobachtet befahren darf.
Während der Zeit ist dort z.T. mehr los, als auf der A9. Und nein, es ist nicht der Anlieferverkehr.
Es ist keine Fußgängerzone, es ist ein bisschen mehr verkehrsberuhigt. So wie der Bayreuther eben ist: bloß nix ändern.
Froh ist er erst wieder, wenn man von der Hindenburgstraße wieder direkt bis in Richard-Wagner Straße fahren kann.