Fusion mit IHK Bayreuth "kein Thema"

Die kleine Vor-Ort-Kammer, wie Schnabel sie nennt, hat große, starke Mitglieder: Huk (5500 Beschäftigte in Coburg), Brose (3500) oder Kaeser (2500) sind Schwergewichte der Wirtschaft.

Sie bestimmen auch, wo’s langgeht? „Es gibt keine drei oder fünf Bestimmer“, sagt Schnabel. Als Hauptgeschäftsführer müsse er das Gesamtinteresse der Wirtschaft in seinem IHK-Bezirk herausfiltern. Gut 8000 Unternehmen vertritt die IHK mit einem jährlichen Etat von 3,5 Millionen Euro. Stadt und Landkreis sind stark industriegeprägt.

Die höchste Industriedichte

In Oberfranken hat die Stadt Coburg mit 207 Beschäftigten je tausend Einwohnern die höchste Industriedichte. Maschinenbau und Automobil sind die stärksten Sparten. Auch bei den Dienstleistern (Huk) ist Coburg in Oberfranken auf Platz eins. 

Schnabel kam 1993 zur IHK, direkt nach seinem BWL-Studium in Bamberg. Nur zwei Jahre später wurde er Verwaltungsleiter (Zentrale Dienste). „Wir haben hier das komplette Angebot vor Ort“, sagt Schnabel. Es geht um Standortentwicklung, Verkehrsinfrastruktur, Rechtsberatung, Unterstützung bei Import- und Exportgeschäften, Aus- und Weiterbildung, Existenzgründung, den digitalen Wandel oder Fragen zu Themen wie Energie oder Umwelt.

Seitenhieb Richtung Bayreuth

Eine Flächenkammer, sagt Schnabel mit einem kleinen Seitenhieb Richtung Bayreuther IHK für Oberfranken, müsse sich um eine große Region kümmern. Wenn man aber zu weit von seinen Mitgliedern entfernt sei, könne man sie nicht mehr so gut vertreten.

Eine Fusion mit Bayreuth? „Kein Thema.“ Offiziell gebe es keine Bestrebungen in diese Richtung. „Aber ich glaube, man hätte es schon gerne gesehen“, meint Schnabel zu mutmaßlichen Bayreuther Befindlichkeiten. Zwei IHKs in einem Regierungsbezirk gibt es auch in Unterfranken: Würzburg und Aschaffenburg. Schon in den 50er-Jahren hat sich das Richtung Metropolregion Rhein-Main orientierte Aschaffenburg abgekoppelt, weil es sich nicht gut vertreten fühlte.

Schnabel ist Coburger und Oberfranke durch und durch. Hier geboren, hier Abitur gemacht. Jetzt wohnt er mit seiner Familie (drei Kinder) im kleinen Dorf Neuses an den Eichen, ein Ortsteil von Großheirath, 15 Kilometer von der Stadt entfernt. Gerne steigt er aufs Rad, steuert sein Rennrad über die Höhen des Frankenwaldes und möchte vielleicht auch mal bei der Transalp (Alpenüberquerung) starten. Zum Ausgleich gibt es dann Genussradeln mit der Frau. Im Ausdauersport findet Schnabel Parallelen zum Beruf: „Du wirfst die Flinte nicht gleich ins Korn.“

Coburg-Fan

Weg wollte er eigentlich nie. Auch nicht nach dem Studium. „Ich wollte in der Region bleiben. Ich bin Coburg-Fan.“ Die IHK hat ihn auch deshalb gereizt, weil sie eine Organisation ist, „die die Zukunft mitgestaltet“. In der Zeitung hat er die Anzeige mit einer Referenten-Stelle der Kammer entdeckt, sich beworben und wurde genommen. Für ihn war es „fast schon eine Ehre“, bei der IHK beruflich starten zu können.

Eine Kammer kann effizient arbeiten, wenn zwischen Hauptgeschäftsführer und Präsident (Friedrich Herdan) kein Blatt Papier passt, sagt Schnabel. „Wir können uns keine Reibungsverluste leisten.“ Bodenständig, ehrgeizig und eifrig ist er, charakterisiert Schnabel sich selbst und sieht es als sehr wichtig an, „dass man geerdet bleibt“. Denn die mittelständischen Unternehmen, die die IHK vertritt, gründen sich auf traditionellen Werten.

Fahrer abgeschafft

Schnabel ist viel unterwegs, immer wieder in München und Berlin, selten in Brüssel. Zu seinen Terminen fährt er mit dem Auto, gerne auch mal mit der Bahn, die, auch nach dem Einsatz der Kammer, nun täglich drei ICE-Halte „zu vernünftigen Zeiten“ anbietet. Die drei Halte reichen Schnabel aber noch nicht. „Wir werden uns damit nicht zufrieden geben.“ Wenn er das Auto nimmt, fährt er selbst. Der Fahrer wurde schon vor zehn Jahren abgeschafft.

Schnabel ist jetzt 50, in Coburg würde er gerne bleiben. „Das hängt an der Vollversammlung, die den Hauptgeschäftsführer bestellt oder abberuft.“

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