Fünf Freunde: Dreharbeiten zwischen Felsen

Ein Schrei halt durch die Steinerne Stadt. „Oooh“ und „uuah“, stöhnt ein gestürzter Wanderer. Seine Begleiter kümmern sich um ihn, diagnostizieren eine Bänderdehnung. Wieder und wieder wird diese Szene abgedreht. Neugierig beobachtet ein Gruppe von Journalisten, die gestern ans Set kommen durfte, vom Combo-Zelt – einem schwarzen Faltpavillon, in dem unter anderem das Videomaterial gesichtet wird – das Geschehen. Immer wieder regnet es, mal weniger, mal mehr. Der Dreh geht trotzdem weiter.

Bestens gegen Regen gerüstet

„Wir haben unser Pensum und das lässt sich nicht einfach verschieben“, erklärt Regisseur Mike Marzuk. Auch dürften die Kinderdarsteller nur eine bestimmte Zahl von Stunden am Tag am Set sein und bei insgesamt 38 Drehtagen für den ganzen Streifen wirke es sich schon aus, wenn einer nicht wie geplant stattfinden könne. So bieten unter anderem Pavillons, ein Dutzend Regenschirme, Plastikhüllen und manchmal sogar provisorische Dächer von drei mal drei Metern Schutz vor der Nässe; Folien sorgen für die nötige Ausleuchtung.

Trotzdem schwärmt Marzuk von den tollen Motiven in der Region: einer „Kalkfabrik“ und einem „Schrottplatz“ in Weidensees etwa, der „Höhle ohne Namen“ in Auerbach und nun eben der Steinernen Stadt im nördlichen Juragebirge, die etwas versteckt im Wald bei Krottensee an der Grenze zu Mittelfranken liegt. Die Felsformation heißt so, weil ihre Dolomitsteine, die in Millionen Jahren entstanden sind, an die Gebäude einer Stadt erinnern. Noch heute hat der Mobilfunk dort keinen Einzug gefunden.

Basisstation am Fuß des Hügels

Das 60-köpfige Filmteam hat trotzdem keine Probleme, versorgt es sich doch weitgehend autark. Um das schwere Equipment auf den Hügel zu bringen, hat es beispielsweise einen behelfsmäßigen Lastenaufzug an einem Seil installiert, das knapp über den Boden läuft und neben den vielen Wurzeln und Steinen weitere Stolperfallen birgt. An der „Basis“ am Fuße des Hügels gibt es einen Aufenthaltsbereich mit Bierbänken, Pavillons, Essenswagen und blauen Dixi-Klos.

Auch die Kinderdarsteller sind von dem Dreh in der Fränkischen Schweiz begeistert. „Bei ,Den Wilden Kerlen‘ waren wir die Hälfte des Films im Teufelstopf. Hier sind wir fast jeden Tag woanders“, freut sich Ron Antony Renzenbrink, der „Klugscheißer“ Dick spielt. Besonders gefallen haben ihm und seinen drei neuen Freunden die Aufnahmen in der „Höhle ohne Namen“. „Das Dinosaurierskelett war dort eingemauert. Das war total cool“, berichtet Allegra Tinnefeld aus Wien, die George ihr Gesicht gibt und sich dafür zunächst mit einigem Bauchgrimmen die Haare auf Pagenkopflänge hat kürzen lassen. „Inzwischen fühle ich mich damit total wohl“, strahlt die elfjährige Wienerin.

Homogene Gruppe

Lieb gewonnen haben die Vier, die sich im April bei einem Casting gegen 2000 Mitbewerber im deutschsprachigen Raum durchgesetzt haben, außerdem Hund Bobby, der für eine Szene sogar abgeseilt wurde, und einen Welpen, der mal zum Dreh gebracht wurde, erzählt Amelie Lammers alias Anne. „Und das Schloss Wiesentfels, auch wenn ich mich da alleine heillos verlaufen würde.“ Am Set betreut Saskia Grabow die jungen Schauspieler und ist voll des Lobes: „Die Gruppe ist ganz homogen, obwohl der Altersunterschied doch ziemlich groß ist. Die Jüngste ist neun, der Älteste 13.“

Regisseur Marzuk und Produktionsleiter Ole Wilken versprechen Kinogängern ebenfalls spektakuläre Aufnahmen des Dinosauriers. So stehe die Fränkische Schweiz den Drehorten der beiden Vorgängerfilme in Thailand und Tunesien nicht nach. „Der Dreh folgt der Geschichte, die erzählt wird“, erläutert Wilken. „Dieses Mal ging es um eine Wandergeschichte, in der die fünf Freunde auf einer Suche sind, und da liegt die Fränkische Schweiz ja nicht sehr fern.“ Viele Schauspieler und das Filmteam hätten zwar das Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen und Bamberg gekannt, aber nicht das Naherholungsgebiet der Bürger. So seien die freien Wochenenden auch gerne genutzt worden, um sich noch das eine oder andere in der Region anzuschauen, berichtet Wilken.

Empfindsame Biotope

Auf den Schutz der Natur in der Höhle achteten während des Drehs derweil Beobachter der Forschungsgruppe Höhle & Karst Franken, wie deren Ehrenvorsitzender Dieter Preu berichtet. Schließlich seien Höhlen sehr empfindsame Biotope und Dreharbeiten durch die starke technische und menschliche Präsenz ein starker Eingriff in diese Ökosysteme.

Die Kinderdarsteller werden jeweils von einem Eltern- oder Großelternteil begleitet, die sich in der freien Zeit um sie kümmern. Allmählich geht es an die Vorbereitung auf die Rückkehr nach Hause, berichtet Betreuerin Grabow: „Da reden wir im Moment viel darüber. Damit die Kinder nach einem so aufregenden Sommer am Set nicht in ein Tal fallen.“

Nicht bewertet

Anzeige