Friedliches Waldstock

2500 Besucher sind am Samstagabend auf den Schlossberg gekommen: junge und ältere Hippies, Musikbegeisterte und viele Familien mit Kindern. „Wir sind zum zweiten Mal da, weil es einfach schön ist. Das Festival ist einfach gut“, sagt Anne Groß (27). Genau so sehen es viele andere Familien: Julia Krieg (35) hat ihre ganze Kinderschar dabei: Alexandra (4), Theresa (6), Katharina (4) und Johannes (10). Alle sitzen auf Picknickdecken. Die jüngeren Kinder haben Kopfhörer in Neonfarben auf den Ohren, falls die Musik mal richtig laut wird. „Es ist die Atmosphäre, die uns hier so gut gefällt“, sagt Mama Julia Krieg. „Hier feiern alle friedlich miteinander“, sagt sie.

Rastazöpfe und Pluderhosen

Nur ein paar Meter weiter tanzen einige Rockbegeisterte richtig ab. Sie springen zu den Klängen der Rockband auf der Bühne. Ein junger Mann mit Rastazöpfen und Pluderhosen breitet die Arme aus und dreht sich im Kreis. „Das hier ist einfach Hammer. Man kann nichts anderes sagen“, erklärt Leon Ferencak (19). „Die Stimmung hier ist einfach top“, erklärt Peter Schmidt (19). Beide sind zum ersten Mal auf dem Schlossberg, garantiert aber nicht zum letzten Mal.

Band sofort verpflichtet

Organisator Jakob Bauer, der für die Musik verantwortlich ist, hat sich wieder viel Mühe gegeben. Ein bisschen Hippie-Feeling und internationales Flair sollten den besonderen Reiz ausmachen. Die Augsburger Band „Mississippi Isabel“ – vier junge Mädels mit Blumenkränzen im Haar – hat er auf Youtube gesehen und sofort verpflichtet. Manche Bands haben sich auch selbst gemeldet, wollten gerne einmal in Pegnitz spielen. „The Green Apple Sea“ ist aktuell die Indie-Americana-Instanz in Bayern. „Die haben sich bei mir gemeldet, das war eine echte Ehre. Da konnte ich nicht Nein sagen“, sagt Bauer.

Die absolute Überraschung am Freitagabend war „Folk’s Worst Nightmare“ – ein Zusammenschluss aus acht Solokünstlern. Und der Freitag klang mit „Stray Colors“ aus München aus. Am Samstag rockten dann neun Bands die Bühne: „The Black Mile“, eine echt Pegnitzer Band, „The Living“ aus München-Erding, „Heim“ aus Nürnberg. Aber auch „His Clancyness“ aus Italien und „Oum Shatt“ aus Berlin, „Demob Happy“ aus England und „Robbing Millions“ aus Belgien gaben sich die Ehre. Und mit den Superbands „Inheaven“, die eigens aus England eingeflogen wurden“ und mit „Pacific Swell“ aus Dänemark ging das Festival zu Ende. „Inheaven nimmt uns mit in den siebten Gitarrenhimmel, vermischt wavige 80er-Klänge mit rotzigem 90er-Grunge und On-the-Point-00er Indie“, schwärmte Bauer selbst.

Entscheidungen fallen im Team

Die Kunst ist es, die Bands so frühzeitig nach Pegnitz zu holen, solange die Gagen noch bezahlbar sind. „Wir treffen die Entscheidungen, welche Bands spielen, immer im Team. Schon im Oktober fangen wir an. Und wir versuchen die Bands immer solange zu verpflichten, wenn sie jung sind, bestimmt spielen in zwei Jahren wieder einige auf größeren Bühnen“, ist sich Bauer sicher.

Nicht nur musikalisch, sondern auch vom Ambiente versucht das Waldstock-Festival alle Musikbegeisterten anzusprechen. „Wir bieten ja nicht nur auf den großen Bühnen etwas, sondern wenn auf der Hauptbühne Pause ist, gibt es Auftritte auf den kleinen Bühnen“, sagt Waldstock-Vorsitzender Martin Häckel. Absolut gelungen waren wieder die kleinen Details: Deko mit Witz. So hingen auf der Lichtung selbst gebaute Traumfänger. Regenschirme leuchteten über den Köpfen der Zuschauer, Blumenampeln und Krawattenringe zogen die Blicke gen Himmel. Für diejenigen, die eher die leiseren Klänge bevorzugten, gab es in der Kaffeebude und im Matestand einen Auftritt von Lilabungalow. Folk’s Worst Nightmare gab auch auf einer kleinen Waldbühne eine Kostprobe ebenso wie die Trommelgruppe Okafo.

Friede und Freude

Rund 300 Freiwillige leisteten am Wochenende Dienst, um das Waldstock zu dem zu machen, was es ist: ein Festival voller Frieden und Freude. Hauptsache bunt, sagte Häckel. Sogar einen fahrenden Herrenfriseur hatte der Waldstock-Verein gewinnen können. „Reisend mit Kamm und Schere über die Kontinentalplatten unserer Erde“ war das Motto von Oliver Hammerl. Er verpasste Dutzenden Festivalbesuchern – ausschließlich Männern – eine neue Frisur oder stylte Bärte. Einfach mitten im Wald.

Getränke nicht aufs Gelände

Seit drei Jahren hat das Waldstock-Festival ein umfassendes Sicherheitskonzept. Umgesetzt wird es von Matrix-Security. Bis zu 16 Sicherheitskräfte sorgten für einen reibungslosen Ablauf auf dem Festivalgelände. „Wir kontrollieren die Taschen, denn Getränke dürfen nicht mit aufs Gelände genommen werden“, sagte Ercan Erkan, einer der Security-Männer. Gleich zum Auftakt allerdings hatten die Security-Männer ein ganz anderes Problem. Denn ein junger Mann geriet völlig außer Rand und Band. Er lief über die parkenden Autos, bekam von den Securitys deshalb einen Platzverweis. Doch das schreckte ihn nicht ab, noch einmal auf dem Festivalgelände aufzutauchen. Die Situation eskalierte. Er beschimpfte die Security, die Polizei nahm den jungen Mann, der deutlich alkoholisiert war, mit, veranlasste zudem einen Drogentest.

Im Laufe des Samstags stellte die Polizei dann vier Mal Marihuana sicher. Die Betroffenen erwartet eine Anzeige. „Wir können aber sagen, dass das Waldstock-Festival 2017 wieder sehr friedlich verlaufen ist“, zog Dominik Körber von der Pegnitzer Polizei Bilanz.

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