Frauentag: Macht ungleich verteilt

Der Weltfrauentag am 8. März entstand aus dem Ringen um Gleichberechtigung, Wahlrecht und Emanzipation. Die Vereinten Nationen machten ihn zum Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden. Doch wie weit sind wir heute, wenn es um Frauen in der Politik geht?

Die Bayreuther CSU- Bundestagsabgeordnete Silke Launert, Mitglied im Familien- und Frauenausschuss und engagiert in der Frauenunion, sieht im Frauenwahlrecht einen "elementaren Grundpfeiler einer modernen Gesellschaft". Leider sei dies noch immer nicht in allen Ländern dieser Erde angekommen. Dass Frauen wählen dürften, sei "der Indikator für die Fortschrittlichkeit eines Landes" und sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

"Gute Frauen ziehen Frauen an"

Doch auch in ihrer Partei liegt der Frauenanteil nur bei etwa 20 Prozent. Die Politik wird größtenteils von Männern gemacht. Und wenn sich Frauen einbringen wollten, sehen sie sich "noch mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert". Fähigkeiten wie soziale Kompetenz würden als Schwäche und nicht als Stärke ausgelegt. Und Männer seien besser darin, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. "Oftmals fehlt Frauen einfach die Zeit, abends Termine und Verabredungen wahrzunehmen", sagt Launert. "Denn häufig sind es noch immer die Frauen, welche die Kinder zu Bett bringen." Aber es gebe in Bayreuth erfolgreiche Frauen in der Politik, wenn auch noch zu wenige. "Ich bin davon überzeugt, dass gute Frauen wiederum gute Frauen anziehen."

Die Vizepräsidentin im Bayerischen Landtag, Inge Aures, blickt auf eine langjährige politische Karriere in der SPD zurück. Sie ist Landtagsabgeordnete für Kulmbach und Wunsiedel, davor war sie Oberbürgermeisterin der Stadt Kulmbach, ist Stadt- und Kreisrätin. "In der SPD haben wir aktuell einen Frauenanteil von 32 Prozent", sagt Aures, und damit einen höheren als die CDU (26 Prozent).

Kritischer Blick auf Frauen

Heute sei es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen in Deutschland wählen und sich am politischen Geschehen beteiligen. "Das war nicht immer so." Letzten Endes stehe das Wahlrecht für Frauen und Männer dafür, dass beide Geschlechter im Staat die gleichen Rechte und Pflichten haben. Dennoch hätten es Frauen in der Politik schwerer: "Frauen werden bei ihrem Vorgehen stets kritischer beäugt als Männer", weiß Aures aus Erfahrung. "Ich denke, Frauen treten weniger aufbrausend auf als Männer, sind aber bei der Durchsetzung ihrer Ziele oftmals hartnäckiger. Für mich trifft das auf jeden Fall zu." Auch Gehaltsunterschiede von 21 Prozent zwischen Männern und Frauen seien nicht akzeptabel. "Da müssen wir dran arbeiten, das darf auf keinen Fall so bleiben".

Von mutigen Frauen hart erkämpft

Auf kommunaler Ebene engagiert sich Dagmar Keis-Lechner, Grünen-Kreisrätin in Kulmbach, in der Politik. Sie vertritt die Ansicht: "Das Frauenwahlrecht, vor 100 Jahren durch mutige Frauen hart erkämpft, ist heute wie damals aus meiner Sicht nicht verzichtbar. 50 Prozent unserer Bevölkerung ist weiblich und muss entsprechend repräsentiert werden."

Aber Männer und Frauen sind nicht gleich. "Sie müssen aber vor dem Gesetzt gleich behandelt werden", stellt Dagmar Keis-Lechner fest. Und Gesetze würden von der Politik gemacht. So sei zwingend erforderlich, dass Frauen zur Hälfte Gesetze mitgestalten, ihre Umsetzung begleiten und überprüfen. Das Frauenstatut der Grünen besagt: Bei einer Liste ist jeder ungerade Platz ein Frauenplatz und wird nur von einem Mann belegt, wenn keine weitere Frau kandidiert. "Damit werden Frauen gestärkt und in die Gremien gewählt."

Frauen nicht die besseren Männer

Frauen sollten sich treu bleiben und nicht versuchen, die „besseren Männer“ zu werden. "Wir sind anders, entscheiden anders und haben andere biologische und sozial geprägte Erfahrungen", ist Keis-Lechner überzeugt. Über mangelnde Achtung könne sie sich weder in ihrer Partei noch in der Kommunalpolitik beschweren. "Allerdings bin ich im Kreistag mit den Kolleginnen in der Minderheit. Und das muss sich ändern. Daher mein Aufruf: Frauen geht nicht nur zur Wahl, sondern lasst euch auch wählen – wir brauchen euch!"

Nur ein Drittel an Einfluss

Als erste Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth hat Brigitte Merk-Erbe nicht viele Kolleginnen. Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik waren es 2010 sogar nur 129 Frauen in bayerischen Gemeinden, die erste Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin einer kreisfreien Stadt waren. Merk-Erbe bekleidet ihr Amt seit 2012. Zum Weltfrauentag teilt sie mit: "Frauen stellen in unserem Land rund 52 Prozent der Bevölkerung. Doch in der Politik, wie in vielen anderen Bereichen, wäre man schon froh, wenn sie einen 30-prozentigen Anteil an Führungspositionen hätten."

Dafür gebe es nicht nur eine Ursache, sondern unterschiedliche Gründe. "Natürlich spielt eine wesentliche Rolle, inwieweit eine politische Gruppierung offen dafür ist, mit Frauen auf aussichtsreichen Plätzen ins Rennen zu gehen." Die Bayreuther Gemeinschaft habe damit in den vergangenen 20 Jahren nie ein Problem gehabt. "Angelika Rund oder ich selbst haben bei Stadtratswahlen auf Platz 1 kandidiert und auch 2014 stand eine Frau auf Platz 2."

Im Stadtrat nur neun Frauen

Auch im Stadtrat von Bayreuth sei "noch Luft nach oben": Der Stadtrat hat 44 Sitze, gerade mal neun sind von Frauen besetzt. Dass eine Frauenquote helfen könnte, daran hat Merk-Erbe ihre Zweifel. "Ich persönlich bin keine Anhängerin einer Quote", sagt die Oberbürgermeisterin. "Frauen können sich auch ohne Quote durchsetzen."

Für Frauen häufig problematisch sei das zur Verfügung stehende Zeitfenster für Kinder, Familie und Kommunalpolitik. "Was es für Frauen oft schwer macht, ist ihr ausgeprägter Wille, immer gut vorbereitet zu sein. Männer scheinen mir da etwas sorgloser", meint Merk-Erbe. "Ich persönlich glaube, dass für die Menschen unserer Stadt nicht das Geschlecht, sondern die Sicherheit, dass die Interessen ihrer Stadt glaubwürdig und angemessen vertreten werden, entscheidend ist.“

 

Nicht bewertet

Anzeige

Kommentare

Wenn ich mir die Kanzlerin und die Verteidigungsministerin so anschaue bin ich nicht so zuversichtlich.
Sind wir denn mit unserer Kanzlerin die letzten Jahre schlecht gefahren? Unsere befreundeten Nationen weltweit beneiden uns um BK Merkel.
Waren die Vorgänger von Frau von der Leyen bessere Verteidigungsminister, besonders der entschlossen auftretende Freiherr v. Guttenberg?
"Unsere befreundeten Nationen weltweit beneiden uns um BK Merkel."

Genau dieser Umstand ist eben besorgniserregend...
Urwart ist einer der ganz vielen verblendeten Menschen in diesem Land, die den Blick für die Realität total verloren haben. Sorty Urwart. Ich will mich ja wirklich nicht aufregen. Aber wenn ich nur an die verkorkste Merkelsche Energiewende oder an die zahlreich völlig sinnlosen Griechenland Rettungspakete denke, läuft es mir kalt den Rücken runter. Zwei von zahlreichen Beispielen einer ganz ganz schlechten Politik in diesem Land. Ach ja...Bundeswehr hat sie und ihre Regierungen auch kaputt gespart. Egal. Ich mag mich nimmer aufregen heute über Frau Merkel und Leute wie Urwart
Bitte nicht aufregen. Das vernebelt die Gedanken und lässt keine realistische Beurteilung gerade bei solchen komplexen Gebieten, die genannt wurden, zu. Nur soviel zum Nachdenken: Haben denn die nationalen Regierungen noch die Macht, gegen die international agierenden Grossunternehmen zu bestehen? In welches Land sollte man den auswandern?
Schweiz, Luxemburg, Norwegen, Schweden, Niederlande, Großbritannien, Finnland, Österreich, Kanada, Neuseeland, Australien, USA... die Liste ließe sich beliebig verlängern...
Ich bin da im Prinzip voll bei Noob0312! Diese Liste liese sich fast bis ins unendliche fortführen. Auch noch ganz oben dabei die verfehlte Asylpolitik! Auch ich bin der Meinung die merkelsche Politik ist nicht die Politik die in erste Linie dem eigenen Volke dient. Sie tanzt gerne auf 1000 Hochzeiten und vergießt dabei allzuschnell das eigene Volk! Wir haben so viele Baustellen im eigenen Land (Alters/Kinderarmut, teils katastrophale Pflegezustände, in vielen Bereichen soziale Zweiklassengesellschaften, verfehlte Rentenpolitik, was ja wieder zur Altersarmut führt und vieles vieles mehr. Sicher es geht sehr sehr vielen gut oder gar sehr gut in diesem Land, aber es geht leider auch zunehmend fürs sehr viele in die andere Richtung!
Es ist beschämend das in einem der reichsten Länder der Welt teils solche Zustände herrschen und von der Politik außer Dampfplauderei bzw. Flickschusterei nix kommt!
Und wie Noob0312 schon schreibt ist der der das nicht sieht oder nicht sehen will ein Stück weit naiv, oder es geht ihm einfach zu gut!
Danke für die nüchterne Ergänzung meines Kommentars TOM61. Sehe ich ebenso wie Sie.
Noch als Ergänzung dazu: Mir geht es auch sehr gut. Dennoch sehe ich die Realitäten und Blicke über den Tellerrand hinaus. Ich habe nämlich Kinder und mach mir einfach Gedanken auch um deren Zukunft.
Jetzt sind wir vielleicht wieder beieinander. Ich habe auch Kinder. Und ich möchte, dass sie in Frieden und ausreichendem Wohlstand leben können. Deshalb das Friedensprojekt EU wieder in den Vordergrund rücken, unsere Umweltprobleme u.a. durch eine konsequente Energiewende nachhaltig lösen und allen nationalen Politikrichtungen entgegenarbeiten. Wir haben nur die eine Erde!
Die "verfehlte Rentenpolitik" hat mit der konsequenten und stetigen Schwächung der gesetzlichen Rentenversicherung schon vor Merkels Kanzlerschaft begonnen.
Achso, ganz vergessen. Zum eigentlichen Thema "Frauentag: Macht ungleich verteilt"

Sind das wirklich die Probleme in diesem Land die hoher Priorität bedürfen? Sicher ist nicht alles 100% gerecht in diesem Land zu diesem Thema, aber gerade in Punkto Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist unser Land ganz sicher ganz weit vorne und ich bin der Meinung wie schon geschrieben das es ERHEBLICH wichtigere Dinge zu regeln gibt in diesem Land!