Frauenhaus braucht neuen Anstrich

Denn ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit entsteht nur, wenn sich die Frauen mit ihren Kindern in der neuen Umgebung wohlfühlen. Davon ist die Leiterin des Frauenhauses, Christine Ponnath, fest überzeugt. "Die Frauen kommen aus einem zerstörten Umfeld, aus dem Chaos zu uns." Umso wichtiger sei es, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich die oftmals schwer misshandelten Frauen angenommen fühlten.

Kritzeleien an den Wänden

Doch das vor 30 Jahren gegründete und vom Bayreuther Caritasverband getragene Frauenhaus ist in die Jahre gekommen. Die vielen wechselnden Bewohner haben ihre Spuren hinterlassen. Kinder haben Wände und Heizkörper bekritzelt, Schränke und Türen sind beschädigt, Holzböden und Teppiche abgewohnt. Die Einrichtung sei immer mehr verwüstet und kaputt gemacht worden. "Wir haben uns gefragt: Liegt das an uns oder an unserem Haus?", sagt Christine Ponnath und gibt selbst die Antwort: "Der Grund für die Unordnung ist das Gebäude selbst." Denn die Architektur wirke sich auf das Verhalten der Menschen aus. "Und unsere Frauen kommen aus einer zerstörten Umgebung, aus dem Chaos."

Zuwendung und Wertschätzung

In der Schutzzone Frauenhaus sollen sie ihr Selbstbewusstsein wieder finden und lernen, sich zu behaupten. "Ein Lebensraum kann Gewalt fördernd oder Gewalt mindernd sein", bestätigt auch Peter Müller, ehemaliger Polizist und Vorsitzender des Vereins Bayreuth ohne Gewalt. Zuwendung und Wertschätzung zu erfahren und zu vermitteln, gelinge in einer angemessenen Umgebung am besten. Zusammen mit dem Soroptimisten Club will er das Frauenhaus bei der dringend nötigen Renovierung unterstützen.

Ein Statement gegen Gewalt

Ein Möbelhaus bot dem Frauenhaus bereits Möbelstücke aus dem ausgewechselten Sortiment an, darunter neun neue Betten und Matratzen. Der internationale Serviceclub setzt sich für die Rechte von Frauen ein und finanziert bereits die Hauswirtschafterin des Frauenhauses. "Gewalt kann jede Frau treffen, egal, ob sie reich oder arm ist, gebildet oder nicht", sagt die Präsidentin des Clubs, Ina Besser-Eichler. "Welche Frau gibt offen zu, dass sie geschlagen wird?"

"Frauen sollen sich nicht klein machen"

Weil sie dem Frauenhaus bei der Umgestaltung helfen will, stellte sie bereits den Kontakt zu einer Firma her, die Stoffe für Vorhänge spendet. "Die Umgebung spiegelt von außen nach innen", meint Ina Besser-Eichler, weshalb das Gesehene auch eine psychologische Wirkung habe. Denn die Frauen sollen ihr Leben wieder ordnen und in den Griff bekommen. Und dazu trägt auch das Umfeld einen Teil bei. "Ich möchte nicht, dass sich meine Tochter klein macht, nur weil sie eine Frau ist", sagt Ina Besser-Eichler über ihren Einsatz für das Frauenhaus, das für Frauen aus ganz Deutschland da ist.

Keine Gebrauchtmöbel!

Aber das Frauenhaus braucht noch weitere Unterstützer: Handwerker, die Wände streichen und Böden verlegen, Geschäfte, die bereit sind, neuwertige Möbel zu spenden. Die Stadtwerke haben signalisiert, eine neue Küche mitzufinanzieren, eine Spende für den Boden im Spielzimmer ging auch schon ein. Gesucht werden neue, schöne Möbel, keine gebrauchten. Und weil alles zusammenpassen soll, wird dringend nach einem Berater mit innenarchitektonischem Wissen Ausschau gehalten. "Ein Raumkonzept ist eigentlich das A und O", sagt Bibi Bialas-Müller, die als Erzieherin im Frauenhaus arbeitet.

Leben auf engstem Raum

Die Frauen und ihre Kinder leben in dem Gebäude auf engstem Raum: zehn Zimmer sind vorhanden, ein Notzimmer, ein Wohnzimmer, zwei Spielzimmer, vier Küchen, Bäder und Toiletten. Die Grundausstattung sammelte sich im Laufe der Jahre an. "Der Etat ist klein, das Haus fast ständig bewohnt", sagt Christine Ponnath über das zusammengewürfelte Inventar. Das Frauenhaus wird von der Erzdiözese Bamberg, Stadt und Landkreis Bayreuth, Landkreis Kulmbach und dem Freistaat gefördert. Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter und Spenden wäre der Betrieb nicht möglich.

Nur ein vorübergehender Aufenthalt

Die Frauen leben wie in einer Wohngemeinschaft zusammen. So sind sie nicht isoliert und haben Kontakt  zueinander. Ursprünglich sollten die von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt bedrohten Frauen nur für sechs Wochen eine Bleibe im Frauenhaus haben. "Die Aufenthaltsdauer ist mittlerweile auf sechs Monate bis zu zwei Jahren gestiegen", sagt Christine Ponnath. Das liege vor allem daran, dass bezahlbarer Wohnraum in Bayreuth schwer zu finden sei.

Das Frauenhaus ist meistens ausgelastet, zuletzt nahmen die Helfer viele Flüchtlingsfrauen auf. "Wir bieten trotzdem nur einen vorübergehenden Aufenthalt an." Ziel bleibt, die traumatisierten Frauen so in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, dass sie wieder alleine leben können. "Ich bin es wert, dass sich jemand mit mir unterhält", das müssten viele von ihnen erst neulernen.

INFO: Wer bei der Renovierung mitanpacken oder dafür spenden will, kann sich unter Telefon 0921/21116 melden.

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