Frauen der Reformation

„Ich fand es spannend, mal zu sehen, was es noch anderes neben Martin Luther und Katharina von Bora gibt“, sagt Pfarrerin Tina Binder, die die Ausstellung eröffnete und betreut. Auf sieben Schautafeln geht es um Themen wie Frauen der Reformation, Alltagsbegleiter Tod, Priestertum aller Getauften, Ehefrau und Mutter, Nonnen und Klöster, Erziehung und Bildung sowie Diplomatie und Krieg. „Die Themen sind für alle Generationen, für Jung und Alt“, sagt Binder. Sie sind jeweils mit einem Zitat von damals hinterlegt und mit einer Fragestellung untermauert. So wird ein Bogen zwischen dem Historischen und der Gegenwart gespannt.

Keine reine Männerleistung

Auf weiteren Schautafeln werden zwölf Frauen vorgestellt, die aus verschiedener sozialer und regionaler Herkunft stammen, aus der Perspektive von sogenannten Patinnen – auch zwei Schülerinnen sind dabei – der Gegenwart vorgestellt. Das ist eine Flugschriftautorin genauso wie eine Schulleiterin, Adelige oder die Ehefrau von Thomas Münzer, der für ein neues gelebtes Bild von Ehe und Familie stand. Es wird deutlich, dass die Frauen der Reformation beispielsweise durch ihre Ehe mit einem Theologen, Mönch oder Priester auch ein Bekenntnis zur Reformation abgegeben haben. „Die Reformation war keine reine Männerleistung“, heißt es dazu im Ausstellungskatalog. „Die Reformation war eine Kollektivleistung, zu der eben auch Frauen beitrugen.“ Sie lasen die Bibel und bildeten sich ihre Meinung dazu, lernten überhaupt erst mal das Lesen.

Jede Biografie ein Schatz

Die Biografie jeder einzelnen vorgestellten Frau ist ein Schatz, nennt es die Pfarrerin. „Ein Schatz aus einer anderen Zeit, Geschichten die es wert sind, erzählt zu werden“, so Binder. Da geht es um die Verantwortung, die eine evangelische Hausfrau und Mutter hatte. Aber andererseits auch um ihren Gehorsam gegenüber dem Ehemann. Es geht um Nonnen und Klöster – wer damals nicht verheiratet war, lebte im Kloster. Es geht um die Erziehung und Bildung, die nur privilegierten Frauen zuerkannt wurde. Bildungsorte waren damals die Klöster, die aber mit der Reformation verschwanden und es entstanden die Mädchenschulen.

Nicht schon immer evangelisch

„Wir wollen mit dieser Ausstellung einen spannenden Blick auf etwas Unbekanntes werfen“, erklärt Tina Binder. Und sie zieht eine Parallele zwischen den vorgestellten Frauen und dem Ausstellungsort, der St.-Jakobus-Kirche: Beide waren nicht schon immer evangelisch. Ein Zeichen in der Kirche dafür ist das noch erhaltene Tabernakel, in der beim Abendmahl in der katholischen Kirche die gewandelten Hostien aufbewahrt wurden. Mit der Ausstellung soll nun ein Stück Reformationsgeschichte lebendig gemacht und gezeigt werden. „Wir sind das Mutterland der Reformation“, sagt Binder. In Wittenberg schlug Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche – so werde es jedenfalls schon immer erzählt. „Doch war es dort? Oder an der Tür der Universität, war es Martin Luther überhaupt selber? „Wir wissen es nicht, Forscher haben ihre Meinung dazu“, so die Pfarrerin.

Info: Ausstellung „Frauen der Reformation“, St.-Jakobus-Kirche Creußen bis Sonntag, 9. Juli, sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung bei Pfarrerin Tina Binder unter 0 92 70/2 45 96 74 oder 01 76/23 96 53 12 oder tina.binder@elkb.de.

Nicht bewertet

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