Frankenwald im Nationalpark-Rennen

Der Frankenwald wird auf Wunsch aus der Region in die Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern einbezogen. "Ich freue mich über dieses positive Signal aus der Region", sagte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) am Donnerstag in München. Scharf kündigte an, möglichst bald den Frankenwald besuchen zu wollen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer äußerte sich am Rande der Landtagssitzung sehr positiv zum vierten Kandidaten: "Vom Frankenwald spreche ich seit Monaten", sagte der CSU-Chef.

Dialog mit allen Regionen

Er selbst könne sich auch einen länderübergreifenden Nationalpark vorstellen. Teile des Frankenwaldes sind auf thüringischem Gebiet. Dazu habe er auch schon mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) telefoniert, dieser habe sich sehr offen gezeigt. Unabhängig davon wolle Seehofer noch mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über die Möglichkeiten eines grenzüberschreitenden Nationalparks im Spessart sprechen.

Für einen Nationalpark sind entsprechend der gesetzlichen Vorgaben mindestens 10.000 Hektar Fläche erforderlich. Die Einbeziehung des Frankenwalds in die Nationalparksuche habe keine Auswirkungen auf den laufenden Dialog mit den anderen Regionen - bislang waren nur der Spessart in Unterfranken, die Rhön und die Donau-Auen als mögliche Flächen in der Diskussion.

Sehr viele Schwarzstörche

"Die Region im Frankenwald hat im Kern vier ausgeprägte Kompetenzen: eine wunderschöne und wertvolle Natur, eine äußerst innovative Industrie, starke mittelständische Unternehmen sowie engagierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagt der aus der Region kommende Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU). Eine mögliche Nationalparkkulisse Frankenwald wäre Teil des Naturraums "Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge".

Das Gebiet Frankenwald ist nach Angaben des Ministeriums naturschutzfachlich charakterisiert durch störungsarme und wenig zerschnittene große Waldgebiete. Naturschutzgebiete, Naturwaldreservate und Teile eines FFH-Gebiets kommen im Gebiet vor. Der Frankenwald zeichne sich durch ein bundesweit herausragendes Schwarzstorch-Vorkommen aus.

Ungeeignet, da kleinteilig und von vielen Straßen durchzogen

Kritik kam von SPD und Grünen im Landtag. Sie halten den Frankenwald für ungeeignet. Zwar gebe es dort höchst schützenswerte Gebiete, allerdings seien diese oft kleinteilig und von vielen Straßen durchzogen, sagte Klaus Adelt (SPD). "Naturschutzfachlich unterscheidet sich dieses Gebiet nur wenig vom vorhandenen Nationalpark Bayerischer Wald", sagte Christian Magerl (Grüne) unter Verweis auf den hohen Fichtenbestand. Bayern bekäme mit dem Frankenwald nur einen "Entwicklungsnationalpark", der erst auf sehr lange Sicht von Wert wäre.

Bis Ende Juli soll die Suche abgeschlossen sein. Dies haben Seehofer, Scharf und Justizminister Winfried Bausback (alle CSU) Anfang April bei einem Gespräch mit Nationalparkgegnern aus dem Spessart in der Staatskanzlei vereinbart. Das Kabinett hatte im vergangenen Sommer auf seiner Klausur am Tegernsee beschlossen, einen dritten Nationalpark einzurichten - den Ort aber offengelassen.

Überall gibt es Kritiker der Nationalpark-Pläne

Scharf führt derzeit Gespräche mit den Menschen in den Regionen. Denn in allen potenziellen Regionen im Freistaat ist inzwischen eine Diskussion zwischen Kritikern und Befürwortern entbrannt. Dagegen hatte das Kabinett den Steigerwald vorab vom gesamten Auswahlverfahren ausgenommen.

In Bayern gibt es derzeit zwei Nationalparke. 1970 wurde hier der erste Nationalpark Deutschlands gegründet: der Nationalpark Bayerischer Wald. 1978 folgte Deutschlands einziger Alpen-Nationalpark bei Berchtesgaden. dpa

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