Fichtelsee: Bewahren oder entwickeln?

Das war der Plan: Hotelbetreiber Bernd Deyerling plant ein Haus mit zusätzlichen Betten und einem Wellnessangebot neben seinem Waldhotel am Fichtelsee; die Wasserwacht braucht eine neue Unterkunft und will direkt am See bauen. Die Gemeinde hat einen Hochzeitspavillon aufgestellt, plant einen Barfußwanderweg, auch ein Wasserspielplatz und anderes stehen auf der Ideenliste.

Und weil der bestehende Bebauungsplan am Fichtelsee schon rund 30 Jahre alt ist, sollte er im Zuge der geplanten Bauprojekte erneuert werden; eine Arbeit, die Bernd Deyerling übernommen hat, da er als hauptberuflicher Bayreuther Immobilienentwickler die Kapazitäten dafür im eigenen Haus hat. Das Landratsamt riet, zunächst nur den Bereich des Sees mit den konkret geplanten Vorhaben – Bettenhaus, Wasserwachtstation – zu beplanen, da das Planverfahren für den ganzen See umfangreicher und langwieriger sein würde. Nach den ursprünglichen Plänen der Wasserwacht sollte die neue Rettungswache jetzt schon stehen. Doch der Plan, Zeit zu sparen, ging nicht auf. Denn gegen die Vorhaben regte sich innerhalb wie außerhalb des Ortes Widerstand.

Die Einwender: Aus Fichtelberg selbst haben sieben Bürger Einwände erhoben. Sie kommen vorwiegend aus dem Kreis der Ortsentwicklungsgruppe, haben schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich intensiv mit ihrem Ort und seiner Zukunft auseinandergesetzt haben. Grundtenor ihrer Kritik: Es fehlt eine Antwort auf die strategische Frage, was der Fichtelsee langfristig sein soll; die Vorhaben seien, so wie sie geplant sind, nicht mit den Zielen für die langfristige Entwicklung der Region vereinbar. Ganz konkreter Vorwurf: ein Kleinod wird verbaut.

   Fundamental wurde die Kritik vom Fichtelgebirgshauptverein. FGV-Geschäftsführer Jörg Hacker sprach von „grundlegenden Fehlern in der Planung“, Belange des Naturschutzes seien nicht berücksichtigt. Und drohte schon mal mit Klage. Die scharfe Kritik des FGV steht in scharfem Kontrast zur Rückmeldung des Bund Naturschutz: Der BN hatte keine Einwände.

Die Wasserwachtstation: Bisher war die Wasserwacht in eher unscheinbaren Räumen abseits vom See untergebracht, das Boot war in einer Garage unter der Hotelterrasse. Aus ihren Räumen müssen die Wasserretter raus, deswegen plante der Kreisverband des Roten Kreuzes den Neubau einer Wasserwachtstation auf der Ostseite des Sees direkt südlich vom Asphaltplatz, direkt am Wasser; mit Bootsgarage, Slipanlage und Anlegeplatz, Küche, Behandlungsraum, kombiniertem Bereitschafts-, Seminar- und Mehrzweckraum; im ausgebauten Dachgeschoss sind Schlafplätze geplant, da die Wasserwachtler üblicherweise von Freitag bis Sonntag Dienst tun und dazu aus dem ganzen Landkreis nach Fichtelberg kommen.

   Bei der Planung ihres Hauses ist die Wasserwacht an Vorschriften gebunden. Zum Beispiel den Einbau einer öffentlichen behindertengerechten Toilette. Womit auch der Zugang zum Haus behindertengerecht sein muss.

   Die Einwender schlugen vor, den – in ihren Augen zu großen – Bau zu teilen: eine kleine Wachstation am Wasser und den größeren Teil des Baus weg vom See auf die andere Seite des Weges. Oder gleich in den Hauptort, Leerstand gebe es ja genug in Fichtelberg. Oder grundsätzlich über einen anderen Standort am See nachdenken.

Die Hotelerweiterung: Wurde insgesamt weniger kontrovers diskutiert als die Wasserrettungswache, aber auch hier gab es Änderungswünsche, darunter, den Bau vom Wasser wegzurücken und einzugrünen.

So geht es weiter: Bernd Deyerling will nun die vorgebrachten Einwände mit den Fachstellen durchgehen. Die Planung der Wasserwacht, galt bisher als im Kern unverrückbar. Aber BRK-Kreisgeschäftsführer Peter Herzing sagte nach dem Erörterungstermin am Mittwochabend zu, noch mal Alternativen zu prüfen. Aber auch das steht im Raum: Wenn die Wasserwacht keine Möglichkeit sieht, ihren Aufgaben gerecht zu werden, kommt auch ein Totalabzug vom Fichtelsee in Frage.

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Kommentare

Als Einwohnerin und begeisterte Schwimmerin kann ich mich den Einwänden bezüglich der Wasserwachtstation voll und ganz anschließen. Der geplante Bau beeinträchtigt das "Herzstück" des Fichtelsees enorm. Gerade hier halten sich viele Badegäste auf. das Wasser ist relativ flach und für Kinder gut geeignet. Mir erschließt sich nicht, wozu an dieser Stelle ein solcher "Riesenbau" benötigt wird, es soll doch sicher kein Partyraum für die Wasserwachtler werden? Von dieser Stelle aus ist auch keinerlei Einsicht auf den älteren Teil des Sees möglich, der bestehende Holzturm auf der westlichen Seite gewährleistet dies. Sicher muss an die Weiterentwicklung gedacht werden, aber gerade viele Urlauber und auch Einheimische schätzen die Natürlichkeit des Fichtelsee. Seminar-und Schlafräume kann man bestimmt innerhalb des Ortes einrichten!
Kann denn nicht im Rahmen der Bebauung ein kleines Freizeitzentrum für ehrenamtlich tätige Wasserwachtler und ihre Familien entstehen? ;-)
Komm, das wird nur hochgespielt. Die sog. Seminarräume sind für die Einweisung und Übergabe der Wache. Die Schlafplätze unterstützen die ehrenamtl. tätigen Menschen. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Aber ist doch wieder typisch Rotes Kreuz. Wenn wir nicht bekommen was wir wollen dann schmeißen wir halt alles hin. Vieleicht sollte man mal das Gespräch mit der DLRG suchen!
@Georgi09: Klar. Nette kompetente Leute. Da sollte dann die Gemeinde mal dringend das Gespräch suchen.
@ Andreas Gewinner: Bergsee? Eher künstlich angelegter See. Vormals als Stauweiher benutzt.
Das trifft aber "nur" auf den neueren Teil des Sees zu. Der alte und auch kleinere ist natürlich, oder irre ich?
Warum muss alles MEGA sein!? Kann man diese Idylle nicht bewahren. Das ist doch
der Charme vom Fichtelsee. Ist schon jetzt das Hotel viel zu groß für das Naherholungs-
zentrum. Muss alles verbaut werden? Nur wegen dem Mammon?! Wenn Herr Deyerling die Natur und das Umfeld bewahren will, dann soll er die An- und Neubauten vermeiden.
Die Gastwirtschaft/Hotel ist ein "Selbstläufer".

Das Hotel ist ein "Selbstläufer".
Dieser Bürgermeister bringt keinen Tourismus nach vorne, im Gegenteil er hat und macht in den nächsten drei Jahren den Tourismus gar kaputt. Keine Ideen, keine Initiative zum Thema Fremdenverkehr, der hat sich einen großen Fernseher in sein Büro gestellt, damit er vor lauter Langeweile, (weil er nix kann) Fernsehschauen kann. So sieht das Thema Fremdenverkehr in Fichtelberg aus. Gestern auf der Bürgerversammlung hat man den feinen Herrn Georg Ritter einen Lügner genannt. Die Leute sind stocksauer auf diesen Bürgermeister. Die CSU-Gemeinderäte müssen Ihn zum Rücktritt auffordern und einen fähigen Mann oder Frau auf diesen Posten setzen, damit Fichtelberg wieder aufbauen kann.
Der Reiz des Fichtelgebirges liegt in natürlichen oder naturnahen Wäldern, Seen, Wiesen und angepaßten menschlichen Strukturen. Wer diese ohne Not dem Kommerz widmet, wird baden gehen, denn das kann man anderswo besser, und "anderswo" ist auch noch verkehrsgünstiger gelegen. Wer ins Fichtelgebirge fährt, sucht Ruhe und Erholung, wenn diese auch noch weg ist, kommt keiner mehr. Was diese Klientel jedoch schätzen würde, wäre eine kleine, feine, gute Gastronomie mit ordentlichen Öffnungszeiten. Damit wäre Geld zu verdienen, sogar ohne Rieseninvestitionen.
Rundum Zustimmung.
@TOM61: siehe WIKIPEDIA unter Fichtelsee

@kezia: Das Sie ja anscheinend Experte für Gastronomie sind und nach ihrer Aussage mit einer kleinen, feinen, guten Gastronomie mit ordentlichen Öffnungszeiten ohne Rieseninvestitionen gut Geld zu verdienen sei, gestatten Sie mir doch einfach die Frage:
Wenn das so einfach ist, warum gibt es dann so viele Gastronomische Leerstände gerade in der Umgebung?
Demgegenüber stehen eine Reihe an Gastwirtschaften, die wirklich brummen. Es liegt wohl sehr am Händchen des Wirts.