Fichtelberger wird AfD-Kandidat

Gerd Kögler ist Kreisvorsitzender der AfD Hochfranken. Er sagte dem Kurier: „Herr Engel ist seit Kurzem bestätigtes Mitglied bei uns. Er tritt für den Stimmkreis Hof als Landtagskandidat an.“ Welche Konsequenzen das für Engels CSU-Mitgliedschaft haben könnte, konnte Kögler nicht sagen. Er hatte bisher keine Kenntnis von Engels Gemeinderats-Mandat in Fichtelberg.

Die Gemeinde kommt mit Engels Entscheidung nicht zur Ruhe: Erst im Dezember hatte Rudolf Elvers (FWG) sein Gemeinderatsmandat niedergelegt. Ende November hatte Stefan Pecher (CSF) seinen Rückzug aus dem Gemeinderat verkündet.

Ratlosigkeit

In der Fichtelberger CSU herrschte am Donnerstagnachmittag Ratlosigkeit. Weder der Ortsvorsitzende Siegbert Schöler noch zweiter Bürgermeister Glaser waren über Engels AfD-Kandidatur informiert. Auch Fraktionskollege Sigmund Langer reagierte mit Verwunderung: „Ich kenne Christian als Pragmatiker, der sehr themenbezogen arbeitet. Ich sehe jetzt nichts, was aus Fichtelberger Sicht bei der AfD gelöst werden könnte.“

Bürgermeister Georg Ritter (CSU) hatte ebenfalls keine Information von Engel erhalten: „Ich weiß nicht, vor welchem Hintergrund er diese Entscheidung getroffen hat. Ich  möchte mich dazu aber auch nicht äußern, ehe ich mit ihm selbst gesprochen habe“, sagte er.

Zur Frage, ob die AfD-typischen Themen wie Flüchtlinge und innere Sicherheit in Fichtelberg eine Rolle gespielt haben könnten, sagte Ritter: „Wir haben fünf Jahre lang Asylsuchende im Ort gehabt und es hat keine schwerwiegenden Probleme gegeben.“ Auf den Partei-Austritt Joachim Bursians (CSU, Mistelgau) und  Claus Hofmanns (SPD, Gesees) angesprochen, sagte Ritter: „Ich denke, das sind Einzelentscheidungen, die persönliche Ursachen haben.“

Seit Januar AfD-Mitglied

In der Mitteilung der AfD heißt es, der 39-jährige Engel sei gebürtiger Hofer und gehöre der Partei seit Januar an. Er habe in seiner Bewerbungsrede politische Schwerpunkte gesetzt: innere Sicherheit, Zuwanderung, den Schutz der Jugend vor Drogen, Struktursicherung im Agrarbereich und finanzielle Hilfe für schwach aufgestellte Kommunen. Ferner gehe es Engel um die Schaffung gleicher Lebensbedingungen in Bayern. Er habe sich bei der Kandidatenaufstellung mit 67 Prozent gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt und werde sich jetzt noch um einen Beisitzerposten im Vorstand des Kreisverbandes bewerben.

Engel selbst äußerte sich am Donnerstag am Telefon nur knapp. Er sei unterwegs, wolle aber gerne ein Gespräch mit der Zeitung führen, aber benötige dafür ein paar Tage Vorbereitungszeit.

Karl Heinz Glaser ist selbst in der CSU und zweiter Bürgermeister. Er reagierte überrascht: „Das ist mein erstes Wort. Die Nachricht kommt aus heiterem Himmel für mich.“ Er habe Engel als jemanden kennengelernt, der sich in die Fraktionsarbeit eingefügt habe. 

Überraschend

Sigmund Langer sitzt ebenfalls für die CSU im Gemeinderat. Er ist der Ansicht, Engel könne „nicht zugleich Mitglied bei der AfD und der CSU“ sein.  Er sagte, man schimpfe in politischen Gesprächen schon mal auf die Parteiführung, aber Engels Schritt „überrascht mich jetzt schon“. Er habe nicht gesehen, dass sich diese Entscheidung anbahne. Engel habe sich als Mensch mit konstruktiven Ideen und guten Beiträgen in der Gemeindepolitik gezeigt: „Die AfD-Politik geht ja eher ins Populistische.“

Langer vermutet Gründe für Engels Entscheidung in dessen beruflichem Hintergrund: „Er ist bei der Bundespolizei. Vielleicht hat er etwas erlebt, was ihn dazu motiviert hat.“ Er vermute, dass Engel durch die Nachricht von seinem überraschenden Wechsel „einen Popularitätsschub bekommen wird“. Dadurch könne auch „die AfD als Ganzes gestärkt“ werden.

Der CSU-Bezirksvorsitzende Hans-Peter Friedrich kennt den Fall auch nicht. Er sagt: Wenn einer für eine andere Liste antrete, müsse er die CSU verlassen.

3.7 (3 Stimmen)

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Kommentare

...ist Herr Engel nicht als CSU'ler im Gemeinderat von Fichtelberg? Ist er nicht schon in Pension?
@Vox, dreimal dürfen Sie raten warum der ( mitte dreißig ) schon in Rente ist ?
Da wurde mein Kommentar an einen anderen Bericht angehängt!
Vor allem: Er muss ja dann in Fichtelberg lediglich den Zweitwohnsitz haben!
Kann er damit noch Gemeinderat von Fichtelberg sein? Einwohnermeldeamt!
Wohnsitzwechsel eines Gemeinderates. Keine Benachrichtigung an den Chef! ?
Die erste Version des Berichts wurde aktualisiert.
Das ist der gleiche Bericht. Nur aktualisiert.
Natürlich kann Herr Engel als amtierender Gemeinderat, wo anders als Direktkandidat für den Landtag kandidieren. Herr Bauske hat sich als Bayreuther SPD Stadtrat auch für das Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis Kulmbach beworben. Allerdings geht das Satzungsrechtlich nicht, wenn er gleichzeitig ein Parteibuch bei der CSU hat. Da kann er natürlich nicht für die AfD als Landtagskandidat nominiert werden. Aber vielleicht hat er ja auch gar kein Parteibuch bei der CSU? Es soll ja auch parteilose Komunalpolitiker geben, die bei der CSU mit dabei sind. Es kommt immer darauf an, wie die Liste benannt ist. Z. B CSU/ Offene Liste. Allerdings ist es schon fraglich, ob man für eine CSU Liste im Gemeinderat ist und gleichzeitig für die AfD zur Landtagswahl kandidiert. Ich würde an seiner Stelle als Fraktionsloser Gemeinderat weiter machen und gut ist es. Denn sein Gemeinderatsmandat ist ja nur an ihn selbst und nicht an eine Partei geknüpft.
Wie ist das mit dem Wohnsitz?
Der Wohnsitz ist nicht entscheidend.
Verständlich und mehr als nachvollziehbar, dass immer mehr CSU-Mitglieder den Steigbügelhaltern von Merkels CDU den Rücken kehren und sich der Partei zuwenden, die sich anschickt, zweitstärkste Kraft im Freistaat zu werden.
Ja. Das ist leider so. Die Erosion in der CSU ist immer mehr erkennbar. Ich finde das schade. Ist aber anscheinend nicht mehr aufzuhalten, Dank einer Politik, die viele Konservative verprellt hat
Dann soll doch die CSU bitte der CDU den Rücken kehren. Dann kann man in Bayern endlich auch die CDU wählen und muss keinen Umweg über eine Partei nehmen, die versucht die AfD rechts zu überholen.
Unsere Familie kennt Herrn Engel indirekt über eine weitläufige Verwandtschaft als braven Bürger und korrekten Bundespolizisten.

Das,
was wir hier sehen, wird genau in dieser Form bei den einst großen Parteien so weiter gehen.

Es ist eine, wie soll ich sagen, bewusst von den Strategen der AfD angelegt Form des Ausstieges.
Nicht wie üblich, erst aus einer Partei auszutreten, sondern das Ganze erst nach Eintritt in die neue dynamische Partei zu vollziehen.
Dadurch wird eine größere Unsicherheit bei den (wie die AfDler sagen) „Altparteien“ erzeugt.
Die Mitglieder der "Altparteien" können sich gegenseitig nicht mehr vertrauen,
nicht mehr in die Augen sehen.

Man sollte die Strategen der AfD nicht unterschätzen,
sich von ihnen auf keinen Fall täuschen lassen...

Die sind mit allen Wassern gewaschen…

Sehr interessante Sichtweise. Aber damit könnten Sie schon Recht haben.
Natürlich wird kein AfDler das zugeben,
sondern abstreiten.
Auch wer heute als Gast sie darauf anspricht, wird den gleichlautenden Satz hören:

Keinen Kommentar!

Es ist halt so.
Die AfDler lassen gern mal eine 5 gerade sein…
Aber laut Übersetzung, einfach nicht zulässig. Ich kenne jetzt die Satzung der AfD nicht. Aber dort sollte das mit einer sogenannten "Doppelmitgliedschaft" auch eindeutig geregelt sein. Naja...vielleicht sehen es die dort Verantwortlichen nicht ganz so eng damit ;-)
Meinte natürlich...laut Parteisatzung
Arbeitet pragmatisch und themenbezogen, wie wir gelesen haben.
Was soll denn seine Mitgliedschaft in der AFD mit Fichtelberger Gemeinderat
zu tun haben ? Alles dummes geschwätz der CSU
und der Bürgermeister scheisst sich sowieso nichts drum, warum sollte er auch.
Kann Ihm doch egal sein. Der Herr Engel wird schon wissen warum.
Wir leben in einem demokratischen Land, da muss man damit umgehen können.
Ausserdem sind wir doch mal ehrlich ist die CSU momentan nicht wählbar
Ausgetreten sein wird er schon lange, vielleicht über den Landesverband.
Ausserdem Herr Langer, was ist populistisch wenn man die Wahrheit sagt.
Vielleicht möchte mancher Traumtänzer im Gemeinderat von Fichtelberg
die Wahrheit nicht hören. Zupft euch mal an eurer eigenen Nase.

Die ganze Fichtelberger CSU samt Bürgermeister gehören abgewählt, die haben den Fichtelbergern ein Ei nach dem anderen gelegt. Da kommts auf den Herrn Engel auch nicht mehr an und ist auch egal ob er zur AfD geht oder nicht, hat außer das Mineralwasser im Sitzungssaal ausgetrunken weils umsonst war, sowieso überhaupt nichts gebracht.
Ist es nicht schlimm genug, wenn solch Unberechenbare auch noch Staats"diener" sind!Weitere Kommentare zu dieser Person sind doch dann total überflüssig!
Ist es nicht schlimm genug, wenn solch Unberechenbare auch noch Staats"diener" sind!Weitere Kommentare zu dieser Person sind doch dann total überflüssig!
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Ist es nicht schlimm genug, wenn solch Unberechenbare auch noch Staats"diener" sind!Weitere Kommentare zu dieser Person sind doch dann total überflüssig!
Leute, die mal schnell die Partei wechseln, wenn's der eigenen Karriere dient, gab's schon immer. Z.B. von der CSU zur SPD und dann DU (Stadtrat BT).

... passt doch - die AfD wird sich schon noch selbst entzaubern, wenn sie ein Sammelbecken aus Opportunisten wird ...