Fichtelberg: Keiner weiß, ob’s weiter geht

Lange vor dem Brand brannte es zwischen Gemeinde und Badbetreiber Heinz Steinhart. Weil das Bad in die roten Zahlen abgerutscht war, wollte er investieren – und Geld von der Gemeinde. Als die nicht zahlte, stellte er Zahlungen ein. Mitten in diesem Streit brannte die Therme nieder. Steinhart sprach in dessen Verlauf davon, niemandem könne zugemutet werden, einen „Verlustbetrieb“ weiter zu führen. Er sei nicht mehr bereit, Geld in dieses „perspektivlose“ Bad zu stecken.

Erst vor zwei Jahren endete der Prozess vor dem Oberlandgericht in Bamberg. Steinhart musste etwa 1,4 Millionen Euro zahlen. Nicht alles floss in Geld, die Gemeinde einigte sich unter Bürgermeister Georg Ritter (CSU) auf eine Art Vergleich: Die Schulden der Kristall AG entsprechen dem Wert der Grundschuld der Grundstücke, die sie in Fichtelberg hat. Schulden bezahlt, Baugenehmigung für die neue Therme liegt seit Jahren vor, die Brandversicherung hat fast sechs Millionen Euro überwiesen: Doch statt Baulärm herrscht Lethargie in Fichtelberg.

Die Beteiligten schweigen. Einzig Bürgermeister Ritter spricht von zähen Verhandlungen, über die Stillschweigen vereinbart wurde, aber auch von einem „Lichtblick“. Auch andere sprechen von eher zähen Verhandlungen. Es geht um richtig viel Geld.

Bauen hat sich verteuert

In den fünf Jahren seit dem Brand hat sich Bauen verteuert. Beteiligte sprechen von bis zu 50 Prozent bei einzelnen Gewerken: Lärmschutz, Barrierefreiheit – ohne Aufzug geht nichts mehr; die Anforderungen an energiesparendes Bauen sind höher geworden: verlangt werden mehr Dämmung, Solarenergie und oft Geothermie. Auf Brandschutz wird auch mehr Wert gelegt. Um wie viel genau der Bau dadurch in den fünf Jahren teurer geworden ist, müssen Gutachter klären.

Außerdem stehen noch Schadenersatzforderungen gegen Fichtelberg im Raum. Denn Steinhart hatte der Gemeinde vorgeworfen, den Bau verzögert zu haben. Teilweise hatte er von 20 Millionen Euro gesprochen. Noch sind keine detaillierten Forderungen der Badbetreiber bekannt. Vor Gericht müsste geklärt werden, ob und für welche Verzögerung genau die Gemeinde verantwortlich war. Und wie viel Geld sie dafür zahlen müsste. Die Versicherung hat zwar den Restwert bezahlt, sechs Millionen Euro, sie dürfte auch das bezahlen, was der Neubau mehr kostet. Aber sie weigere sich, für die Mehrkosten aufzukommen, die durch eine Bauverzögerung entstanden sind. „Nach wie vor sind die Parteien im Gespräch. Ein Ergebnis gibt es jedoch noch nicht“, heißt es lapidar auf Anfrage.

Konkurrenz wird immer größer

Die Kristall AG in Stein rechnet nach Informationen des Kuriers, ob und wie sich ein Bad in Fichtelberg rentiere. Vor allem der Blick auf die Therme in Weißenstadt dürfte den Planern Kummer machen. Hier hat sich dank des neuen "Gesundzeitressorts" mit 224 Hotelbetten die Zahl der Urlauber binnen Jahresfrist fast verdreifacht. Trotzdem ist das Bad in Fichtelberg nicht endgültig abgeschrieben, wie die Verhandlungen zeigen. Allerdings rüstet jetzt auch die Therme Obernsees auf. Das 20 Jahre alte Bad soll für zwölf Millionen Euro umgebaut werden. Noch ein möglicher Dolchstoß für Fichtelberg.

Ein Druckmittel hat die Gemeinde nicht, um die Verhandlungen zu beschleunigen, „Im Gegenteil“, sagt ein am Verfahren Beteiligter. Den Badbetreibern gehört über ihre Tochterfirma in Fichtelberg das Thermen-Grundstück und der steht die Versicherungssumme zu. Wenn Kristall nicht baut, hat die Gemeinde Pech gehabt, denn sie hat nichts mehr zu sagen, ihr bleibt nur übrig, darauf zu schauen, dass es im Rahmen des Bebauungsplanes ist, was Kristall dort eventuell vorhat. Gernot Geyer von der Rechtsaufsicht des Landratsamtes Bayreuth: „Wir wissen nichts und alles ist mit großen Fragezeichen versehen.“

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Kommentare

ERSTER Bürgermeister Ritter: Keine Ahnung von nix. Hauptsache die Besoldung stimmt.
Altes Personal entsorgt. Neues Personal gezogen! Man muss IHN huldigen. Schlimm ist
ebenfalls: Das Landratsamt schaut zu.
Ich denke das Thema "Therme Fichtelberg" sollte man in den Print+ Internetmedien nicht mehr darstellen.
Therme Fichtelberg ist abgebrannt und gestorben; und aufgrund anderer Objekte im Umland braucht das "Ding" auch keiner mehr
Ausnahme Gemeinde Fichtelberg für Steuereinnahmen, aber wo nichts ist auch keine Steuer
das dumme an der Sache ist, das der 1.Bgm G. Ritter alles an die "Kristall" verschenkt hat zum Nulltarif und jetzt nicht einmal die Möglichkeit besteht, dass der Berg zugeschoben wird, damit die Ruine verschwindet. Diese Ruine wird noch lange stehen und das ist alles andere als gut für den Fremdenverkehr, die Gemeinde hat alle Rechte aus Dummheit oder ???? aus der Hand gegeben. Dieser Bürgermeister ruiniert das Dorf, der schaut nur auf seine monatlichen Bezüge, (Vox hat Recht), die Verwaltung im Rathaus bricht auch bald zusammen.
Die Situation um die Therme ist heillos verfahren. Gerade aus diesem Grund sollte man jetzt keine Schuldzuweisungen machen, sondern nur noch in die Zukunft schauen. Allerdings braucht man dazu eine offene Informationspolitik.
@Uwart, hier geht es um ca. 20 Millionen verschenktes Gemeindevermögen, da dürfen schon Schuldzuweisungen statt finden, der Herr G. Ritter war immerhin schon einige Jahre der Kämmerer der Gemeinde Fichtelberg und sollte sich sehr genau auskennen, aber scheinbar hat er damals die Dinge schon nicht kapiert. Transparent wollte er seine Politik gestalten, das sehr sehr wenige wird hinter verschlossenen Türen entschieden und dann auch noch falsch. Ausbaden müssen es wie immer die Bürger und Fichtelberg hätte dringend einen Vorwärtsschub nötige, da sieht man was ein schlechter Bürgermeister anrichten kann.
Wie hätte ich uns Heinz gegönnt, wenn er nach der Brandstiftung 2012, noch die Eröffnung 2xxx erlebt hätte. Scheinbar fehlt seinen Nachfolgern die Großwilderfahrung.