Feulersdorf: Erste Ernte im Winter

Das Regenwetter schreckt die Bauarbeiter auf der Großbaustelle nicht ab. Die Kreisstraße trennt den Ort Feulersdorf von der 25 Hektar großen Fläche, auf der sich die Nürnberger Gemüsebauern Scherzer und Boß ansiedeln. Ockerfarben liegen die Erdmassen da, durchweicht vom Dauerregen. Die weißen Stahlträger für das erste Gewächshaus ragen in die Luft. Bis Oktober soll es fertig sein. Dann will Fritz Boß die ersten Tomaten und Gurken ansiedeln. "Schließen müssen wir das ganze Jahr über am Markt bestehen."

Im Dezember sind die Tomaten reif

Wenn die Pläne aufgehen, ist das erste Gemüse im Dezember reif. "Ich hoffe, dass wir es nächstes Weihnachten essen können", sagt Boß, der bisher Chicoree, Erdbeeren und Gemüse im Freiland anbaute. In Feulersdorf sollen zusätzlich Paprika geerntet werden. Dank des Gewächshauses ist Ernte im Winter kein Problem. Das zweite Gewächshaus erstreckt sich bis zur Photovoltaikanlage an der A70. Zunächst werden sieben Hektar bebaut, in einem zweiten Bauabschnitt sind noch einmal sechs Hektar vorgesehen. Dieser beginnt nur, wenn sich das Vorhaben finanziell trägt.

Der Regen verzögert die Bauarbeiten

"Bisher liegen wir noch im Zeitplan", sagt Boß. "Durch den vielen Regen im Moment sind wir ein wenig langsamer." Wegen der Wassermassen müsse die Baustelle immer wieder ausgepumpt werden. Denn bald sollen die Gräben für die Kanalrohre gebuddelt und die Fundamente für die Ladehalle gelegt werden. Der Boden bereitet dem Bauherrn allerdings eine Überraschung: Anders als das Bodengutachten nahelegte, war das Gestein äußerst hart. Weil sich das Gelände leicht neigt, wurde auf der einen Seite enorm viel Erde abgetragen und auf der anderen wieder aufgeschüttet.

Glas für die Wände liegt bereit

Das Glas für das erste Gewächshaus liegt schon in Pakten bereit. Und es ist kein gewöhnliches Fensterglas. "Es handelt sich um Spezialglas, das das Licht optimal verteilt", sagt Boß. "So entstehen keine Schatten und man kann durch es hindurch direkt in die Sonne gucken." Licht ist der wichtigste Faktor für das Pflanzenwachstum. Deshalb wird das Gemüse auch künstlich belichtet, 18 Stunden lang, sechs Stunden darf es ruhen. Doch die Innenausstattung mit Rollos, Energieschirmen und dem Kondenswasserauffangsystem kommt erst ganz zum Schluss. "An Kondenswasser können schon mal 300 Liter am Tag zusammenkommen", schätzt Boß. Zwei Wasserbecken sollen darüber hinaus Regenwasser auffangen. Ihre Kapazität: 80 Millionen Liter Wasser.

Als Boss dauernd auf der Baustelle

Fritz Boß ist seit Baubeginn nahezu täglich auf der Baustelle. Sein Tag beginnt um vier Uhr morgens. Denn er hat schließlich noch seinen eigenen Betrieb zusammen mit seinem Sohn zu steuern. In Feulersdorf trifft er meist gegen sechs Uhr ein. Dass der Chef persönlich den Bau überwacht, ist eher unüblich. Doch Boß, wie die Arbeiter in Gummistiefeln unterwegs, hält das für zwingend notwendig: "Jeden Tag gibt es 1000 Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen, die sich andere nicht zutrauen", sagt Boß, der eine Vielzahl von Handwerkern koordinieren muss. Dem Unternehmen liegen auch bereits Bewerbungen vor, die er aber noch nicht beantworten will. "Das Personal ist für mich der zweite Schritt."

Wohnungen für die Arbeiter

Das ehemalige Schulhaus in Schirradorf haben die Investoren als Unterkunft für ihre Arbeiter gekauft. Später entstehen Wohnungen für sie direkt bei den Gewächshäusern. Ein Gebäude für die Wassertechnik und ein Speicher stehen schon. Am künftigen Heizhaus wird ein hoher, sechszügiger Kamin errichtet. Das Kohlendioxid wird aufgefangen und den Pflanzen zugeleitet, die es für die Photosysthese benötigen.

Schornstein wird weithin sichtbar sein

Bürgermeister Pöhner sagt dazu: "Wir sind noch in der Einigungsphase, das Verfahren läuft bereits." Der Kamin wird wohl die Baumwipfel des angrenzenden Waldes deutlich überragen. Und damit weithin sichtbar sein. Fritz Boß geht von einer Höhe von 32 Metern aus. Pöhner stört das nicht. Die Feulersdorfer stehen bisher geschlossen hinter dem Vorhaben. Von den Fesselsdorfern, die das Projekt ablehnten, wollen sie sich nicht reinreden lassen. Vielmehr sind sie stolz auf die Ansiedlung. Immerhin geht es um eine Investitionssumme inzwischen 25 Millionen Euro. Davon profitieren wiederum einheimische Handwerksbetriebe, was den Bürgermeister freut.

Von der Sonne abhängig

Energie wirksam und nachhaltig einzusetzen, haben sich die Investoren zum Ziel gesetzt. "Energie kostet in Deutschland viel Geld", sagt Boß. "Wir wollen daher möglichst 30 Prozent Energie einsparen, aber zugleich den Ertrag steigern." Auf einem Quadratmeter sollen idealerweise 60 Kilo Tomaten wachsen. "Industrielle Produktion" sei das dennoch nicht. "Wir sind immer noch von der Sonne und dem Wetter abhängig und arbeiten mit der Natur."

 

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