Keine Besucher im Festspielhaus

"Am 29. Januar kam das Schreiben bei uns an", sagt Manuel Becher, der Geschäftsführer der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG), auf Anfrage unserer Zeitung. Seit Februar ist der Innenraum des Hauses für Besuchergruppen tabu. "Leider", sagt Becher. "Denn die Führungen werden immer sehr gut angenommen." Knapp 17000 Gäste haben im vergangenen Jahr allein die Führungen im Festspielhaus gebucht. "Das war ein Rekordjahr", sagt Nathalie Zimmermann, die Teamleiterin der Fremdenführer aus der Tourist-Info. "Die Gäste sind natürlich sehr enttäuscht, wenn sie zu uns kommen und erfahren, dass sie nicht ins Festspielhaus reinkommen."

Von Mai bis September geht nichts

Normalerweise gibt es von Mai bis Ende August keine Führungen. Dann wird geprobt im Festspielhaus. Dann muss Ruhe herrschen. "Die 16961 Besucher, die im vergangenen Jahr bei den Führungen dabei waren, kamen in den Monaten Januar bis April und September bis Dezember", sagt Zimmermann. "Was die Teilnehmerzahlen betrifft, hat das natürlich negative Auswirkungen." Auch auf den Umsatz. Denn die Teilnahme an der 45-minütigen Führung kostet regulär sieben Euro pro Person. In den starken Monaten September und Oktober bietet die BMTG vier Führungen pro Tag an. Zwei vormittags, zwei Nachmittags. In den restlichen Monaten oft nur zwei. Wie Becher sagt, habe die BMTG die Führungen im September 2011 übernommen. "Das hat vorher der Hausmeister des Festspielhauses mit gemacht." 

Allein die Tatsache, dass die Festspiele die Führungen - "nicht zuletzt auf Druck des Obersten Rechungshofs", wie Peter Emmerich, der Pressesprecher der Festspiele, sagt - in die Regie der BMTG übertragen habe, habe sich schon positiv für die Besucher ausgewirkt, sagt Emmerich. "Wenn der Hausmeister krank war oder Urlaub hatte, dann gab es keine Führungen. Es gab auch montags keine. Das war deutlich weniger als jetzt." Emmerich sagt, er wäre "auch enttäuscht, wenn ich als Besucher nach Bayreuth komme und ins Festspielhaus wollte und vor verschlossenen Türen stehe". Allerdings sei es in diesem Jahr schlicht nicht anders möglich gewesen, als Ende Januar den Riegel für Besucher vorzuschieben: "Es waren dringende Arbeiten auf der Bühne zu machen. Man hat neue Punktzüge eingebaut und die Obermaschinerie warten müssen. Da kann man keinen Besucher reinlassen. Das ist zu gefährlich."

Gleich danach wurde geprobt

Gleich im Anschluss an diese technischen Arbeiten hätten im April die Proben für die "Tristan"-Neuinszenierung begonnen. "Das war ein nahtloser Übergang." Emmerich sagt, die Proben belegten nicht nur die Bühne, sondern auch den Zuschauerraum. "Da kann man dann natürlich nicht mehr stören." Dieses Spannungsfeld zeige deutlich: "Wir sind eben kein Museum, sondern ein sehr lebendiger Betrieb, der bestimmte Abläufe hat. Wo es Notwendigkeiten zu beachten gibt. Die Führungen sind eine Zugabe zum Betrieb. Es wird ja auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Garantie gibt, dass die Führungen immer stattfinden können."

Emmerich muss lachen, als er den Einwurf hört, unter Wolfgang Wagner hätte es so etwas nicht gegeben. Da seien sogar noch am Premierentag Führungen möglich gewesen. "Das sagen viele. Aber Wolfgang Wagner war in vielerlei Hinsicht Dingen sogar noch viel rigoroser. Der hat die Leute mitunter sogar einfach wieder aus dem Haus geschickt." Im kommenden Jahr, vermutet der Festspielsprecher, dürfte den Führungen wieder mehr Raum gewidmet werden. "Da müsste alles wieder normal laufen."

Viel geht auch außerhalb

Martin Scholti ist einer von denen, die schon lange Gäste durchs Festspielhaus führen. Er kennt das große Interesse der Gäste, die interessante Dinge bei den Führungen erfahren. Und er kennt die andere, die künstlerische, Seite. Denn Scholti ist seit Jahren auch Statist. "Viel findet da im laufenden Betrieb statt. Und viel ist auch außerhalb der regulären Zeiten möglich: Ich habe schon Führungen am 24. Dezember oder an Silvester gemacht."     

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Montag, 13. November 2017 - 11:06