Festspiele: Was Sie wissen müssen

Zum Beispiel, wie der "Tristan" endet...
Katharina Wagner sagte in einem Interview, Marke nehme "sich am Ende, was ihm gehört und ihm zugesagt wurde". Kann nur bedeuten, dass Marke Isolde entführt, oder?

Was macht man, wenn man keine Karte für den „Tristan“ bekommen hat?
Dann bleibt nur der Gang ins Kino. Oder vor den eigenen Fernseher. „Tristan“ wird am Freitag, 7. August, im Cineplex auf großer Leinwand gezeigt. Und – eine echte Neuerung – am 8. August im Fernsehen. 3 Sat überträgt seine Aufzeichnung ab 20.15 Uhr.

Wie sieht’s mit den Parkplätzen in der Nähe des Festspielhauses aus?
Die kosten fünf Euro. Das war bereits im vergangenen Jahr so. Neu ist, dass dieses Jahr Kämpfe um die nicht allzu zahlreichen Parkplätze entbrennen dürften. Denn es werden noch mehr Festspielgäste als sonst mit dem eigenen Auto kommen. Wegen Bauarbeiten wird ein Teilstück der Bahnstrecke zwischen Bayreuth und Nürnberg in den Sommerferien gesperrt – Reisende nach Bayreuth werden bis Pegnitz mit Bussen befördert.

Verrät das Kinoplakat für „Tristan und Isolde“ etwas über Katharina Wagners Inszenierung?
Ja, offenbar. Es gehen in seiner Szene zwei Gestalten durch einen bedrohlich wirkenden Tunnel auf gleißendes Licht zu, und zwar in einer der Videoeinspielungen von Matthias Lippert. Düster wirken vor allem die beiden ersten Akte. Katharina Wagner spricht uim "Münchner Merkur" von "geometrischen Räumen": "Die Dreiecksform ist immer präsent. Einer wird immer in eine Ecke gedrängt."  Das Bühnenbild im ersten Akt erinnerte manche Zaungäste an Harry Potter, mit Treppenfluchten, die sich da verschieben. „Könnte aber auch Name der Rose sein“, meinte ein anderer. Schöner Einfall im letzten Akt: die Lichtpyramiden, in denen Isolde wie in einem Tagtraum erscheint. Ein geladener Gast beschrieb das Bühnenbild als „sehr gefällig, nicht provokant“. Weil wir gerade von einem düsteren Eindruck sprachen: Der gilt nicht für die Musik. Den Orchesterklang unter Thielemann beschrieb ein Kenner mit „wunderbar licht und transparent“.

Wie sieht es mit den Solisten in diesem Jahr aus?
Die Germanwings-Katastrophe riss Lücken in die Reihe der Bayreuther Künstler. Oleg Bryjak und Maria Radner starben bei dem Absturz des Flugzeugs in den französischen Alpen. Ein schwerer Schlag für Bayreuth. 2015 singt Albert Dohmen im „Ring“ an Stelle von Bryjak den Alberich, Anna Lapkovskaja singt nun Floßhilde und 1. Norn.

Eine prominente Umbesetzung: Lance Ryan und die Festspiele einigten sich nicht auf einen neuen Vertrag, Stefan Vinke gibt nun den Siegfried. Eine Umbesetzung sorgte für besonderes Aufsehen: Evelyn Herlitzius tritt als Isolde an die Seite von Tristan Stephen Gould, anstelle vom Anja Kampe. Von Querelen berichtete der „Münchner Merkur“, von Streit, der auf die Rivalität von Kirill Petrenko und Christian Thielemann zurückgehe. So schlimm kann’s dann aber auch wieder nicht geknirscht haben: Als Sieglinde bleibt Anja Kampe den Festspielen erhalten.

Welche neuen Gesichter gibt es sonst noch?
Vor allem Alain Altinoglu. Der Franzose wird den „Lohengrin“ dirigieren, als Nachfolger von Andris Nelsons.

Was erwartet den Besucher in der Stadt?
Zum Beispiel drei süße weiße Esel aus dem Burgenland. Und die heißen Cosima, Richard und Franzi.

Was erwartet den Besucher in der Stadt noch?
Haus Wahnfried – endlich wieder offen. Am 26. Juli öffnet das Richard-Wagner-Museum nach jahrelanger Umbauphase wieder seine Türen für die Öffentlichkeit, ergänzt um Räume fürs Depot und vor allem einen eigenen Flachbau auf dem Grund, den seinerzeit Winifred Wagner ankaufte. Eröffnet wird am Sonntag. Die erste Sonderausstellung wird ebenfalls am Sonntag eröffnet. Ihr Titel wirkt wie ein ironischer Verweis auf die Geschichte des Umbaus in den vergangenen Jahren: „Wahnfried oder Ärgersheim. Die Geschichte Wahnfrieds.“ Schon Richard Wagner hatte schließlich über die wechselvolle Bauphase seines Bayreuther Domizils berichtet: „Wir gehen nachmittags aus, nach Ärgersheim, wie wir das Haus nennen, da beständig irgend etwas Verfehltes oder Vergessenes sich uns darin entdeckt.“

Wie sieht es mit der Aufarbeitung von dunklen Flecken in der Festspielgeschichte aus?
Leichte Fortschritte, aber wirklich nur leichte: Die Ausstellung „Verstummte Stimmen“ ist nun erstmals als Dauerausstellung zu betrachten. Die Stadt Bayreuth belässt die Präsentation, die sich mit der Beziehung von Bayreuther Festspielen und jüdischen Künstlern und Mitarbeitern zwischen 1876 und 1945 beschäftigt, dauerhaft am Grünen Hügel. Hierauf haben sich Stadt, Richard-Wagner-Stiftung und Ausstellungskurator Hannes Heer verständigt.

Unser Termin-Tipp?
Der Historiker Udo Bermbach stellt am 3. August in der Markgrafenbuchhandlung sein neues Buch über Hitlers Vordenker Houston Stewart Chamberlain vor. Bermbach hat sich kürzlich in einem Beitrag in der „Neuen Zürcher Zeitung“ kritisch über die Aufarbeitung der braunen Geschichte Bayreuths durch Stadt und Festspielleitung geäußert. Katharina Wagner habe seit der Übernahme der Festspielleitung die Aufarbeitung des Familien- und Festspielarchivs nicht vorangebracht. Ihre Haltung zur braunen Vergangenheit des Grünen Hügels sei „trübe“. Die Stadt wiederum habe es versäumt, eine große Museumslösung anzustreben und Chamberlains Haus einzubeziehen. Sein Fazit: Bayreuth sei sich über seine „Bedeutung als Wagner-Stadt ebenso wenig im klaren wie über die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben“.

Was tut sich in der Führung der Festspiele?
Eva Wagner-Pasquier verabschiedet sich Ende August aus der Geschäftsführung der Festspiele und wird künftig nur noch beratend wirken. Als Geschäftsführer bleiben Katharina Wagner und Heinz-Dieter Sense übrig. Vom Berater zum Mitentscheider aufgerückt ist Christian Thielemann: Der 56-Jährige darf sich seit einigen Wochen Musikdirektor der Bayreuther Festspiele nennen. Er bekam von den Gesellschaftern einen entsprechenden Vertrag. Welche Funktionen genau mit dem neuen Posten für Thielemann verbunden sind, ist noch zu klären. Offenbar soll er zwar für den „Klang“ der Festspiele verantwortlich sein, aber bei der Verpflichtung von Solisten nicht das letzte Wort haben. Klar ist: Thielemann hat nun einen neuen Parkplatz. Direkt am Festspielhaus, reserviert mit einem blauen Schild.

Was kommt, was geht?
Neben „Tristan und Isolde“ in der Regie von Katharina Wagner gibt es die dritte Auflage von Frank Castorfs „Ring des Nibelungen“, Jan Philipp Glogers „Fliegender Holländer“ und – zum letzten Mal – „Lohengrin“, von Hans Neuenfels in Szene gesetzt. Zum vorerst letzten Mal in Bayreuth zu erleben ist auch Senkrechtstarter Kirill Petrenko. Der Dirigent wird sich künftig stärker auf seine Arbeit als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper in München konzentrieren. Dort gibt’s ja ebenfalls einen „Ring“ zu leiten.

Wie hübscht sich Bayreuth auf?
An der Richard-Wagner-Straße sorgen ab dem heutigen Donnerstag Palmen, Olivenbäume und Bananenstauden laut einer Mitteilung der Stadt „für südländisches Flair“. Und das quasi vor Wagners Haustür. Schöner gemacht sind Festspielpark und - so weit es halt geht - Josephsplatz und Annecyplatz. Und es lockt der Gemüsegarten am Mühltürlein.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06