Festspiele setzen Jonathan Meese vor die Tür

Bei den Vorbereitungen auf die geplante Neuinszenierung des „Parsifal“ 2016 seien von Anfang an erhebliche Finanzierungsprobleme aufgetreten, sagte Festspiele-Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense. "Die Folge wäre eine erhebliche Überschreitung der zur Verfügung stehenden Budgets. Dies ist für die Bayreuther Festspiele GmbH nicht akzeptabel."

Nach reiflicher Überlegung wurde in Abstimmung mit den Gesellschaftern der Bayreuther Festspiele entschieden, sich aus den genannten finanziellen Gründen von Jonathan Meese zu trennen.

Wer für Regie, Bühnenbild und Kostüme der „Parsifal“-Neuinszenierung 2016 künftig verantwortlich zeichnen wird, steht noch nicht fest. Die Musikalische Leitung der Produktion wird in den Händen von Andris Nelsons liegen.    

Meeses Büro gab dazu auf Anfrage keine Stellungnahme ab.

Seit Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier vor der Eröffnungspremiere der Festspiele 2012 verkündet hatten, dass Jonathan Meese als Regisseur und Ausstatter des nächsten Bayreuther "Parsifals" engagiert sei, zog der Künstler immer wieder die Aufmerksamkeit - und auch den Argwohn - des Bayreuther Stammpublikum auf sich.

 "Diese Wagnerianer sind alle Niederknier", sagte der 43-Jährige dem Magazin "Focus". "Die sollen bitte in die Kirche gehen und dieses Opernhaus in Ruhe lassen mit ihrem Heiligkeitsgeschwätz."

In diesem Jahr musste sich Meese außerdem vor Gericht verantworten, weil er in einer Performance den Hitlergruß gezeigt hatte.

Festspielleiterin Katharina Wagner hatte Meese stets verteidigt. "Ich bin mir sicher, dass Herr Meese um die Sensibilitäten weiß, die aus der Bayreuther Geschichte resultieren", sagte Wagner im Kurier-Interview. Er hat jetzt in einem Interview mit dem „Spiegel“ gesagt, er werde Künstler zu nichts zwingen, was sie nicht wollen. Er differenziert da klar – wenn er selbst auf der Bühne steht, tut er bestimmte Dinge, um sie kritisch zu durchleuchten, er zwingt aber niemanden anderen, das in der gleichen Weise zu tun.

"Meese spielt nicht mit Hakenkreuzen. Und Bayreuth auch nicht. Er setzt sie ironisch und sogar auch zynisch ein, um eine Haltung, um unsere Geschichte kritisch anzuprangern", sagte Wagner der "Welt".

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Kommentare

Ich dachte die bekommen 30 Mio. Unterstützung? Aber dass sie Jonathan Meese nicht einladen – ist vielleicht besser, hätte sonst tatsächlich spannend und bedeutend werden können.
Montag, 13. November 2017 - 11:06