Festspiele: Käsebrot statt Edelrestaurant

So ein mehrstündiger Opernbesuch macht hungrig. Und entgegen der gängigen Vorstellung stillt mancher Festspielbesucher seinen Hunger ganz ungezwungen: Er packt in den Pausen mitgebrachte Leckereien aus dem Kofferraum aus und macht es sich – zuweilen sogar mit Campingtisch, Klappstühlen und Sektgläsern ausgestattet – auf dem Parkplatz gemütlich. Nicht für alle muss es Rinderfilet für 39 Euro oder Raukesalat mit pochiertem Ei für 27 Euro sein. Einige der Menschen, die der Kurier beim Picknick gesprochen hat, machten keine Hehl daraus, dass sie die Preise der Festspielgastronomie der Hotelkette Steigenberger für überzogen halten. „Die Gestaltung des Angebots und der Preise liegt gemäß derzeitigem Pachtvertrag alleine im Entscheidungsbereich des Pächters“, teilt Holger von Berg, der geschäftsführende Direktor der Festspiele Bayreuth GmbH, mit. Der Vertrag mit Steigenberger besteht seit 1976, wurde mehrfach verlängert und läuft aktuell bis 2020. Für die Festspiele ab 2021 soll es eine öffentliche Ausschreibung geben.

 

Ein Tipp von Freunden

Henrike und Geritt Begemann haben von Freunden nicht nur die Karten für die Oper bekommen, sondern auch den Tipp, sich für die Pausen doch mit ausreichend Stärkung einzudecken. Eine super Idee finden sie, „zumal das Wetter gerade so toll ist“, sagt Henrike Begemann. Vor der Vorstellung haben sie im Restaurant Bürgerreuth Pizza gegessen. Jetzt sind sie mit belegten Broten und Karotten zufrieden. Dass sie mit dieser Methode Geld sparen, ist für ein schöner Nebeneffekt, aber nicht ausschlaggebend. „Wir haben früher am Bodensee gelebt. Hohe Preise sind wir gewöhnt.“ Foto: Ronald Wittek

 

Preisgünstige Alternative

„Zehn Euro für eine Bratwurst und ein kleines Wasser, das ist doch übertrieben“, sagt die Bayreutherin Annika Stöcker über die Preise der offiziellen Festspiel-Gastronomie. Sie ist Studentin und besucht den Ring. Zusätzlich zu den Opernkarten auch noch in jeder Pause Essen gehen, das ist nicht drin. Stattdessen lässt sie sich mit David Jäck Brezen mit Käse und Rohkost aus der Kühltasche schmecken. Foto: Ronald Wittek

 

Die Briten als Vorbild

Der Grüne Hügel biete sich als Ort für ein Picknick super an, finden Siegfried, Petra und Alexandra Matschke (v.l.). Also hat Petra Matschke vorgesorgt: Pfirsiche in mundgerechte Stücke geschnitten, Brote mit Käse belegt, sogar ein paar Putenschnitzel hat sie vor der Vorstellung gebraten. „Wir machen es wie die Briten. Zum Glyndebourne-Festival kommen auch alle mit Picknickkorb“, sagt Alexandra Matschke. Foto: Marie-Christine Fischer

 

Kuchen im Stehen statt Schlange stehen

Für eine Bratwurst bei Steigenberger Schlange stehen? Darauf hat Marianne Konrad (l.) aus Himmelkron keine Lust. Zumal sie mit der Festspiel-Gastronomie schlechte Erfahrungen gemacht hat: „Die haben mir mal einen extrem trockenen Heidelbeerkuchen serviert, auf dem man die Heidelbeeren mit der Lupe suchen musste“, erzählt sie. Seither versorgt sich sich lieber beim Bäcker und schwört außerdem auf ihre Thermoskanne. Diesmal gibt es zwei verschiedene Sorten Kaffee und Apfelkuchen. Den genießt sie zusammen mit Robert Konrad und Irene Schnapp. Foto: Marie-Christine Fischer

 

Routine im Parkplatz-Picknick

Für Susanne und Ulrich Jancke aus Eckernförde ist es nicht das erste Parkplatz-Picknick in Bayreuth. „Das ist gar nichts, verglichen mit dem, was wir im vergangenen Jahr dabei hatten“, sagt Ulrich Jancke. Dabei haben er und seine Frau jede Menge Leckereien aus einem türkischen Laden aufgetischt: eingelegtes Gemüse, Sesamkringel, Weintrauben, veganer Aufstrich. „Vollkommen verfehlt“ nennt Susanne Jancke die Gastro-Preise bei Steigenberger. „So essen wir wesentlich kostengünstiger und außerdem vielfältiger. Und wenn die Bläser kommen, stecken wir einfach alles zack, zack ins Auto zurück.“ Foto: Ronald Wittek

 

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Es ist doch auch möglich zu Kropf, jetzt "Mohrenbräu" zu gehen. Das ist gleich neben dem Festspielpark.