Festspiele: Fünf-Jahres-Vertrag für Katharina Wagner

Wenige Minuten nach Beginn der Stiftungsratssitzung verließ Daphne Wagner, eine der vier Vertreter der Stifterfamilie, aus Protest den Sitzungssaal im Rathaus. Vorher sagte sie: „Wir haben ja alle Zeitung gelesen: Das Festspielhaus ist bis 2040 vermietet und damit die Stiftung entmachtet. Es gibt hier also nichts mehr zu entscheiden, ich weiß nicht, was ich jetzt hier soll."

In der folgenden rund zweistündigen Sitzung diskutierte der Stiftungsrat unter Vorsitz von Ministerialdirigent Schmid unter anderem über die finanzielle Zukunft der Stiftung: Mit dem erweiterten Richard-Wagner-Museum steigen die Ausgaben um mehrere hunderttausend Euro jährlich, größte – und beinahe einzige – Einnahme ist die Miete aus der Festspielhaus-Vermietung in Höhe von 140 000 Euro.

„Da sind vor allem Bund und Freistaat Bayern in der Pflicht", sagte Regierungspräsident Wilhelm Wenning als Chef des Stiftungsvorstands nach der Sitzung. „Jeder will natürlich erst einmal abwarten, wie viel die anderen geben. Es ist wie im Western: Wer zuerst zuckt, verliert." Ergebnisse gebe es darum noch nicht. Es sind – nach der Wahnfried-Baustelle und der Festspielhaus-Sanierung – die dritten Finanzverhandlungen zwischen Bund, Freistaat und Stadt Bayreuth innerhalb von vier Jahren.

Die Verlängerung der Amtszeit Katharina Wagners sei in der gestrigen Sitzung kein Thema gewesen, sagte Schmid, der neben dem Verwaltungsrat der Festspiele GmbH auch dem Stiftunsrat der Richard-Wagner-Stiftung vorsitzt.

Festspielsprecher Peter Emmerich bestätigte die laufenden Verhandlungen. Es gebe aber noch kein Ergebnis – „jedenfalls keines, das wir nicht schon alle kennen." Wie berichtet, soll die Festspielleitung ab 2015 nur noch aus einem künstlerischen und einem kaufmännischen Direktor bestehen; Eva Wagner-Pasquier scheidet im kommenden Jahr aus.

Nach Kurier-Informationen sind die Verhandlungen über den Vertrag Katharina Wagners zuletzt ins Stocken geraten, weil das Staatsministerium für Kultur in Berlin und das Wissenschafts- und Kulturministerium in München sich über einzelne Formulierungen uneins sind. Die Entscheidung über die zweite Amtszeit Katharina Wagners liegt seit gestern allein bei den Geldgebern der Festspiele – Bund, Freistaat, Stadt Bayreuth und der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Die Regelung, dass bei Zweifeln über die Eignung eines Festspielleiters ein Kuratorium aus sachverständigen Intendanten befragt werden muss, ist damit ausgeschaltet.

Auch die Stadt Bayreuth hat weniger Einfluss. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hatte als Geschäftsführerin der Stiftung eine Schlüsselposition inne; künftig sitzt sie den Mehrheitsgesellschaftern des Bundes und des Freistaats Bayern gegenüber.

Daphne Wagner als Vertreterin der Stifter erklärte, sie behalte sich juristische Schritte vor. „Denn so geht es nicht." Die Zusage für die Sanierungs-Millionen abhängig zu machen von einem Mietvertrag bis 2040 – „das ist die reine Erpressung, sonst gar nichts", so Wagner. „ Ich kann mir vorstellen, dass diese Übernahme von langer Hand geplant ist. Die Bayern wollten schon immer Bayreuth kassieren."

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Kommentare

Welche Vertragsdauer hat Toni Schmid?
Ich würde mal sagen: Beamter auf Lebenszeit
"Jährlich, größte – und beinahe einzige – Einnahme ist die Miete aus der Festspielhaus-Vermietung in Höhe von 140 000 Euro" - das muss man sich bei den heutigen Mietpreisen auch in Bayreuth mal auf der Zunge zergehen lasse!!
Lieber Herr Kiepfer, Toni Schmid ist verbeamtet, es gilt da also die übliche Pensionsgrenze.
Montag, 13. November 2017 - 11:06