Festspiele: Es war schon mal schlechter

Die "Meistersinger“, vielleicht geht es ja auch nur mir so, entfalten Wirkung noch lange danach. Währenddessen war es so: Man freute sich in der Pause schon wie ein kleines Kind. Darauf, dass es gleich weitergehen würde. Die „Meistersinger“ 2017, in Szene gesetzt von Barrie Kosky: Selten kann man seine Sinne so durch eine Inszenierung spazieren lassen.

Und danach?

Ist ein Ende nicht abzusehen. Diese Inszenierung arbeitet in einem nach; man stellt sich Fragen, grübelt, will mehr wissen über Details und Figuren. Wer war Hermann Levi, beispielsweise, was hat uns Heutigen das Schicksal dieses jüdischen Dirigenten zu sagen? Was gibt es heute über Ausgrenzung zu sagen, oder darüber, was „deutsch und echt“ sei? Es ist durchaus unüblich, eine Inszenierung in so kurzer Zeit zweimal zu besprechen. An dieser Stelle geschieht es, um den Eindruck zu unterstreichen, dass diese Festspiele anders sind als die der vergangenen Jahre.

Entspannt und trotzdem spannend

Überraschend entspannt ging es in der Probenzeit zu, keine Skandale gab es, auch der Ärger über Kontrollen und Zaun hielt sich in Grenzen. Auffallend viele Beteiligte sprechend auffallend freundlich über die familiäre Atmosphäre im Theater.

Mehr zu Barrie Koskys "Meistersingern"

Dann der Auftakt, einen Tag früher als sonst, weil diesmal bereits mit dem Festakt für Wieland Wagner eingeläutet, am Abend vor der Eröffnungspremiere: Im Festspielhaus wurde Wagner gespielt, klar, aber eben auch Verdi und Berg. Spielt Neues, Kinder! Ja, warum eigentlich nicht? Als Hartmut Haenchen das Festspielorchester zu Wielands Ehren dirigierte, war die nächste skandalfreie Neuigkeit schon in der Welt: In der nächsten Spielzeit gibt’s nen Viertel-„Ring“, die „Walküre“ allein steht von Frank Castorfs Inszenierung dann noch auf dem Spielplan. Es singt nicht, aber es dirigiert: Placido Domingo.

Hervorragende Besetzung

Aus dem, was sonst noch neu, bemerkenswert oder anderweitig berichtenswert ist, sei diese Tatsache hervorgehoben: Ob Georg Zeppenfeld als Gurnemanz oder René Pape als Marke oder Petra Lang als Isolde oder Michael Volle als Hans Sachs und, und, und – die Besetzung ist hervorragend, ebenso die Riege der Dirigenten.

Es gab keine Skandale in diesem Jahr (bislang jedenfalls nicht). Zu berichten gab es genug. Es war schon mal schlechter. Es war schon lange nicht mehr besser.

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Kommentare

"Es war selten besser" wäre auch möglich gewesen, um Superlative in der Überschrift zu vermeiden. Wäre zu positiv gewesen.Scheint genetisch bedingt zu sein, unter Journalisten: Nur nicht jubeln, lieber tiefschwarz im Aufmacher und dann im Artikel relativieren. Sonst liest es keiner.
Vielleicht liegt es auch an uns Lesern?
Übel.